| Nach Bayern und ins Jahr 1921 lud der Taferlbua die Zuschauer im Saal des Schützenwirts in Niederbergkirchen ein, wo die Altbäuerin gerade die alte Petroleumlampe angezündet hat und die Schwester vom Bauern den Tisch fürs Abendessen deckt.
Sie riefen die Knechte mit der Hofglocke herein, so, wie sie das schon immer getan haben.
Knechte und Mägde kamen müde vom Feld, stellten Rechen und Gabeln ab und setzten sich zum Essen an den Tisch. Den rauhen Umgangston unter den Dienstboten haben sie auch mit in die Stube gebracht.
Nach dem Tischgebet gibt‘s Knödel mit Kraut. Wie jeden Tag. Streng der Reihe nach. Erst der Bauer und dann alle anderen. Ihr Hunger zeigt ihre Manieren. Sie kämpfen regelrecht um die Knödel und das Kraut!
Bauer Vorreiter ist ganz unruhig, weil der Viehhandler nicht da war.
Sie sind wieder nicht fertig geworden mit der Arbeit. Sie haben schwer gearbeitet und doch nicht alles geschafft. Dafür gibt ihnen der Bauer einen Schäps aus.
Danach will er noch zum Wirt, den Viehhandler treffen.
Da klopft‘s. Statt dem erwarteten Viehhandler kommt die Vroni herein, die mitten im Jahr einen neuen Dienstplatz sucht. Der Kloppsteiner hat sie nämlich nicht mehr gebraucht, weil dort jetzt eine Maschine die Arbeit macht.
Für die Altbäuerin ist es unvorstellbar, mitten im Jahr einen Dienstboten einzustellen. Der Bauer nimmt sie aber doch, alte Bräuche hin oder her. Das Alte darf schließlich dem Neuen nicht im Weg stehen. Und den Knechten gefällt sie schließlich auch!
Sie lassen es sich gut gehen und holen noch einen Krug Schäps. Die Knechte wollen wissen, wie das war mit der neuen Maschine, die die schwere Drescharbeit übernommen hat. Eine Erleichterung ihrer Arbeit wünschen sie sich schließlich auch. Also diesen Fortschritt!
Dass man sie nicht mehr gebraucht hat, als die Maschine gekommen ist, das gab ihnen dann doch zu denken...
Als der Wast das Dienstbuch von der Vroni ganz interessiert studiert, kommt die Mirl herein und macht ihm eine Szene. Dabei liebt er doch sowieso nur sie….
Weil sie wegen der Vroni jetzt nicht mehr zu ihr auf die Kammer können, wollen sie gleich hier…
Dafür ist es aber zu hell. Wast stellt die Petroleumlampe dunkler - oder heller – so lang, bis es der Mirl passt...
Der Scheerfanger will heuer seine Runde beim Vorreiter Sixt anfangen. Die Knödel und das Kraut von gestern mag er aber nicht, die es ja überall bei den Bauern gibt.
Er erklärt den Zuschauern die Besonderheiten seines Berufes als Maulwurffänger und die verschiedenen Knödel und das Kraut, das er auf den vielen Höfen aufgetischt bekommt, auf die er das ganze Jahr über kommt.
Die Altbäuerin wundert sich über ihr Kommen. Gerade weil es heuer gar nicht so viele Scheer gibt. Der Bauer hat ihn herbestellt, weil er etwas mit ihm vorhat. Der Viehhandler wird auch gleich kommen, weil sie etwas Neues bringen sollen.
Bauer Vorreiter nötigt ihn, Knödel und Kraut anzunehmen… Es nützt nichts, er muss!
Ungeschickt ist er allerdings nicht und wird den Knödel schnell los….
Der Bauer bringt ihr aber gleich noch einen…
Da kommt der Viehhandler und kündigt ihm alles an wie ausgemacht. Ohne Umweg, direkt zu ihm.
Die kommen morgen, dann sind sie da. Dann gehen sie da einer, da auffe, da nüber und da runter. Ein paar Stunden noch, dann hat er es, das Elädrische!
Bauer Vorreiter rastet fast aus vor Freude.
Jetzt kommt er, der Fortschritt!
Der Scheerfanger hat auch keine Ahnung, was das Elädrische eigentlich ist. Er war aber überzeugt, damit kann man so einiges machen!
Er macht sich über die Brotzeit vom Bauern her, als sich die Mirl und der Bepp wundern, warum der Bauer so ausgerastet ist. Sie wollen vom Scheerfanger genau wissen, was das ist, das Elädrische! Der versucht, es ihnen zu erklären..
Das kommt sicher nicht mit der Post.
Gerade da kommt die Altbäuerin dazu und versucht das Elädrische zu verhindern, das der Scheerfanger schon fast eingerichtet hat. Also das Elädrische und den Fortschritt.
Den anderen Fortschritt will er aber nicht, das Ratzengift. Da hätte er nämlich keine Arbeit mehr und wüsste nicht, wovon er leben sollte…
Der Altbäuerin schwant Schreckliches. Die neuen Maschinen und das Elädrische nehmen allen die Arbeit weg. Dann ist aus mit der Brotzeit am Bauern seinem Tisch.
Die Altbäuerin versucht dem Bauern das Elädrische auszureden, beißt bei ihm aber auf Granit. Sogar der Scheerfanger steht plötzlich gegen sie, weil der Bauer nix von diesem neuen Ratzengift hält.
Da kommt der Stromer beim Hof herein. Neugierig schauen sie, was der alles mitbringt.
Nur der Scheerfanger weiß Bescheid. Allerdings nur, weil er vorher aufgepasst hat.
Der Stromer rollt seinen Plan aus und erklärt, wie das so ist mit dem Elädrischen, das ohne Umweg direkt zu ihm kommt.
Wenn sie dann im Zimmer sind, wird das Licht durch das Kabel geleitet, das sie dort im Werk hinten hineingetan haben, damit es vorne herauskommt.
Bei der Nacht da geht das natürlich nicht!
Das hört man nicht und sieht man nicht, und durchbrennen tut es hoffentlich auch nicht.
Und die Hauptsache muss da hin, wo das Schnapskast’l hängt. Da hin kommt der Fortschritt!
Staunen gibt es über den Schalter, der ja erst angeschlossen werden muss.
Viel interessanter aber ist die Glühbirne, die faszinierendste Erfindung der Menschheit!
Das ist der Fortschritt, auch wenn ein bisserl wenig Platz drin ist fürs Petrole! Und der Docht ist auch ein bisserl dünn.
Das alles rückt der Stromer natürlich zurecht.
Bauer Vorreiters Erkenntnis, dass man mit dem elädrischen Licht auch in der Nacht arbeiten kann, bringt die Knechte gegen ihn auf. So einen Fortschritt wollen sie nicht!
Am nächsten Tag bohren sie Löcher in die Fassade, wo sie die Isolatoren festschrauben, an denen die Leitungen befestigt werden sollen. Auf die Leiter trauen sich die Männer aber nicht. Die Vroni muss es machen, die dafür natürlich gar kein Gefühl für sowas hat. Wie alle Weiber halt.
Der Stromer kommt mit der Leitung und installiert sie mitten durchs Publikum. Alle helfen mit, das Elädrische ohne Umweg und direkt auf den Vorreiter-Hof zu bringen.
Unter lautem Protest der Altbäuerin installieren sie in der Küche Kabel, Zähler, Sicherungen, Schalter und Glühbirne.
Der Stromer hat seine liebe Not, den Landleuten das Elädrische zu erklären, die viele Fragen haben. Sogar der Scheerfanger.
Erst aber muss er jemandem das Einschalten erklären. Der Bauer und der Wast werden die „Einschalter“. Und wenn die beiden mal nicht da sind, dann sitzen alle im Finstern da!
Dann schaltet der Bauer ein.
Und alle bestaunen das helle Licht der Glühbirne.
Nur die Vorreiterin nicht – die will sich nicht abfinden mit diesem Schmarrn! Sie will weiter ihre Petroleumlampe haben.
Da trifft der Bauer eine Entscheidung. Die alte Lampe muss weg. Aber so, dass sie nicht mehr wiederkommen kann.
Auch gegen den Protest seiner Schwester…
Er lässt sich nicht aufhalten und lädt seine Leute zum Wirt zum Feiern ein. Vorher muss er aber noch etwas mit dem Stromer, dem Viehhandler und dem Scheerfanger klären. Die präsentieren ihm ihre Rechnungen, die plötzlich noch um Sondergebühren höher sind als ausgemacht… Das nimmt er aber in Kauf. Schließlich hat der Fortschritt seinen Preis!
Leni kann die Altbäuerin gerade noch davon abhalten, diesen brennenden Roßball‘n zusammenzuhauen. Sie hat so ihre Ahnungen: Dieses Elädrische wird den Leuten so viel Arbeit wegnehmen, dass sie eines Tages froh sein werden, wenn sie sich wieder plagen dürfen. Und wenn dieses grelle Licht wieder dem gemütlichen Licht der Petroleumlampe weichen muss.
Das erklären sie auch der Scheerfangerin, die bald auch keine Arbeit mehr haben wird, wenn der Fortschritt sie überflüssig macht.
Aber vielleicht kommt es ja gar nicht so schlimm, wenn später die Vernunft den Fortschritt aufhalten würde.
Der Bauer kommt vom Feiern und will nochmal das Licht sehen, bevor er ins Bett geht. Und die Mirl und der Wast? Die müssen jetzt auf ihr Vergnügen verzichten, weil es der Mirl einfach zu hell ist und der Wast es nicht dunkler machen kann….
Niemand weiß, wie es weitergeht mit dem Fortschritt, gibt die Altbäuerin zu. Allerdings wird sich das bald herausstellen.
Mit lang anhaltendem Applaus dankten die Zuschauer dem Ensemble, das diesmal ein Stück auf die Bühne gebracht hat, das nur auf den ersten Blick lustig war. Autor Peter Landstorfer hat es geschafft, viele Zweifel in eine Zeit zu versetzen, deren Berechtigung wir aus heutiger Sicht nachvollziehen können. Heute wissen wir, dass bedingungsloser Fortschrittsglaube genauso in die Irre führen kann wie die Ablehnung alles Neuen. Schon damals hat die Fortschrittseuphorie des Jungbauern angefangen, die ersten Fortschrittsverlierer zu erzeugen. Sogar die Gemütlichkeit der Stube ist dem Fortschritt zum Opfer gefallen.
Gesprächsstoff hat das Stück genug gegeben, mit dem Spieler und Zuschauer später den Abend beim Wirt unten haben ausklingen lassen.
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