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Nr.
Thema LZ Archiv KW Ersch.
52 Für das Erinnern: Gedenkfeier am Bunkerbogen mit Zeitzeugen Erich Finsches 13:35 Play Button ungewählt 18 07.05.22
Nachdem die Kampfmittelräumung abgeschlossen und das Gelände um den Bunkerbogen im Mühldorfer Hart wieder zugänglich ist, konnte die diesjährige Gedenkfeier des Vereins „Für das Erinnern“ wieder zurückkehren, die während der Arbeiten am Massengrab und am Waldlager stattgefunden hatte.

Marie Weißhäupl am Cello und Maren Meißner mit der Querflöte stimmten die Zuhörer ein unter denen neben stellvertretender Landrätin Ilse Preisinger-Sontag auch Altlandrat Schorsch Huber war, eine Reihe Bürgermeister, Edwin Hamberger, Korbinian Engelmann und Daniel Baumgartner von der Geschichtsarbeit von Landkreis und Stadt, eine Gruppe Jugendlicher des Kreisjugendrings und natürlich Mitglieder des Vereins für das Erinnern.

Sie alle hieß Vorstand Franz Langstein willkommen und dankte Altlandrat Huber, der während seiner Amtszeit viel für die Erinnungsarbeit hier getan hat. Besonders aber freute er sich über Erich Finches, der später berichten würde was er hier auch erlebt hatte.
Er musste die Bundestagsabgeordneten entschuldigen und hoffte MdL a. D. Dr. Marcel Huber bald wieder in der Runde begrüßen zu können. Schließlich hieß er Pierre Wolff willkommen, der später kurz sprechen wird.

In diesen Tagen vor 77 Jahren brachten die Nazis mehr als 2.000 Häftlinge nach Mettenheim – berichete Franz Langstein. Sie wurden in Züge geladen und nach Poing gebracht. Von dort weiter über München nach Seeshaupt wo sie freigelassen wurden.
Die 4- bis 500 verbliebenen ausgemergelten und kaum mehr lebensfährigen Häftlinge im Lager befreiten die amerikanischen Soldaten in den ersten Maitagen 1945.
Mit dieser Feier wollen sie derer gedenken, die hier ermordet wurden. Dachte man lange, so etwas würde es in Mitteleuropa nie mehr geben, zeigt aktuell der Krieg in der Ukraine, dass Grausamkeit nicht ausgerottet ist. Gemeinsam gedachten die Gäste der Opfer die hier ihr Leben verloren haben.
Ein weiterer Grund für die Gedenkfeier ist die Notwendigkeit das Geschehene zu akzeptieren. Jeder einzelne muss anerkennen, dass auch diese Geschichte zu unserer Identität gehört.
Nur durch das ständige Erinnern bleibt das Bewußtsein geschärft und damit die Gefahr gebannt, dass sich ähnliches wiederholt.
Mit einem Zitat eines Überlebenden schloss Franz Langstein: (O-Ton)
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Auch stellvertretende Landrätin und Mühldorfs zweite Bürgermeisterin Ilse Preisinger-Sontag erinnerte an das Ende der Qualen der Hänftlinge in diesen Tagen vor 77 Jahren. Vorausgegangen war der bereits genannte Transport in Viehwagons den viele nicht überlebt haben.
Auch wenn man sich an so etwas nicht gern erinnert und auch nicht gern erinnert wird, müssen die alljährlichen Gedenkfeiern doch sein um den Überlebenden die Möglichkeit zu geben, der Nachwelt von ihren Erlebnissen zu berichten. Sie dankte allen, die die Kraft dazu aufbringen herzlich. Dafür, dass sie den Menschen zeigen wozu der Mensch fähig ist. Auch hier, mitten im Landkreis Mühldorf. Und dafür dass sie vor der Wiederholung der Ereignisse warnen.
Da ihre Berichte aber nur Zuhörer weitertragen können, dankte Ilse Presinger-Sontag auch allen, die alljährlich zu den Gedenkfeiern kommen. Und natürlich dem Verein „Für das Erinnern“, der nicht müde wird das Vergessen zu unterbinden. Und dass die Gedenkstätte hier endlich realisiert wird.
Ilse Presinger-Sontag sicherte zu, der Landkreis wird alles unternehmen um die Gedenkstätten zu errichten und so dazu beitragen, eine Neuauflage der Geschichte zu verhindern. Wie wichtig das ist, zeigt der Blick in die Ukraine. So dankte sie auch allen Landkreisbürgern, die Flüchtlinge aus der Ukraine aufnehmen und unterstützen.
Nur mit Kenntnis der Herkunft kann der Weg in eine friedliche Zukunft gelingen. Dazu trägt auch diese Gedenkfeier bei.

Nach einem Musikstück von Maren Meißner freute sich Erich Finsches über die vielen Zuhörer die hören wollten wie er das bitterste Leiden überlebt hat, das man einem Menschen nur antun kann.
Geboren in Wien verprügelten ihn schon im Alter von 11 Jahren zwei Nazi-Jungs so, dass er in die Zeitung gekommen ist.
Das war noch vor 1938. Danach verhafteten die Nazis seinen Vater, den er gesucht und im Gefängnis wieder gefunden hat wohin ihn die Nazis auch eingesperrt hatten.
In kleinen Details berichtete Erich Finsches vom Transport seines Vaters nach Dachau, von den Prügeln, die ihm Wachleute erteilten, von Verhören durch die Gestapo und von der Unterstützung, die er von Mithäftlingen erfahren hat. Er war erst 11 Jahre alt als er zur Zwangsarbeit in die Steiermark gebracht wurde, von dort floh und nach fünfmonatiger Flucht zurück fand zu seiner Mutter in Wien, die allerdings in ein Massenquartier umgesiedelt wurde. Nach wochenlangem Verstecken verhaftete ihn die Gestapo erneut und schickte ihn zur Zwangsarbeit in eine Wäscherei. Dort half er dem Widertand einen Heizkessel in die Luft jagen.
Dann floh er nach Ungarn wo ihm Einwohner eines kleines Dorfes halfen. Dort konnte er sich erholen und wieder zu Kräften kommen.
Bei der Vorbereitung eines Anschlags auf eine Brücke wurde er wieder angeschossen und verhaftet. Als es ihm besser ging wurde er immer wieder verhört, verriet aber nichts. Sie schickten ihn nach Ausschwitz. Sie steckten so viele Menschen in die Waggons, dass sie stehen mussten – 120 Personen wo Platz gewesen wäre für 60. Man kann sich das nicht vorstellen. Nach 2 Tagen überlebten das die ersten nicht. 6 Tage waren sie unterwegs. 6 Tage in denen einer nach dem anderen krepiert ist. (35 oder 40 Tote)
Am Zielort – also in Auschwitz Birkenau wurden sie selektiert. Die einen zur Arbeit, die anderen ins Gas. Er hatte Glück und wurde im Waschraum nicht vergast sondern wirklich gewaschen.
Damals hat er die Häftlingshose bekommen wie er sie noch immer hat.
Nachdem er Torf hatte stechen müssen – wo er einen menschlichen anständigen Bewacher erlebte – wurde er wieder abtransportiert. Er kam nach Ampfing und hierher. Weils so schön und warm war dachte er er wäre im Süden. Da machte es auch nichts, dass sie sich nackt ausziehen mussten bevor sie neue Kleidung bekommen haben.
Sein erster Einsatz war ein Ernteeinsatz beim Hirsch in Hart. Dort erhielten sie gute Kartoffeln und selbst gebrautes Bier für ihre gute Arbeit. Dann zum Bunkerbau wo er Zementsäcke zur Betonmischmaschine schleppen und aufstapeln musste. Dort hatte er Max Mannheimer getroffen, der ihm manche Tricks zeigte. Es wurde es im Oktober und November kalt und so nutzten sie leere Zementsäcke als Unterhemdersatz. Sie haben das so lang getragen bis es zerfallen ist.
Später wurde er im Tunnel eingesetzt wo er mehrmals unter Beton verschüttet und doch gerettet wurde. Dann mussten sie in der Kälte barfuß Beton stampfen. Wer ausgerutscht ist wurde einbetoniert…
Als er nicht mehr konnte wurde er aussortiert und abtransportiert Richtung Kaufering. Der Zug wurde von Kampffliegern beschossen und blieb liegen. Er floh zusammen mit über 1000 anderen in einen Wald. So kam er zu einer Außenstelle des Reichsarbeitsdienstes, die aber selbst nichts zu essen hatten. So kamen sie ins Lager nach Kaufering wo’s aber auch nur Brot und Suppe gegeben hat. Kälte und Nässe forderten viele Opfer.
Mit vielen anderen zusammen haben sie den Wächter auf dem Turm vertrieben und das Tor aufgedrückt. Entkräftet floh er und stürzte ein paar Meter außerhalb des Lagers. Als er wieder zu sich kam hob ihn ein Sanitäter auf und brachte ihn in einen Sanka – es waren Amerikaner. In einem Lazarett in Buchhausen bei Buchloe wurde er sehr geduldig wieder aufgepeppelt. Das meiste davon hat er verschlafen. Er wog ja nur noch 27 Kilogramm
Nach Wochen wurde er entlassen und fuhr auf abenteuerliche Weise nach Dachau um sich dort seine Entlassungspapiere abzuholen. Dort bekam er diese Sträflingshose. So ist er dann mit einem Transport nach Wien gekommen.
(O-Ton)
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Die Zuhörer dankten Erich Finsches mit stehendem Applaus für seine ausführliche Darstellung seiner Erlebnisse.

Abschließend erinnerte Pierre Wolff an die etwa 120 Franzosen die hier interniert waren. Er hatte tags zuvor mit Roland Thoma gesprochen der das Lager hier überlebt und kürzlich seinen 100. Geburtstag gefeiert hat. Auch er gibt seine Erlebnisse in Schulen weiter und berichtet ähnlich wie Erich Finsches vorher.
Roland Thoma wog nach der Befreiung noch 37 Kilogramm, war aber in der Lage ein Fahrzeug zu organisieren und mit etwa 40 anderen am 4. Mai 1945 die Heimreise anzutreten.
In Erinnerung an die Widerstandskämpfer vorwiegend aus den Vogesen, die hier interniert waren, hatte Pierre Wolff eine Schale niedergelegt.

Mit einem Musikstück schloss Marie Weißhäupl die Gedenkfeier ab, die viele Zuhörer schon verlassen hatten weil’s inzwischen empfindlich kalt geworden war.
Zeitzeuge Erich Richard Finsches erzählt 111:00 Play Button ungewählt
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