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Josef J. Pöllmann
Stadt Waldkraiburg > Neumarkt St. Veit > Gemeinde Ampfing > Stadt Altötting > Mühldorf-TV ist durch die BLM lizenziertes Lokalfernsehen
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Das gab's 2015 bei Mühldorf-TV und bei Altötting-TV
Hier können Sie nachlesen, worüber wir in KW 19/2015 berichtet haben.
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Nr.
Thema LZ Archiv KW Ersch.
101 "Viel hilft viel!?" - Das vierte Frühjahrssymposium der Klinik Haag 16:50 19 07.05.15
In die Aula der Realschule in Haag luden die Kreiskliniken Ärzte, Pflegepersonal und Auszubildende aber auch Interessierte und Patienten ein um der Frage nachzugehen, ob wirklich nicht häufig bei älteren Patienten weniger Medikamente besser wären.
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Unterstützt wurde das vierte Frühjahrssymposium von zahlreichen Anbietern aus dem Gesundheitswesen.
Cheforganisator Bernhard Streit warb für die Klinik-App, die wir vor Kurzem vorstellt haben. „Haben Sie den QR-Code schon gescannt???“
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Chefarzt Dr. Stefan von Clarmann hieß die Gäste in diesem - fast griechischen - Atrium herzlich willkommen.
Besonders er als Internist steht immer vor der Herausforderung die richtigen Medikamente zu wählen und die richtige Dosierung zu finden. Eine Patentlösung hat er bisher nicht gefunden. Deshalb wollte er selbst von den Referenten des Nachmittags viel lernen.
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„Viel hilft viel“ kennt man aus vielen Lebensbereichen, vor allem aber in der Medizin, meinte der ärztliche Direktor der Kreiskliniken, Dr. Wolfgang Richter. „Viel hilft viel“ gilt aber längst nicht mehr im politischen Bereich des Krankenhauswesens in Deutschland: 1970 gab es in Westdeutschland noch 3.600 Krankenhäuser mit 650.000 Betten. Da schon damals die Politik dachte, das wäre zu viel, baute man Betten ab. 2013 gab es in der nun größeren Bundesrepublik keine 2.000 Krankenhäuser mehr und nur noch 500.000 Betten.
Der Abbau geschah über wirtschaftlichen Druck, den 1.600 Krankenhäuser nicht überstanden haben.
Neue Untersuchungen sehen noch immer 300 Krankenhäuser zu viel. (O-Ton Die Kliniken Mühldorf haben großen Ehrgeiz nicht dazu zu gehören!)
Die Gefahr der Schließung ist von Jahr zu Jahr geringer geworden. Da half dann doch wieder „Viel hilft viel“: Viele Ideen was anzubieten ist, viele engagierte Mitarbeiter und viel Freiraum von Seiten der Verantwortlichen. Dazu viel Struktur. Daran arbeiten die Kliniken ständig und haben die Effizienz kontinuierlich gesteigert. Es wurde also viel investiert und viel erreicht.
So wünschte der den Zuhörern, daß sie viel von dieser Veranstaltung mit nach Hause nehmen für ihre eigene viele Arbeit.
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Dr. Stefan von Clarmann stellte sich die Frage, wie man Polypharmazie erkennen kann, wie die Medikamentenüberfrachtung heißt.
Ein 65-jähriger Patient nimmt durchschnittlich 5 Medikamente pro Tag. 80% dieser Patienten leiden unter mindestens einer chronischen Erkrankung. In Pflegeheimen liegen diese Zahlen erheblich höher.
Da jedes Medikament Nebenwirkungen hat, entsteht eine Verschreibungskaskade: Gegen die Nebenwirkungen des ersten Medikaments verschreibt der Arzt ein zweites. Gegen dessen Nebenwirkungen ein Drittes und so weiter. Außer dem ersten Medikament sollen also alle weiteren Nebenwirkungen beheben. Dabei sollte der Arzt wissen, wo die Ursachen plötzlich auftretender Krankheiten liegen. Statt dessen werden so viele weitere Medikamente verabreicht bis der Patient völlig austickt. (O-Ton )
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Tatsächlich ist das Risiko für ältere Menschen bei Gabe von 6 Medikamenten gleichzeitig ums 14-fache erhöht. Trotzdem darf man Medikamente nicht verteufeln, weil sie ja auch das hohe Alter der Leute erst ermöglichen.
Gründe für die hohe Anfälligkeit älterer Menschen auf Nebenwirkungen liegen in der Änderung des Stoffwechsels, gestörten Kompensationsmöglichkeiten, paradoxen Reaktionen, dem Mangel an Eiweiß, dem Rückgang des Wasser- und der Zunahme des Fettgehalts und der erhöhten Empfindlichkeit für Delirs.
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Die bekannten Empfehlungen sind zu umfangreiche um sie beachten zu können. Wichtig ist die regelmäßige Überprüfung der Medikation. Man muß immer wieder nachfragen, ob dieses oder jenes Medikament noch gegeben werden muß.
„Start slow, go slow“ ist eine Grundregel, die besonders in der Akutmedizin schwer einzuhalten ist.
Die richtige Galenik wird später ausführlich erläutert.
Helfen kann man wenn man den einzelnen Patienten genau betrachtet.
So sollte für jeden Patienten ein individuelles Konzept erstellt werden, in dem sein Therapie-Wunsch berücksichtigt werden muß.
Nicht übersehen werden darf die Gebrechlichkeit des Patienten, also der schlechte Allgemeinzustand, etwa die ausreichende Versorgung mit Nahrung und Flüssigkeit.
(O-Ton Für Nicht-Esser und Nicht-Trinker ist eine Medikation.... )
Im Fokus stehen muß auch die Lebenserwartung des Patienten. Einem 80-jährigen rüstigen Patienten ohne chronische Erkrankungen wird man andere Medikamente geben als einem gebrechlichen. Es ist also schwierig.
Die Kreiskliniken nutzen ein Computerprogramm, das alle bekannten Diagnosen, Alter, Geschlecht und vorhandene Laborwerte berücksichtigt und Warnhinweise bei falscher Medikation auswirft.
Dieses System ist inzwischen gut etabliert und für beide Häuser ein Segen.
Man sieht also, es gibt keine Patentlösungen. Die erhoffte sich Dr. Stefan von Clarmann von den folgenden Referenten.
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Professor Dr. Johannes Schwarz konnte mit einem Patentrezept auch nicht dienen. Er war allerdings sicher, kein Arzt hat die Absicht mit noch mehr Medikamenten den Patienten zu schaden.
Er war aber überzeugt, statt zu Fragen „Darf es noch eine Tablette mehr sein?“ sollte es heißen: „Dürfen es auch zwei Tabletten weniger sein?“
Bei der Medikation älterer Patienten muß natürlich ihr körperlicher Zustand berücksichtigt werden. Bei vielen arbeitet der Magen gar nicht mehr richtig so daß die Medikamente gar nicht in den Dünndarm gelangen wo sie ihre Wirkung entfalten sollen. Zudem nehmen ältere Körper die Wirkstoffe anders auf und reagieren anders darauf.
Gerade bei Parkinson-Patienten muß genau hingeschaut werden. Darauf ging Professor Schwarz dann detailliert ein.
Berücksichtigt werden müssen auch die psychiatrischen Symptome von Parkinson-Patienten.
Beispielhaft ging Professor Schwarz auf die Interaktionen verschiedener Wirkstoffe ein und nannte eine Reihe bekannter Nebenwirkungen.
Abschließend beschrieb er den Fall eines 72-jährigen pensionierten Patienten mit Morbus Parkinson, der vermehrt unter Karies litt und eine neu aufgetretene Gingivitis hatte. Dazu gab es mehrere Szenarien, die alle in Betracht kommen und die der behandelnde Arzt erkennen muß um darauf reagieren zu können.
Professor Schwarz faßte zusammen: (O-Ton )
Bei allem muß das Therapieziel des Patienten geklärt werden und ein individueller Weg gefunden werden.
(O-Ton)
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Dr. Stefan von Clarmann hat nach dem ausführlichen Vortrag von Professor Schwarz gelernt, daß sie über den Tellerrand hinausschauen müssen. (O-Ton 51:20:00 Besser kann’s ein Internist nicht bringen!)
Medikamente sind also „sau-gefährlich“ und doch nicht zu ersetzen. Auch die nötige Kontrolle ist kaum möglich, vielleicht noch in Pflegeheimen. Es ist also ein echtes Dilemma in dem die Ärzte hier stecken.
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Anja Schmaler arbeitet als Ergotherapeutin an der Klinik in Haag. Sie beschäftigte sich mit den Schwierigkeiten älterer Patienten aus einer Blisterverpackung eine Tablette herauszunehmen. Wenn sie den Leuten nicht runterfallen, zerbröseln sie sie häufig.
Beeinträchtigt ist bei älteren Leuten das Sehen, die Sensibilität oder Wahrnehmung, die Koordination oder Feinmotorik oder die Kognition, also die Erkenntnis der Handlungsabläufe.
Hilfsmittel sind Sehhilfen, Schneidestifte, Pinzetten, Tablettenzerteiler oder Dosierbehälter.
Tablettentimer und vieles mehr.
Um die Fähigkeiten des Patienten zu ermitteln gibt es den Geldzähltest nach Nikolaus, der die Zeit ermittelt, die der Proband benötigt um in einem definierten Portemonnaie 9 Euro 80 zu zählen. Das ließ sie die Zuhörer dann selbst ausprobieren. Sie sollten nicht länger als 45 Sekunden dafür brauchen. Zwischen 45 und 70 Sekunden besteht bereits die Gefahr der Hilfsbedürftigkeit und über 70 Sekunden ist der Patient aller Wahrscheinlichkeit nach hilfsbedürftig. Diese Einschätzung betrifft natürlich die Fähigkeiten, Medikamente selbst aufzunehmen.
Übrigens wird der Geldzähltest nach drei Fehlversuchen oder nach 5 Minuten abgebrochen.
In der Klinik in Haag helfen die Fachbereiche indisziplinär zusammen, trainieren Defizite auszugleichen, organisieren Hilfen und beziehen die Angehörigen ein.
(O-Ton Bei Fragen fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker!)
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Da für Apotheken ganz besondere Regeln gelten, hatte Dr. Stefan von Clarmann Susanne Engelmann von der Antonius-Apotheke in Waldkraiburg eingeladen.
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Für Susanne Engelmann ging es in dieser Thematik vor Allem um das Entlaß-Management, also die Übernahme der Patienten aus dem Krankenhaus in die Obhut des Hausarztes.
Wenn ein Patient aus dem Krankenhaus entlassen wird steht er vor vielen Aufgaben um die er sich kümmern muß obwohl er doch eigentlich nur ins Bett will.
In §11 des fünften Sozialgesetzbuches Absatz 4 ist die Entlassung von Patienten aus Kliniken geregelt.
Im Krankenhaus hat sich die Pflegeabteilung um das Entlaßmanagement zu kümmern.
Der Arzt fühlt sich meist nicht zuständig, der Sozialdienst kümmert sich vorwiegend um Unterbringung und Betreuung und die Apotheke, die eigentlich prädestiniert wäre für diese Aufgabe? Sie muß großen Aufwand auf Grund der gesetzlichen Vorgaben und der großen Zahl Entlassungen betreiben.
Den Weg des Patienten aus dem Krankenhaus kann man so beschreiben. Werden Patienten am Freitag entlassen, müssen oft Vertretungen oder Notdienste in Anspruch genommen werden.
Probleme gibt’s aber auch bei der Apotheke, die bei spätem Eingang eines Rezepts die Medikamente vor dem Wochenende nicht mehr liefern kann. Besonders Betäubungsmittel können dann erst am Montag geliefert werden, die Apotheken nicht lagern dürfen.
Zu kämpfen haben Apotheken in solchen Situationen auch mit den Rabattverträgen der Krankenversicherungen über die sie sich nicht hinwegsetzen dürfen.
Es gibt viele weitere Probleme deren Ursache Susanne Engelmann in der mangelnden Kooperation zwischen Krankenhaus und Apotheke sah.
Susanne Engelmann zog folgendes Fazit:
Die vier wichtigsten Stolperfallen mit ungeklärten Verantwortlichkeiten, strukturellen Hindernissen und Unkenntnis der gegenseitigen Abläufe erschweren das Entlaßmanagement.
Sie hatte aber auch Lösungsvorschläge: So könnte die Klinik den Hausarzt rechtzeitig per Telefax oder Email von der bevorstehenden Entlassung verständigen.
Möglich wäre, dem Patienten eine Entlassungsinformation nach diesem Muster mitzugeben.
In manchen Krankenhäusern gibt es die Überleitungspflege oder gar eine zentrale Notdienstpraxis. Susanne Engelmann schlug ein „Entlaß-Rezept“ auf Wirkstoffbasis vor oder die Medikamente für drei Tage dem Patienten mitzugeben. Das funktioniert im Landkreis Mühldorf sehr gut.
Nicht befürworten wollte Susanne Engelmann die Einführung einer Patientenring-GmbH wie die Uniklinik Freiburg sie betreibt.
Mit dem E-Health-Gesetz, das schon sehr lang diskutiert wird, werden alle Daten auf der Gesundheitskarte gespeichert und stehen so den Apotheken zur Verfügung.
Ob es kommt oder nicht: Jeder neue Ansatz muß diese Kriterien erfüllen.
Die Aufgabe wird sein, die Lücke zwischen ambulant und stationär zu schließen.
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Dr. Stefan Feige berichtete aus der Sicht der Hausarztpraxis. Häufig staunen Hausärzte über die große Zahl Medikamente, die Patienten einnehmen sollen. Dabei wird mit der genannten Verschreibungskaskade eine Nebenwirkung mit weiteren Medikamenten behandelt.
Als Beispiel nannte er eine 85-jährige Patientin mit einer Reihe Einschränkungen.
Sie erhielt eine lange Liste Medikamente und mußte wegen Verschlechterung des Allgemeinzustandes ins Krankenhaus eingeliefert werden. Nach Änderung der Medikamente wurde sie entlassen.
Kurze Zeit später wurde sie erneut eingeliefert. Und wieder ändert sich kaum etwas.
Nachdem das Palliativteam fast alle Medikamente abgesetzt hatte, ging es der Patientin nach kurzer Zeit wesentlich besser. Die Medikation bietet also die größte Fehlerquelle.
Im Weiteren ging Dr. Feige auf eine Reihe Medikamente ein, und erläuterte die jeweiligen Einschränkungen und Konflikte und forderte, die Medikation in regelmäßigen Abständen zu überprüfen.
Mit einem weiteren Fall aus dem Bereich Neurologie unterstrich Dr. Stefan Feige seine Forderung. Auch im Fall der 83-jährigen desorientierten und erschöpften Patientin brachte die Absetzung der Medikamente nach kurzer Zeit erhebliche Besserung.
Studien haben gezeigt, daß jeder vierte Patient über 75 Jahren ein Diuretikum erhält und dieses an erster Stelle der unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei Senioren steht.
Hier die Symptome auf Grund unerwünschter Arzneimittelwirkungen. )
Viel zu wenig beachtet werden die Interaktionen von bekannten Arzneimitteln wie Diclophenac oder Ibuprofen.
Die häufigsten Interaktionen sind diese.
Es gibt eine Liste mit Medikamenten, die besonders für ältere Patienten geeignet sind.
Stellt sich also die Frage: Kann man Medikamente einfach absetzen?
Untersuchungen haben gezeigt, welche Folgen das Absetzen einzelner Medikamente nach sich zieht. Daraus ergeben sich diese „Stop“- und „Start“-Kriterien.
Es gibt zwar Argumente für als auch gegen das Absetzen von Medikamenten. Es muß eben immer der Einzelfall überprüft und mit Fachärzten und den Angehörigen abgeklärt und überwacht werden.
Dann ist unter diesen Voraussetzungen weniger tatsächlich mehr.
Nicht auf die leichte Schulter nehmen darf man auch Naturpräparate, die in Kombination mit Medikamenten selbstverständlich Nebenwirkungen haben.
Auch wenn man sparen sollte, darf man bei diesen Erkrankungen nicht sparen. Vor allem nicht bei der Behandlung hohen Blutdrucks.
Abschließend empfahl Dr. Stefan Feige das Buch „Arzneitherapie für Ältere“ aus dem er seine Weisheit bezogen hatte.
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Abschließend luden Studentinnen des Studiengangs Physiotherapie der Hochschule in Rosenheim ein, die Mobilität zu trainieren. Sie zeigten Übungen zur Plyometrie, also zur muskulären Schnellansteuerung einzelner Gliedmaßen. Darunter versteht man die schnelle Ausführung einer exzentrischen und konzentrischen Muskelbelastung, etwa das schnelle Aufstehen aus einem Stuhl.
Untersuchungen haben ergeben, daß männliche Probanden nach 12 Wochen Training höher sprangen und ein verbessertes dynamisches Gleichgewicht hatten.
55 Frauen zwischen 40 und 70 Jahren bekamen mehr Sprungkraft und konnten schneller vom Stuhl aufstehen. Das alles führt, wie auch regelmäßiges Tanzen, zu mehr Fitnes im Alter.
Das führten sie dann vor und bezogen die Zuhörer ein.
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Damit schloß Dr. Stefan von Clarmann das vierte Frühjahrssymposium und lud die Gäste zu einer kleinen Stärkung ein.
102 Zum 50. Mal: DGB-Kundgebung zum 1. Mai in Waldkraiburg: "Die Zukunft der Arbeit sichern" 15:00
Unter den Überbau des Waldkraiburger Stadtplatz-Centers zurückgezogen hatte sich die Egerländer Trachtenkapelle für ihr Standkonzert am diesjährigen Tag der Arbeit.
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Während sie spielten kamen immer mehr Teilnehmer am Demonstrationszug für die Arbeitnehmerrechte zusammen. Unter ihnen alle drei Waldkraiburger Bürgermeister, Stadt- und Kreisräte, eine Reihe Gewerkschaftsfunktionäre und Mitglieder politischer Parteien und des Kreisjugendrings.
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So zogen sie ums Rathaus über den Sartrouville-Platz Richtung Schenkerhalle.
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In der Schenkerhalle erinnerte der DGB an die 50-jährige Geschichte der Maikundgebungen in Waldkraiburg, die 1965 begann als die Stadt gerade erst 6.000 Einwohner hatte. Damals kamen 2.300 Zuhörer zur Kundgebung.
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Bis es los ging unterhielten die Egerländer und die Gäste ließen sich ein Weißwurstfrühstück schmecken. Und Gustl Schenk schrieb Autogramme.
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In seiner Begrüßung erinnerte DGB Kreisvorsitzender Richard Fischer an die 125-jährige Geschichte der Gewerkschaften und die Tradition am 1. Mai auf die Rolle der Gewerkschaften zu feiern. Die Gewerkschaften haben Deutschland wesentlich mit gestaltet, sind Garanten für das demokratische Handeln des Staates und Beispiele im Widerstand gegen jede Art von Extremismus.
Als vor 50 Jahren zum ersten Mal der erste Mai begangen wurde, war das in einer Zeit des Aufbruchs und des wirtschaftlichen Booms. Seither sind sie bei Wind und Wetter für ihre Forderungen marschiert.
Richard Fischer erinnerte an die zahlreichen Unterstützer in dieser langen Zeit und freute sich besonders über die Egerländer Trachtenkapelle, die zum 50. Mal ihre Veranstaltung musikalisch umrahmt.
Damit hieß er Bürgermeister Robert Pötzsch, dritte Bürgermeisterin Inge Schnabl, eine Reihe Stadt- und Kreisräte und viele mehr herzlich willkommen. Ein herzlicher Gruß galt auch Altbürgermeister Siegfried Klika.
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Für Susi Drobny von der Industriegewerkschaft Bergbau-Chemie-Energie sind Gewerkschaften aus einer demokratischen Gesellschaft nicht wegzudenken. Als moderne Organisation wollen sie auch weiter für die Rechte der Arbeitnehmer eintreten.
Die derzeit größte Herausforderung für die Gewerkschaften ist, das früher Erkämpfte zu erhalten. Ausruhen geht nicht. Nur mit den Gewerkschaften ist in der Politik Fortschritt zu erreichen. So forderte sie Autobahn- und Bahnausbau und gute Arbeit weit oberhalb gesetzlicher Mindeststandards. Nur zufriedene Mitarbeiter können Leistung bringen. Dazu nötig ist eine neue Anerkennungskultur und ein ernst gemeinter Dialog auf Augenhöhe. Weil das nur zu erreichen ist, wenn sich alle einbringen warb sie um Mitglieder für ihre Gewerkschaft und stellte zahlreiche junge Kollegen vor.
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Für die IG Metall berichtete die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Netzsch Vera Dirken von den letzten Tarifverhandlungen, in denen die Gewerkschaft 5,5% mehr Lohn gefordert hatte, verbesserte Alters- und Bildungsteilzeit. Wie zu erwarten war, widersprachen die Arbeitgeber diesen Forderungen. Mit ersten Warnstreiks bei Netzsch und TRW untermauerten sie aber ihre Forderungen. Schließlich einigten sich die Tarifparteien zum bekannten Abschluß.
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Für die Gewerkschaft ver.di begrüßte Gerd Hilger den Tarifabschluß im öffentlichen Dienst und bedauerte die Ablehnung des Tarifabschlußes durch die angestellten Lehrer. Bei der Postbank konnte ein neuer Abschluß erzielt werden. Er war „sau-froh“ daß die Deutsche Bank die Postbank wieder abgegeben hat. Nun können sich die Postbankmitarbeiter wieder sicher fühlen.
Gerd Hilger war entsetzt darüber was die Deutsche Bank aus der grundsoliden Postbank gemacht hat.
Derzeit dauern Tarifgespräche mit öffentlichen Arbeitgebern an, in denen Erzieher und Sozialarbeiter besser gestellt werden sollen. Es kann schließlich nicht sein, daß ein angelernter Fließbandarbeiter in einem Automobilwerk mehr verdient als eine Erzieherin nach fünf Jahren Ausbildung. Auch wenn das die Kommunen stark belasten wird, unterstützen diese Leute doch die Eltern darin, ihr Leben in der Gesellschaft auf die Reihe zu bringen.
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EVG-Bahngewerkschafter Kurt Dobrauer sah seine Branche wegen der Streiks der Lokführer im Feuer. Obwohl seine Gewerkschaft seit Ende August 2014 in Tarifverhandlungen mit der Bahn steht, streiken sie nicht. Er warf der GDL vor, die Belegschaft der Bahn zu spalten, was sie selbst nicht wollen. Mit dem Angebot der Bahn wird sich die Tarifkommission der EVG befassen. Kurt Dobrauer schloß einen Streik der Mitglieder seiner Gewerkschaft nicht aus, forderte aber, vorher alle Möglichkeiten auszuschöpfen.
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Bürgermeister Robert Pötzsch würdigte die 125-jährige Geschichte der Gewerkschaften, die damit begann, daß Arbeiter in Europa und Amerika ihren Forderungen Gehör verschaffen wollten. Das gelang nicht immer friedlich und gewaltfrei. Seither haben die Gewerkschaften viel erreicht und mit dem 1. Mai sogar einen Feiertag erhalten.
Auch heute noch geht es um Solidarität, soziale Gerechtigkeit und gute Arbeit für jeden, vom Schulabgänger bis zum Zuwanderer. Gute Tarifabschlüsse und der Mindestlohn haben dafür gesorgt, daß Arbeitnehmer heute gut und sicher leben können.
Trotzdem besteht Handlungsbedarf etwa bei Langzeitarbeitslosen oder bei der Überwindung von befristeten Arbeitsverhältnissen.
Die Gewerkschaften sind stets zur Zusammenarbeit bereit und damit Garanten der Demokratie. Dafür dankte er und sicherte ihnen zu auch in Zukunft auf sie zu zählen. So gratulierte er zum 50. Jubiläum der Kundgebung und erinnerte daran, daß seine erste Veranstaltung als erster Bürgermeister vor einem Jahr auch die Kundgebung des DGB war.
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Richard Fischer dankte Bürgermeister Robert Pötzsch mit einem Apfelbaum und hoffte, daß jeder rote Apfel eine weitere Maikundgebung bedeuten möge.
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Georg Schneider, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten sah den ersten Mai als Symbol für die Verteidigung von Arbeitnehmerrechten. Und da gibt es verdammt viel zu tun. In vielen Bereichen gilt es nämlich wieder von vorne anzufangen.
Zunächst aber gratulierte er den Waldkraiburgern zur 50. Maikundgebung und erinnerte an die lange Geschichte seit Beginn der Arbeiterbewegung. Schon 1865, also vor 150 Jahren wurde der Verband der Tabakarbeiter gegründet, der ein Vorläufer seiner Gewerkschaft war.
Eine Jubiläumsfeier wird es am 3. Juli in Rosenheim geben.
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Gewerkschaften sind nötig um etwa den Mindestlohn durchzusetzen. Noch nicht einmal die Tarifautonomie hat darunter gelitten, allen Unkenrufen zum Trotz.
Georg Schneider dankte besonders ver.di und Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles für ihr Rückgrat. Er forderte sie auf, auch in der jetzigen Diskussion um die angebliche Bürokratie nicht einzuknicken. Er kritisierte besonders die CSU, die hier ständig dieses angebliche Bürokratiemonster an die Wand malt obwohl sie in der Koalition den Mindestlohn selbst mit beschlossen haben.
Er kritisierte auch die Hotel- und Gaststättenarbeitgeber, die nach seiner Meinung nur deshalb gegen den Mindestlohn sind weil sie die jahrzehntelange Ausbeutung verschleiern wollen. Dabei ist der Mindestlohn keineswegs ein gerechter Lohn.
Seit der Zoll kontrolliert, fallen auch die Bäckereien als Hort der Ausbeutung auf. Die bezahlen nämliche ihren Mitarbeitern nicht die Zeit, die sie etwa für die Vorbereitung von Butterbrezen oder Wurstsemmeln brauchen. Bezahlt bekommen die erst ab Ladenöffnungszeit - besonders in den vielen Backshops.
Georg Schneider kritisierte die zahlreichen Ausnahmen vom Mindestlohn, freute sich aber, daß es nicht noch mehr sind wie von den vielen Lobbyisten gefordert. Trotz Mindestlohn kann man sich also jetzt den Spargel noch leisten!!! Schließlich kostet jedes Kilo Spargel jetzt gerade mal 10 Cent mehr. (O-Ton So wern mia verarscht)
Wurden bisher gesetzliche Vorschriften einfach ignoriert, zwingt die Zeiterfassung jetzt endlich zu ihrer Einhaltung.
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Leiharbeit wurde immer dazu mißbraucht, Arbeitnehmer auszubeuten. Leiharbeiter wurden schlicht Billiglohnarbeiter und weit unter Tariflohn bezahlt – besonders in der Milchwirtschaft.
Noch schlimmer sind Werkverträge. Arbeitgeber haben auf perfide Weise mit Werkverträgen Arbeitnehmer ausgebeutet. Etwa am Schlachthof in Waldkraiburg, wo Dienstleister wie CCF fürs Schlachten zuständig sind. Dort ist es nach jahrelangem Kampf gelungen einen Betriebsrat zu etablieren.
In vielen Bereichen der Industrie steht man also noch ganz am Anfang: Es gibt noch immer Bereiche, in denen Leute um ihr Leben fürchten müssen, wenn sie sich für Arbeitnehmerrechte engagieren. Und das im Jahr 2015!
(O-Ton Deutschland ist mittlerweile das Billiglohnland Nummer 1 geworden in der Fleischwirtschaft) So, daß Nachbarländer bereits gegen Deutschland klagen.
Skandalös sind Arbeitsverträge rumänischer Werksvertragsfirmen am Schlachthof in Waldkraiburg, wo nach rumänischen Verhältnissen Arbeitnehmer trotz Zusicherung von 40-Stunden-Woche, Urlaub und Lohnfortzahlung gerade einmal 170 Euro im Monat verdienen!
Die zusätzlichen 1000 Euro erhalten sie nur wenn sie tatsächliche arbeiten. Machen sie Urlaub oder werden sie krank, bleibt‘s bei den 170 Euro!
Nach Einschreiten der Gewerkschaft ist wenigstens jetzt der Urlaub bezahlt. Das war aber nicht einfach und ist nur ein Beispiel von vielen die jeden Tag in Deutschland geschehen.
Das alles zeigt, wie wichtig das Streikrecht ist. Er behauptete: (O-Ton Ohne Streik gibt es keine effektiven Tarifverträge)
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In 30 Jahren hat er noch nie einen Tarifvertrag ohne deutliche Ansprache erkämpft. Und da gilt es auch an empfindlichen Stellen anzupacken wie es das die GDL derzeit macht.
Trotzdem hoffte er, daß sich die Dinge bei der Bahn regeln lassen. Aber nicht nur Großunternehmen, auch kleine Betriebe müssen beachtet werden, wie die Ceralia in Mühldorf, wo es nach langem Arbeitskampf gelungen ist, einen Betriebsrat zu etablieren und einen Tarifvertrag einzuführen. In so kurzer Zeit wie dort ist das noch nirgends gelungen. Und das obwohl sich sogar die Politik eingemischt hat und vermitteln wollte.
Im weiteren ging Georg Schneider auf die Kinderarmut in Bayern ein, einem Land das immer als die Vorstufe zum Paradies gesehen wird. Alleinerziehende leiden unter dem Fluch von Hartz IV, diesem Glatteis auf dem man kaum Sanktionen entkommt. Da reicht ein einziges falsches Wort.
Er forderte die Rente mit 63 nach 45 Versicherungsjahren für alle auch wenn die Menschen immer älter werden. Sie zu bezahlen muß die steigende Produktivität doch ausreichen.
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Trotz der Tarifabschlüsse in den zurückliegenden Jahren ist die Kaufkraft nicht gestiegen. In nicht organisierten Unternehmen mußten die Arbeitnehmer einen Kaufkraftverlust von 10% in den zurückliegenden 10 Jahren hinnehmen – eine gesellschaftliche Katastrophe. Dabei kann die Wirtschaft nur überleben wenn die Arbeitnehmer die produzierte Ware auch kaufen können.
Noch immer halten 10% der Bevölkerung 90% des Barvermögens von 5 Billionen Euro. Das ist nicht mehr tragbar und muß durch neue Steuerregelungen geändert werden. Etwa beim Erbrecht.
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Noch immer gibt es Unterschiede bei der Bezahlung von Männern und Frauen und von Arbeitnehmern im Westen und Osten. Das ist nicht das Bild einer modernen Gesellschaft. Diese umzusetzen sind die Gewerkschaften gefordert.
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Dabei gibt es noch immer nicht überall Betriebsräte obwohl diese gesetzlich geschützt sind. Ihre Verhinderung ist eine Straftat, die aber nicht verfolgt wird. Er forderte, die Flüchtlinge aufzunehmen, die genau so in Not sind wie die ausgebeuteten Arbeiter in Deutschland. Schuld daran, daß sie kommen sind die Konzerne schließlich selber, die ganze Kontinente über Jahrhunderte systematisch ausgebeutet haben.
Auch TTIP gilt es zu verhindern, das wieder hinter verschlossenen Türen verhandelt wird und dazu führen wird, daß Handelshemmnisse abgebaut werden, wie etwa Betriebsräte oder Arbeitnehmerrechte! Alles halt, was dem Kapital im Weg steht.
Wenn sie aber wie seit 125 Jahren und seit 50 Jahren in Waldkraiburg weiter so engagiert für die Arbeitnehmerrechte eintreten werden sie auch erfolgreich sein.
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Übrigens war die rote Nelke im Knopfloch ein Erkennungszeichen der Gewerkschafter in einer Zeit als das Eintreten für Arbeitnehmerrechte noch verfolgt und bestraft wurde.
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In seinem Schlußwort erinnerte DGB-Regionsvorsitzender Günther Zellner an die großen Errungenschaften der Gewerkschaften, die nicht nur den 8-Stundentag erkämpft haben sondern auch das freie Wochenende, die 35-Stundenwoche und den gesetzlichen Mindestlohn. Alle Anliegen wurden erst als Utopie verlacht. Gewerkschaftsarbeit wirkt also. Und deshalb bleibt auch der Mindestlohn so wie er ist.
Und so dankte er dem Kreisverband des DGB für 50 Jahre Kampf und diese Jubiläumsfeier.
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Bevor sie die Jubiläumsfeier mit dem Gewerkschaftslied „Brüder zur Sonne zur Freiheit“ abschlossen, dankten Richard Fischer und Bürgermeister Robert Pötzsch den Mitgliedern der Blaskapelle für 50 Jahre Mitwirkung mit einem kleinen Geschenk.
103 70 Jahre nach Kriegsende: Niemals einen Schlußstrich ziehen 18:30
Eine Pause hatte der Regen an diesem Tag eingelegt und ermöglichte so, die Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des KZ-Außenlagers im Mettenheimer Hart unter freiem Himmel abzuhalten.
Neben Staatsminister Dr. Marcel Huber, Karl Freller, MdL und Vorsitzendem der Stiftung bayerischer Gedenkstätten und MdL Günther Knoblauch sowie allen Bürgermeister der umliegenden Kommunen waren etwa 40 Zeitzeugen an den Bunkerbogen gekommen.
Wie in den Jahren zuvor eröffnete die Bläsergruppe Canzona Quarta die Feierstunde.
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„Für das Erinnern“-Vorstand Franz Langstein hieß die Zuhörer willkommen, die gekommen waren um mit ihnen zusammen aller Ermordeten dieses Lagers und aller Opfer nationalsozialistischen Terrors zu gedenken. Auch nach 70 Jahren soll so die Erinnerung wach gehalten werden.
Besonders herzlich hieß er die Überlebenden und die Befreier willkommen, von denen manche ihre Familien mitgebracht hatten. Ihr Zeugnis ist nötig um die Geschichte lebendig zu halten.
Damit begrüßte er Kreisdekan Pater Ulrich Bednara, Dekan Franz Eisenmann und Pfarrer Martin Garmeier sowie die Mitglieder des Landtages. Besonders begrüßte er Generalkonsul Bill Möller und stellvertretenden Landrat Alfred Lantenhammer.
Die Nazis waren nicht nur eine Raubgemeinschaft, die sich Hab und Gut angeeignet haben, sie waren auch eine inbrünstige Glaubensgemeinschaft. So hat Hermann Okras von der Hamburger Zeitung noch im April 1945 nach dem Selbstmord Adolf Hitlers über diesen geschrieben: (O-Ton)
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Nach 70 Jahren muß man feststellen, daß trotz aller Anstrengungen immer noch junge Deutsche in heilige Kriege ziehen um Gottesstaaten aufzubauen und dabei morden und plündern.
Die Erinnerungsarbeit muß also auch den religiösen Aspekt mit einbeziehen. So muß man nicht nur demokratisch und undemokratisch unterscheiden sondern auch was gut und was böse ist.
Es gilt also sorgsam umzugehen mit Überzeugungen und Standpunkten so auch in Zukunft genau zu wissen, wofür wir stehen.
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Stellvertretender Landrat Alfred Lantenhammer war bewegt, hier so viele überlebende des KZ-Außenlagers begrüßen zu dürfen. Bei jedem seiner Besuche an diesem - an sich - ruhigen Ort begleitet ihn ein flaues Gefühl. Uninformierte können nicht erahnen, was hier vor 70 Jahren passiert ist. Hier wurden Unschuldige zum Bau eines unterirdischen Produktionsbunkers gezwungen bis sie zusammenbrachen und starben. Übrig geblieben ist ein Beton-Monster, ein Mahnmal das zur Wachsamkeit mahnt die Geschichte nicht wiederholen zu lassen.
Zwangsarbeiter hier überlebten höchstens zwei Monate. Die es doch geschafft haben, konnte ihre Erlebnisse nie vergessen.
Man kann die Vergangenheit nicht ändern aber dafür sorgen, daß sich das alles nie mehr wiederholt. Daran müssen alle mitwirken, gerade jetzt, wo wieder so viele auf der Flucht vor Gewaltregimen sind.
Alfred Lantenhammer dankte dem Verein für das Erinnern und Vorstand Franz Langstein für ihren unermüdlichen Einsatz die Erinnerung wach zu halten.
Trotz vieler Absagen wird es doch gelingen, hier eine Gedenkstätte zu errichten. Dabei mithelfen wird Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, den die bayerische Staatsregierung damit beauftragt hat. Ende April erhielt Landrat Georg Huber die Zusage 2016 die nötigen Gelder zur Verfügung zu haben. Die Bemühungen waren also nicht umsonst.
Nur durch das Erinnern und das Gegensteuern kann die Wiederholung der Greuel verhindert werden.
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Stiftungsvorsitzender MdL Karl Freller war es eine besondere Freude Konsul Bill Möller stellvertretend für die Befreier begrüßen zu können. Die Befreier fanden Massengräber und ausgemergelte todgeweihte Menschen vor. Menschen, die die Nazis wie Stückgut bestellt, benutzt und dann weggeworfen haben um hier ein riesiges Rüstungsbauwerk zu realisieren, hier im zweitgrößten Außenlager des KZ Dachau, wo vor allem ungarische Juden leben mußten.
Über 8000 Menschen mußten hier schwerste Arbeit leisten und schreckliche Demütigungen über sich ergehen lassen. So erlebte nur etwa die Hälfte der Verschleppten die Befreiung. Über 2.200 schafften es nicht.
Um so dankbarer war er dafür, daß Überlebende die Kraft und den Mut gefunden haben, hier her zu kommen. Ihnen allen zollte er größten Respekt. (O-Ton )
Lange wußte die Öffentlichkeit nicht, daß es in Flossenbürg 90 und in Dachau sogar 140 Außenlager gab, über ganz Bayern verteilt. Diese Außenlager sollen nun in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt werden. So versicherte er den örtlichen Vertretern, die sich seit Jahrzehnten mit großem Engagement um eine Gedenkstätte bemühen, diese auch in absehbarer Zeit realisieren zu wollen.
Karl Freller dankte den Zeitzeugen noch einmal, die durch ihr Zeugnis dazu beitragen, die Wiederholung der größte Katastrophe der Menschheit zu verhindern, die der zweite Weltkrieg war.
Sie helfen durch ihr Zeugnis Neonazi-Strömungen entgegen zu treten und die Demokratie zu erhalten. Die deutsche Politik hat begriffen, daß sie gegen braune Parolen sofort vorgehen muß. Das ist Deutschland den Überlebenden aber auch den eigenen Kindern schuldig.
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Auch der amerikanische Generalkonsul Bill Möller hieß die Überlebenden willkommen. Sähe man den Bunkerbogen nicht, würde man nicht glauben, was sich hier vor 70 Jahren zugetragen hat bevor Anfang Mai 1945 US-Soldaten dem Martyrium hier ein Ende bereiteten.
Das Zusammentreffen von Befreiern und Überlebenden und die daraus entstandenen Freundschaften zeigen, daß an einen Schlußstrich unter diese Geschichte nicht zu denken ist.
Das zeigen auch die zahlreichen Gedenkfeiern in ganz Deutschland, von denen er bereits eine ganze Reihe besucht hatte.
Bill Möller dankte den Mitgliedern des Vereins für das Erinnern für das Wachhalten der Geschichte
Heute gehört Deutschland zu den angesehensten Ländern weltweit. (O-Ton Das ist kein Zufall) Das ist ein Ergebnis der Aufarbeitung der schrecklichen Geschichte. Anstatt sie auszublenden hat sich Deutschland offensiv damit auseinandergesetzt und leistet vorbildliche Erinnerungsarbeit. Ein Vorbild für alle, das sicherstellen kann, daß sich das Geschehene nicht wiederholt. Das hat US-Vizepräsident Joe Biden als Vorbild genommen und gefordert, daß sich junge Leute mit der Geschichte auseinandersetzen müssen um sicherzustellen, daß sie sich nicht wiederholt.
Der ungarisch-stämmige Überlebende Leslie Schwartz sorgt noch heute mit Vorträgen in Schulen dafür, daß die Erinnerung weitergegeben wird. Er und viele andere sind wieder nach Deutschland zurückgekehrt, in ein Land, in dem ihnen so viel Leid zugefügt wurde. Das zeigt, Deutschland ist heute ein ganz anderes Land, eine vorbildliche Demokratie mit höchstem Respekt für Menschenrechte, die jüdischen Gemeinden ein Leben in Freiheit und Glück ermöglicht. Eine unglaubliche Wandlung, eine der größten Erfolgsgeschichten der Welt.
(O-Ton 36:58:00 Als Amerikaner sind wir stolz darauf ein Teil dieser Geschichte gewesen zu sein.
Heute verbindet beide Länder eine großartige Freundschaft auf deren Fortsetzung über viele Jahrzehnte er sich freute. (O-Ton)
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Canzona Quarta sorgte für Zeit zum Nachdenken.
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An diesem Ort des Entsetzens schmerzt das Erinnern stellte Staatsminister Dr. Marcel Huber fest. Hier verstummt der Besucher schamerfüllt.
(O-Ton Zwangsarbeit, Hunger.... – grenzenlose Barbarei)
Das KZ-Außenlager im Mettenheimer Hart war eines im Terrornetz um das Stammlager in Dachau.
Es diente als Muster für über 160 weitere Konzentrationslager, die allesamt Symbole der Unmenschlichkeit sind, Synonyme des Grauens.
(O-Ton Wir blicken mit Respekt auf die Toten und mit Hochachtung auf die Überlebenden. )
Die Überlebenden mahnen die Lebenden und erinnern an die 1000en namenlosen Opfer. Sie geben ihnen eine Stimme. Bis heute leisten sie durch ihre Berichte einen unschätzbaren Beitrag für eine menschliche Zukunft, für Freiheit und Demokratie. Dafür dankte ihnen Dr. Marcel Huber herzlich.
Freiheit und Demokratie brauchen Mut, Engagement und Erinnerung. Daraus wächst das Bekenntnis zum „Nie wieder“.
Wenn man nun 70 Jahre nach dem Ende der Naziherrschaft in der stabilsten Demokratie lebt, die es jemals gab, ist genau das Auftrag und Verpflichtung. Das alles ist nicht selbstverständlich und muß tagtäglich gegen feige Angriffe von vielen Seiten verteidigt werden. Menschenverachtende Ideologien von welchen Seiten auch immer dürfen weder in Deutschland noch sonstwo in der Welt jemals wieder Fuß fassen. (O-Ton II 48:00:00 Rechtsradikalismus... haben in Europa keinen Platz)
Sie wollen den Feinden der Demokratie zeigen: Deutschland ist eine wehrhafte und wachsame Demokratie.
Dazu nötig sind Erinnerungsorte. So wird ein erster Schritt im kommenden Jahr hier errichtet, die Altlastenprüfung wurde veranlaßt und Dr. Ludwig Spaenle hat erst kürzlich bestätigt, daß hier ein angemessener würdiger Erinnerungsort in kürzester Zeit errichtet werden wird.
Abschließend unterstrich Dr. Marcel Huber die große Bedeutung eines gemeinsamen Europa, das Garant dafür ist, die gemeinsamen Werte zu bewahren und so den Frieden zu sichern.
Den Jugendlichen rief er zu: (O-Ton Kämpft für Demokratie....)
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Nach einem weiteren Musikstück trat Imre Varsany ans Pult. Es fiel ihm schwer über seine Erlebnisse hier zu sprechen. Als 14-jähriger war er hierher gekommen nachdem seine Familie in Ausschwitz vergast worden war. Er war fast ein Jahr hier und hat mit viel Glück überlebt. Viele jedoch nicht.
Als die Amerikaner sie befreit haben, mußten sie ihn vom Waggon herunter heben weil er keine Kraft mehr hatte. Danach konnte er 60 Jahre lang nicht über diese Zeit reden.
Die aktuelle Situation in Ungarn veranlaßte ihn aber doch über seine Erlebnisse zu reden und so zu helfen, den Kindern zu ersparen was sie durch die Nazis erlebt haben.
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Leslie Schwartz war schon mehrfach Gast bei Gedenkfeiern im Mühldorfer Hart. Ihm hatte der schlimmsten Konflikt in der Geschichte der Menschheit seine Familie weggerafft. In Ausschwitz hat man ihm sogar den Namen genommen. Nur sein Spitzname war geblieben „Lazarus“. Er war nur noch eine Nummer, hatte weder Ausweis noch Papiere. Drei Mal dachte man schon er wäre tot, wog noch unter 35 Kilogramm. Nach einem Genickschuß durch ein Mitglied der Hitlerjugend während des Massakers bei Poing war sein Kiefer zerschmettert.
Mehr als ein Jahr lang überlebte er Konzentrationslager, Todeszüge, Schläge und Tortur. (O-Ton Ausschwitz, Dachau.... Tutzing)
Am Ende beschrieb ihn Max Mannheimer als etwas, weniger als ein Mensch.
Wenn er nun hierher zurückkommt, hat er doch seine Familie nie vergessen, die er in der Schlange in Ausschwitz zum letzten Mal gesehen hat. Er wünschte sich, daß die Welt den Friede und die Heilung sieht, die er inmitten all der Dunkelheit und des Hasses gefunden hat. Sogar in der dunkelsten Zeit hat er die Liebe von drei Mithäftlingen erleben dürfen. Heute berühren die Menschen in Deutschland sein Herz wenn er sieht, wie sie mit der Vergangenheit umgehen.
So kommt seine wunderbare Heilungsreise langsam an ihr Ziel.
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Stephen Nasser erinnerte an die Opfer der Naziherrschaft aber auch an die 470.000 amerikanischen und unzähligen weiteren Soldaten, die im Lauf des zweiten Weltkriegs ihr Leben verloren haben. Alle hatten sie eine Geschichte. Als einziger seiner 22-köpfigen Familie hat er die KZs überlebt. Sein Bruder starb hier in seinen Armen. Als 13-jähriger hat er hier ein Tagebuch geschrieben, das unter dem Titel „Die Stimme meines Bruders“ veröffentlicht wurde. Er sagte, „nie wieder“ und betonte die Bedeutung der Familien als Quelle des Friedens.
Würden alle 11 Millionen Opfer des Naziterrors hier nur 60 Sekunden lang sprechen, würde das 21 Jahre lang dauern – Tag und Nacht.
Er dankte allen, die die Erinnerung hoch halten und so Liebe säen und nicht Haß. (O-Ton)
Niemand heute ist mehr schuld am Geschehenen. Alle sind aber verantwortlich dafür, daß es sich nicht wiederholt.
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Jan Michalski aus dem polnischen Torun wurde mit 17 Jahren von der Gestapo inhaftiert. Sie wurden behandelt wie Tiere. Vier Monate lang schliefen sie in der selben Kleidung und durften sich nicht waschen. Im KZ Sachsenhausen sagte ihnen der Lagerkommandant, der einzige Weg hinaus ist durch die Gaskammer. Von dort wurde er nach zwei Monaten nach Dachau verlegt wo er bis zur Befreiung blieb. Sie hungerten und wurden aus allen möglichen Gründen geschlagen. Einmal wurde er an den Händen eine Stunde lang an den Heizungsrohren aufgehängt.
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Joshua Kaufmann sollte in fünf Minuten sagen, worüber er auch fünf Stunden reden könnte. 1928 in Ungarn geboren, wurde er als ultra-orthodoxer Jude erzogen. Inzwischen ist sein Gott der amerikanische Soldat, der den Juden Frieden gebracht hat und der israelische Soldat, der ihnen ihr Land sichert. So sind alle Anwesenden seine Familie. Auch der Bundesregierung galt sein Dank, weil sie ohne das Geld aus Deutschland nicht leben könnten. Alle Zuhörer sollten aufstehen und den gefallenen amerikanischen Soldaten die Ehre erweisen.
Als 16-järhiger hat er Ausschwitz Birkenau, den Todesmarsch nach Dachau, und das KZ-Außenlager im Mettenheimer Hart überlebt. Hier mußte er 12 bis 16 Stunden täglich am Betonmischer arbeiten und 50-Kilo-Säcke Zement 20 Stufen hinaufschleppen. Das haben viele nicht ausgehalten. Wer das nicht geschafft hat, den warf er selbst noch lebend in den Betonmischer.
Sie noch lebend in den Betonmischer zu werfen war das einfachere Schicksal als sie stundenlang leiden zu lassen bevor sie schließlich doch vergast wurden. Heute kann man das alles gar nicht mehr glauben.
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Bevor Franz Langstein zusammen mit den Überlebenden die Gedenkfeier mit einem Gebet schloß, bot Canzona Quarta Gelegendheit das Gehörte zu verarbeiten.
104 Kommunalpartnerschaft Schönberg-Rittershoffen: Der Partnerschaftsabend 13:20
Im Saal des Gasthofes Esterl in Schönberg kamen Gäste aus Rittershoffen, Herbergsgeber, Gemeinderäte und Ehrengäste zusammen um die kommunale Partnerschaft zu feiern.
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Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer hieß die Festversammlung willkommen. Besonders seinen Freund, Rittershoffens ersten Bürgermeister Dani Pflug mit Gattin. Außerdem zweiten Bürgermeister Jean-Pierre Weigel und dirtten Bürgermeister Thierry Hoffmann.
Nicht fehlen durfte auch Ehrenbürger Edmund Rasch.
Besonders freute er sich über Ministerpräsident Horst Seehofers linke und rechte Hand, Staatskanzleichef Dr. Marcel Huber und seine Familie.
Alfred Lantenhammer freute sich auch über den Vorsitzenden der Monteglas-Gesellschaft Pierre Wolf mit Gattin.
Später eine wichtige Rolle übernehmen würde die Kapelle „Harmonie Municipal“ aus Rittershofen, deren Leiter Didi Schmidt sein herzlicher Gruß galt. Und natürlich grüßte er Toni Jung, der dem Freundschaftskomitee in Schönberg vorsteht und viele mehr.
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Die Geschichte der Partnerschaft begann 1994 als der junge Bäckermeister Toni Jung aus Rittershoffen nach Schönberg kam. Seither gab es viele gegenseitige Besuche und 2012 ein großes Dorffest mit Gästen aus Rittershoffen im Rahmen dessen eine gemeinsame Gemeinderatssitzung unter Leitung von MdB Stephan Mayer zur Idee geführt hat, die Freundschaft zu einer Partnerschaft zu machen. Diese Partnerschaft haben beide Gremien beschlossen und schließlich 2013 den Partnerschaftsvertrag in Rittershoffen zu unterzeichnen.
2014 besuchten die Schönberger Fußballer Rittershoffen und nun kamen die Rittershoffener nach Schönberg.
So wurde aus der Freundschaft eine Partnerschaft von Herzen. Das zeigt, daß sie alle nicht nur die Dörfer für die jeweils anderen geöffnet haben sondern auch ihre Häuser und Familien. So haben sie sich in die Herzen geschlossen. Weil das ganz freiwillig geschah, war Alfred Lantenhammer sicher, das wird auf Dauer so bleiben.
Bis 2013 gab es zwischen Deutschland und Frankreich 2.200 Partnerschaften. Schönberg und Rittershoffen waren Nummer 2.201, allerdings die einzige, die im 50. Jahre des Bestehens des Deutsch-Französischen Freundschaftsvertrages geschlossen wurde.
Und auch wenn das gemeinsame Bindeglied Toni Jung in Rittershoffen fehlt, kann ihn Schönberg gut brauchen. Er ist schließlich mit seinen über 50 Beschäftigten der größte Arbeitgeber der Gemeinde.
Drei Gründe machen Schönberg liebenswert: Die Ortsvereine, der Elsaßbäcker und die Gastwirtschaft. Beide Gemeinden haben etwa gleich viele Einwohner, eine gemeinsame Sprache mit eigenen Dialekten und sogar einen Maibaum, der natürlich in Schönberg ein bißchen größer ist.
Beide sind selbständig und haben Gemeinderat und Bürgermeister. Trotz ihrer unterschiedlichen Geschichte haben sie sich zusammengetan um das Geschehene für alle Zukunft zu verhindern. Dafür tragen sie gemeinsam Verantwortung.
Daß so eine Partnerschaft abfärbt zeigt die Geburtenrate, die in Schönberg so hoch ist wie in Frankreich. Und wie in Rittershoffen stehen auch in Schönberg die Familien im Vordergrund.
Abschließend dankte er allen, die mitgeholfen haben, diese Partnerschaftsfeier vorzubereiten und allen, die Gäste beherbergt haben. Alle gemeinsam tragen zur Festigung der Partnerschaft bei.
So reichte er Bürgermeister Dani Pflug die Hand und übergab ihm ein Erinnerungsbild.
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Rittershoffens Bürgermeister Dani Pflug freute sich besonders über die große Ehre Staatsminister Dr. Marcel Huber dabei zu haben und den Vorsitzenden der Monteglas-Gesellschaft Pierre Wolf, der Elsässer ist und Wolf heißt, Franzose ist und in Frankreich gelebt hat und jetzt für das französisch-bayerische Verhältnis arbeitet. (Applaus)
Nach der Unterzeichnung der Partnerschaftsurkunde in Rittershoffen findet nun hier der zweite Akt statt. Vor 20 Jahren kam ihr Antoine Jung - der bayerische Toni – nach Rittershoffen und berichtete vom bayerischen Schönberg. Seither gab es viele Kontakte, die von der Basis aus eine Partnerschaft aufgebaut haben. Dazu beigetragen haben besonders die Vereine. So dankte er August Brams, der hier immer mitgeholfen hat.
Nach der leidvollen Geschichte beider Gemeinden im zweiten Weltkrieg bemühen sich KSK und Sepp Gebler immer darum, die besondere Bedeutung von Frieden und Freundschaft zu erkennen.
Er bat Staatsminister Dr. Marcel Huber alles daran zu setzen, daß wir in Europa auch weiter so in Frieden leben können wie in den zurückliegenden 70 Jahren.
Sie beide als Bürgermeister tragen dazu sicher im Rahmen ihrer Möglichkeiten bei.
Ihm liegt die deutsch-französische Freundschaft am Herzen. (O-Ton Es lebe....)
Auch die Gäste hatten eine Erinnerungstafel dabei, die sie dann Bürgermeister Alfred Lantenhammer übergaben.
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Die zweisprachige Partnerschaftsurkunde verlasen dann Veronique Jung und Ursula Eberl.
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Was hier passiert ist etwas, das die bayerische Staatsregierung fördern will, freute sich Staatsminister Dr. Marcel Huber über die Partnerschaft zwischen Schönberg und Rittershoffen.
Am liebsten wäre es ihm, alle Gemeinden hätten Partnergemeinden irgendwo in Europa.
Gerade jetzt, im Mai 2015, 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs, nach 70 Jahren Frieden, Freiheit, Demokratie und Wohlstand in Europa, so lang wie noch nie in der Geschichte, gilt es sich bewußt zu machen, wie das vorher war.
Bedenkt man, daß es Napoleon Bonaparte war, der Bayern 1806 zum Königreich gemacht hat, daß danach aber drei Kriege zwischen Deutschland und Frankreich folgten, ist es um so bewundernswerter, wie gut sich die Zusammenarbeit seit Kriegsende entwickelt hat. Daraus entsteht die Verpflichtung, die Freundschaft und Zusammenarbeit zu erhalten und zu pflegen.
Wenn Max Mannheimer uns heute die Verantwortung auferlegt, daß sich die Ereignisse des zweiten Weltkriegs nicht wiederholen, dann geht das nur durch Erinnern und die Pflege der Freundschaft.
Zum Erinnern gehört auch die Pflege der Gedenkstätten hier und dort. Es ist schon ein wunderbarer Vorgang, daß zwei Ortschaften auf charmante Weise zusammenfinden, sich kennenlernen und die Zukunft gemeinsam meistern wollen. Nur so können die Schatten der Vergangenheit überwunden werden.
Und weil die gegenseitigen Besuche mit Mühen und Kosten verbunden sind dankte Dr. Marcel Huber allen, die sich hier so sehr engagieren. (O-Ton)
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Pierre Wolf, Vorsitzender der Monteglas-Gesellschaft für die Förderung der französisch-bayerischen Zusammenarbeit war schon bei der Vertragsunterzeichnung in Rittershoffen dabei.
Er hatte schon die ganze Woche über an Veranstaltungen zum bayerisch-französischen Verhältnis teilgenommen, etwa an der Eröffnung der Landesausstellung in Ingolstadt von der er sehr beeindruckt war.
Pierre Wolf erinnerte an ein Massaker in der Region von Rittershoffen am 10. Juni 1944 und jetzt die Überlebenden den Deutschen die Hand reichen und Freundschaft pflegen. So etwas gilt es schon gebührend zu feiern.
So gibt es auch eine Zusammenarbeit zwischen französischen Gedenkstätten und der KZ-Gedenkstätte Dachau. Wenn sie nun in Schönberg eine Partnerschaft feiern, steht das in einer Reihe mit den Gedenkfeiern. Er konnte nicht sagen, ob es Zufall ist, daß in Europa alle wichtigen Ereignisse im Mai stattfinden. Wie auch die Partnerschaft zwischen Schönberg und Rittershoffen.
In Bayern gibt es inzwischen weit mehr als 400 solcher Partnerschaften, deren Bedeutung nicht oft genug betont werden kann.
So wünschte er der Partnerschaft viel Erfolg im Sinne der europäischen Freiheit und Einheit.
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Die Partnerschaftsfeier schloß die „Harmonie Municipal“ mit beiden Nationalhymnen ab. Sie begannen mit der Marseillaise.
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Damit war der Partnerschafts-Festakt beendet und die Gäste widmeten sich dem gemeinsamen Abendessen. Nur etwas fehlte, was für französische Gaumen zu jedem Essen gehört: Die Baghettes.
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Die brachte Toni Jung dann herein und Rittershoffens zweiter Bürgermeister Jean-Pierre Weigel verteilte sie.
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Allerdings reichten sie nicht für alle. Der Korb war schnell leer.
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Was tun? Frere Jacque war ganz verzweifelt. Sepp Gebler hatte auch keine mehr. Und Gust Brams auch nicht.
Da brachte Toni Jung die Erlösung – noch einen Korb frische Baghettes. Und alle waren zufrieden.
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So feierten die Schönberger und Rittershoffener bei stimmungsvoller Musik und gemütlichem Miteinander ihre deutsch-französische Freundschaft und tanzten gemeinsam in den Mai.
105 Maibaum in Schönberg - blitzschnell aufgestellt 9:10
Eigentlich sollte es erst um 14 Uhr losgehen. Als wir 10 Minuten später dazu kamen, hing der Maibaum in Schönbergs Ortsmitte bereits im Ständer. Kränze, Spitze und Taferl waren montiert und die Burschen machten die Schwaibal klar.
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Bürgermeister Alfred Lantenhammer unterstützte das Aufstellen mit einem LKW-Kran.
Mit einem kräftigen Ho – Ruck gings schon einmal ein paar Zentimeter weiter.
Immer wieder hieß es Schwaibal neu ansetzen, unten absichern und kräfig anschieben.
Ein bissal eine trockene Angelegenheit schien das zu sein, fast ohne Zuschauer.
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Aber das täuschte: Die Zuschauer standen ein bißchen weiter weg. Und hinter dem LKW in Sicherheit. Man weiß ja nie, was den bayerischen Kraftbolzen so einfällt!
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Daß doch viel maschinelle Hilfe dabei zwar zeigt sich daran, daß sie für den 26 Meter langen Baum nur drei paar Schwaibal brauchten.
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Angestrengt haben sie sich trotzdem. Auch wenn der Baum zeitweise den Schwaibaln entfleucht ist.
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Ja ja, so Schwaibal ha’m scho a G’wicht.
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Die letzten paar Grad bis der Baum senkrecht stand erledigte Alfred Lantenhammer mit dem Kran. Dann stand der Baum und Bürgermeister Dani Pflug hielt das genau fest.
Keine halbe Stunde haben sie dazu gebraucht. So konnten sie die Muttern draufschrauben und den Baum verspannen.
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Und endlich kam auch a bissal a Treibstoff.
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Ist jetzt der drohende Regen schuld, das Datum oder der Alfred, daß’ds Ihr den Maibaum so schnell aufg’stellt habt’s? (O-Ton Mister Maibaum 2015)
Aha, da sag ich jetzt mal nix dazu.
In Schönberg ist das nämlich so, daß der Baum erst einmal ein Jahr lang nackert da steht, dann umgelegt und geschmückt wird um dann wieder ein Jahr zu stehen.
Alles klar.
Alfred, Dein Kran hat ja die Hauptarbeit gemacht? (O-Ton)
Bei allen anderen Maibäumen haben die starken Männer zwischendurch immer wieder ein bissl a Kraft braucht. Seid’s ihr so stark, daß ihr dadrauf verzichen habt’s können? (O-Ton)
Aber das g’hört bei uns dazu.
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Die „Harmonie Municipal“ unterhielt erst mit Musik, die für ein Maibaumfest untypisch ist, aber wunderschön anzuhören.
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Erst als auch noch die restlichen Taferl am Baum angebracht waren und der Korb um den Ständer, sorgten sie für Maibaum-Stimmung. (O-Ton)
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Ihr habt ja die Maibaum-Tradition auch schon ins Elsaß exportiert. (O-Ton Alfred)
Bei Euch ist das etwas Besonderes. (O-Ton Dani Pflug)
Und der Alfred hat ein bißl nachgeholfen. (O-Ton)
Wegen dem Fußballspiel hat’s keine Probleme gegeben? (O-Ton)
Vielen Dank die Herren Bürgermeister.
106 70 Jahre nach Kriegsende: Die Gedenkfeier der Krieger- und Soldatenkameradschaften in Schönberg und der Partnergemeinde Rittershoffen 10:45
Vor der wunderschönen Kirche in Schönberg steht das Kriegerdenkmal. An diesem Tag umrahmt von der deutschen und der französichen Fahne.
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Angeführt von der Blaskapelle Weyerer zogen Vereinsvertreter, Bürgermeister MdB Stephan Mayer und Vertreter von Krieger- und Soldatenkameradschaften Richtung Kirche.
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Drinnen nahmen die Fahnenabordnungen im Altarraum Aufstellung.
Das feierliche Amt zelebrierte Pater Josef Stöckl aus Gars und umrahmten Chor und Blaskapelle Weyerer.
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Zunächst hieß Bürgermeister Alfred Lantenhammer die Teilnehmer willkommen, unter denen auch Kriegsteilnehmer waren, die Bürgermeisterkollegen, Geschäftsführer Jörg Raab vom Volksbund Kriegsgräberfürsorge und die Kreis- und Ortsvorsitzenden der Krieger- und Soldatenkameradschaften im Landkreis. Und natürlich die Gäste aus Schönbergs Partnergemeinde Rittershoffen.
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In seiner Predigt bezog sich Pater Josef Stöckl auf das Evangelium vom Weinstock und stellte die Frage was denn wichtiger ist: Erfolg oder Glaube. Erfolg kann man sehen, Glaubenshandlungen nicht. Während Erfolg in der Arbeit vergängliche Ergebnisse bringt, folgt Glaubenshandlungen unvergängliche Frucht. Allerdings nur dann, wenn sich der Gläubige wie die Rebe am Weinstock auch an Jesus festhält. Nur mit IHM ist es möglich unvergängliche Frucht zu bringen.
So kommt im Evangelium das Wort „Bleiben“ gleich 9 Mal vor. Es kommt also darauf an, dabei zu bleiben und seine Kraft und sein Vertrauen aus Gott zu schöpfen. Nur ein Mensch, der das schafft, kann sein Leben meistern.
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Nach dem Gottesdienst war es MdB Stephan Mayer eine Ehre hier die Festansprache zu halten.
70 Jahre nach dem apokalyptischen zweiten Weltkrieg mit über 57 Millionen Toten und noch viel mehr Vertriebenen und Gequälten ist es nicht mehr als Recht, dem Ende dieser Gräuel zu gedenken.
Von dem fast 6 Jahre dauernden Irrsinn war auch Rittershoffen nicht verschont, wo noch Anfang Januar 1945 eine schreckliche Panzerschlacht stattgefunden hatte. Damals starben zahlreiche Rittershoffener und mehr als 1.000 amerikanische Soldaten.
Auch wenn keiner der Anwesenden mehr Schuld hat, tragen wir doch die Verantwortung dafür, daß sich so etwas nicht wiederholt.
Nie wieder darf sich wiederholen, was zwischen 1939 und 1945 passiert ist. „Nie wieder“ muß deshalb zur Staatsraison gehören so wie die DNA zum Menschen.
Deutschland hat in stärkerem Maß den Auftrag sowohl im Land als auch in Europa und der Welt alles zu unternehmen, daß sich die Ereignisse von damals nicht wiederholen.
So sind die Forderungen richtig, keinen Schlußstrich unter die Ereignisse zu ziehen.
Auch wenn solche Gedenkfeiern ihre Bedeutung haben, zeigt sich doch in der Zeit dazwischen wie es gelingt, rechtsradikale und nationalistische Tendenzen in Deutschland zu verhindern.
Große Verantwortung dafür hat sowohl die Schulpolitik als auch die Außenpolitik.
Wenn gegenwärtig 56 Millionen Menschen auf der Flucht sind, ist das die größte Zahl seit dem zweiten Weltkrieg.
Die ursächlichen Konflikte sind dabei ganz nah. Etwa in der Ost-Ukraine.
MdB Stephan Mayer betonte die große Verantwortung der Europäischen Union und die besondere Verantwortung für Deutschland, das viele Jahrzehnte und Jahrhunderte lang in Feindseligkeiten verstrickt war.
Völlig richtig hat Altbundespräsident Richard von Weizsäcker den 8. Mai als Tag der Befreiung bezeichnet hat, weil Deutschland an diesem Tag vom Unterdrückersystem der Nationalsozialisten befreit wurde. Er bedauerte, daß die deutschen Landsleute in den ehemaligen Ostgebieten nur kurz befreit wurden um danach gleich wieder im Unrechtssystem der Kommunisten leben zu müssen.
Gerade deshalb müssen Bürger in Westdeutschland der Weltgemeinschaft für ihre Unterstützung nach dem Krieg danken, vor allem den Amerikanern, den Briten und den französischen Freunden.
Jahrhundertelang verband Deutschland und Frankreich eine Erbfeindschaft. Heute verbindet beide Länder eine unzerbrechliche Freundschaft, der Stephan Mayer eben solche Bedeutung zumaß wie dem Schutz des Staates Israel. Deutschland und Frankreich sind eine feste und unverbrüchliche Achse in Europa.
Es gleicht einem Wunder, daß alle Nachbarn Deutschland vergeben haben, was ihnen damals von deutschem Boden aus angetan wurde.
Er war froh und dankbar für die lebendige Partnerschaft zwischen Schönberg und Rittershoffen und dankte allen, die mit viel Engagement dazu beigetragen haben – auf beiden Seiten der Grenze.
Sie beweisen, es stimmt: „Nie wieder“! Wenn sie weiter so zueinander stehen wie jetzt, wird es nie wieder geschehen.
So freute er sich auf eine prosperierende gemeinsame Zukunft in Europa.
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Pater Josef Stöckl entließ die Gottesdienstbesucher mit dem Segen.
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Der Chor setzte fort mit dem Friedenslied.
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Der zweite Weltkrieg forderte 57 Millionen Kriegsopfer und 13 Millionen Opfer von Gewaltmaßnahmen erinnerte KSK-Vorstand Sepp Gebler. Auch die Gemeinden Schönberg und Rittershoffen hatten Opfer und Leid zu beklagen. Rittershoffen wurde zudem fast vollständig zerstört.
Die Partnerschaft zwischen den beiden Gemeinden soll die Versöhnung voran bringen und helfen Wunden zu heilen. Dieser Prozeß hat bereits mit den ersten Kontakten 1994 begonnen.
Der Aufschrift auf der Vereinsfahne „Wunsch der Veteranen des 2. Weltkrieges zur 100-Jahr-Feier: Friede" wollte Sepp Gebler nichts hinzufügen.
So wollten sie mit einer Kranzniederlegung aller Opfer gedenken.
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Zum Lied „Ich hatt‘ einen Kameraden“ bat er MdB Stephan Mayer und Volsbund-Geschäftsführer Jörg Raab nach vorn.
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Sie schlossen die Gedenkfeier in der Kirche mit der deutschen Nationalhymne und der Marseillaise.
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Draussen legten die Bürgermeister den Kranz vor dem Kriegerdenkmal nieder und erwiesen den Gefallenen die Ehre.
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Dann marschierten sie gemeinsam zum Gasthaus Esterl von wo aus die Gäste nach einem gemeinsamen Mittagessen die Heimreise antraten.
107 Die Sparda-Bank spendet dem Landkreis ein Insektenhotel 6:30
Eine ehemaligen Kiesgrube zwischen Ampfing und Waldkraiburg nutzt der Landkreis als Lagerort. An der dortigen Lagerhalle stellte das Projektehaus Jagus der AWO kürzlich im Auftrag der Sparda-Bank ein Insektenhotel auf.
Zur Einweihung kamen Landrat Georg Huber, Mitarbeiter von Jagus und der Sparda-Bank in der Kiesgrube zusammen.
Landrat Georg Huber, der selbst zwei Bienenstöcke hat, freute sich über die vielen Initiativen für die Natur, die natürlich auch Geld kosten. Deshalb freute er sich über das Engagement der Sparda Bank, die hier einen Teil der Gewinne für einen guten Zweck ausgibt.
Da es so viele verschiedene Bereiche gibt dankte er den Mitarbeitern des Landratsamtes für die gute Koordination der einzelnen Aktivitäten. Er würde sich freuen, wenn solche versteckten Naturräume für Bürger mehr einsehbar wären.
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Thomas Pawelka – Geschäftsstellenleiter der Sparda-Bank in Mühldorf – wollte nach der Pflanzung von Allee-Bäumen auch jetzt wieder ein nachhaltiges Projekt unterstützen. Es war ihm lieber, das Geld für ein Insektenhotel auszugeben als für noch eine Werbetafel.
Die Insekten im neuen Hotel können jetzt helfen, die Renaturierung der aufgelassenen Kiesgrube weiter zu treiben.
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Christine Herfort von der unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes dankte besonders den Mitarbeitern von Jagus für den kompetenten Bau dieses Insektenhotels. Sie sind inzwischen echte Experten.
Im robusten Rahmen mit durchbohrtem Holz, Schilfröhrchen und auch Kunstmaterial freuen sich inzwischen zahlreiche Arten über ihren neuen Lebensraum. Besonders Wildbienen helfen bei der Bestäubung von Blüten und übernehmen zunehmend die Aufgaben der Bienen, um die es bekanntlich nicht zum Besten steht.
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O-Ton Landrat
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Herr Pawelka, Ihre Bank hat voriges Jahr ihr 20-jähriges in Mühldorf gefeiert und gibt mit dem Insektenhotel ein bißchen etwas zurück. (O-Ton)
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Sie können das Hotel vom Radweg zwischen Waldkraiburg und Ampfing aus sehen, wenn sie vor der Pizzeria in die ehemalige Kiesgrube runter schauen.

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