| Sein 40-Jahr-Jubiläum feierte kürzlich der Theaterverein Walkersaich mit großem Aufwand. Nicht nur, dass sie für die Feierstunde vor der Premiere ein Zelt vor das alte Schulhaus der kleinen Gemeinde gebaut hatten, brachten sie auch noch ein selbstgeschriebenes Stück zur Aufführung: „A eig’fleischter Vegetarier“.
Feier und Premiere fanden am Ostersonntag statt und waren deshalb für uns nicht erreichbar. So haben wir ihre Vorstellung ein paar Tage später besucht.
Die Buschtrommeln hatten in den Tagen vorher vom großen Erfolg des Jubiläumsstücks berichtet und so nicht nur Theaterinteressierte ins kleine Dörfchen nahe Schwindegg gelockt, sondern zahlreiche Mitglieder anderer Theatervereine. Zeitweise hatte man im Zelt den Eindruck, hier spielt die SchwiBuRa! Auch gekommen waren Mitglieder des Kultur- und Festspielvereins Aidenbach, der Theatergruppe Stefanskirchen und noch viele mehr.
Die Aktiven waren noch 20 Minuten vor Beginn total entspannt und genossen den Austausch mit den Nachbarn.
Irgendwann war’s aber doch Zeit, die Plätze einzunehmen. Da war die kleine Küche nebenan schon schwer beschäftigt mit Würstl kochen und Wurstsemmeln herrichten. Wie jetzt? Es sollte doch um einen eingefleischten Vegetarier gehen!?
Der Julian Sieber hat sich auch noch versorgt. Nimmst’ noch Proviant mit in die Garderobe?
Der Walter Lohr von der SchwiBuRa hatte seinen Teller schon geleert…
Auf Walters fröhliches Lachen direkt vor uns haben wir uns dann schon gefreut, als der Stefan Reinthaler die Zuschauer begrüßt hat und der Vorhang aufgegangen ist. Der hat den Blick freigegeben auf die Stube vom verwitweten Bauern Hans Berger am Frühstückstisch mit seiner Tochter Vroni und seinem Schwiegervater, dem Sepp Lechner.
Dem Hans sieht man sein schweres Schicksal an. 15 Jahre ist er schon allein. Da ändert auch die gute Laune von der Vroni nichts.
Da rückt er raus mit der Sprache: Er hat auf der Dating-Seite für Landwirte eine kennengelernt. Die würde ihm gefallen. Während ihn die Vroni bewundert, wundert sich der Sepp. Dabei braucht man eine Frau nicht nur zum Arbeiten! Jeden Tag Nudeln mit Sauce ist schließlich auch gut, meint der Sepp und kommt gleich zu den praktischen Fragen…
Einziger Haken: Sie heißt Cordula und wohnt in Hannover. Und sie kommt. Gleich heute!
Das überfordert den Sepp!
Der Hans ist dagegen ganz fasziniert. Es geht schließlich schon acht Wochen lang mit ihnen!
Die Vroni freut sich mit ihrem Vater und macht ihm Mut. Er bittet sie, ihren Freund, den Toni, zu fragen, ob er beim Heu-Einfahren helfen würde. Klar – wenn der Bulldogg fahren darf….
Er muss sich schließlich nicht kultivieren. Und Blumen kaufen!
Er war erleichtert, weil sie’s jetzt endlich wissen, das mit seiner Cordula!
Die Nachbarin, die Gretl, kommt gerade recht, die ihm frisches Gemüse bringt. Die Cordula mag schließlich dem Opa seine Fleischkost nicht.
Sie meint schon sonst was, als er berichtet, dass er gerade an sie gedacht hat….
Sie lacht ihn aus, das Gemüse bringt sie ihm aber trotzdem.
Irgendwas stimmt da nicht – aber das kriegt sie schon noch raus – meint die Gretl.
Die andere Nachbarin, die Resi, wundert sich, was mit denen los ist. Sie wollte kochen helfen. Was aus frischem Gemüse halt, meint die Vegetarierin. Das passt dem Sepp gar nicht, zumal die Vroni schon was vorhat.
Der macht sich schon Sorgen, wenn der Sepp diese „Gondula“ wirklich heiraten wird. Dann sind sie nur noch zweite Geige! Die Vroni versucht ihn zu beruhigen…
Übrigens kommt der Done gleich vorbei. Zum Helfen mit dem Heu.
Frech ist sie schon, die Vroni – wundert sich der Sepp.
Er soll kochen gehen und sie will die Stube für den Besuch vorbereiten. Das tut auch not!
Gerade als der Sepp am Boden zerstört ist, kommt der Done. Der weiß noch gar nichts von ihrem Unglück.
Der meint, das ist richtig cool, dass der Hans auf seine alten Tage nochmal eine findet.
Viel wichtiger als seine Vroni ist ihm aber dann, mit welchem Bulldogg er später das Heu einfahren darf. Die Vroni ist entsetzt!
Der Hans sieht ein Taxi auf ihren Hof kommen. Und die Vroni sieht die Cordula aussteigen.
Es klopft und herein kommt die Cordula…
Die überfordert die Vroni mit ihrem Redeschwall.
Verstehen tut sie sie aber nicht.
Cordula hat Eindruck auf Vroni gemacht.
Der Hans hat sich hübsch gemacht und hat doch Respekt vor der ersten Begegnung. Blumen hat er nicht mehr besorgen können. Da hat der Sepp Ersatz.
Der Hans nimmt seinen ganzen Mut zusammen!
Sie wollen ihm Zeit lassen und decken erst mal den Tisch. Sie brauchen noch einen teller. Schließlich ist das Unglück eingetroffen.
Dann kommt das Paar herein und der Hans stellt sie alle vor.
Nur Seppl darf sie wirklich nicht zu ihm sagen!
Hunger hat sie nach der langen Reise schon.
Opa Lechner bringt sein Gourmet-Menü herein: Nudeln mit Sauce!
DAS isst sie sicher nicht! Sie ist entsetzt!
Der Hans bietet ihr an, in der Küche draußen einen schönen Salat zu machen.
Nach einiger Zeit frühstücken sie gemeinsam. Nur dass überall Buddhas rumstehen und die Wurst jetzt aus Soja ist und nicht aus Sau oder Kuh. Soja ist schließlich Viehfutter. Sogar in der Marmelade ist kein Zucker drin und Margarine gehört schon mal gar nicht auf den Tisch von einem Milchbauern.
Er soll sich halt vorstellen, es wäre das Original, meint Cordula.
Er geht lieber zum Nachbarn zum Frühstücken. Der ist nämlich Metzger.
Der Hans versucht die Wogen zu glätten. Ihm schmeckt das Soja-Zeugs.
Er hat nur Augen für die Cordula! Und die nutzt das aus, um ihm weiszumachen, er könnte damit sein Leben verlängern.
Sie möchte auch mal fahren mit dem alten Hanomag!
Die Vroni versteht ihren Papa nicht mehr… Sie ist ratlos, will aber ihr Familienglück retten. Da kommt die Gretl gerade recht. Sie schmieden Pläne – sie ist zu allem bereit.
Der Sepp und der Karl haben dieselbe Absicht. Sie planen einen Anschlag mit einer angeblich veganen Wurst, in der natürlich eine echte drin ist.
Sie schreiben noch ein kleines, hinterfotziges Entschuldigungsschreiben und lassen das offen auf dem Tisch liegen.
Vroni und Gretl entdecken die Wurst als Erste und wundern sich. Hat der Opa aufgegeben?
Sie haben einen eigenen Plan. Sie wollen dem Hans die Augen öffnen und ihm zeigen, was hier läuft.
Die Theres hat Zucchini für die Cordula. Davon hat sie zum Sau futtern!
Die Vroni und die Gretl haben diesen Grünen vom Nachbarort eingeladen, der hinter jeder Schürze her ist. Auf den warten sie sehnlichst.
Der Opa erklärt der Vroni, das ist eine hochwertige Wurst aus einer hochwertigen Sau, die sich sogar vegetarisch ernährt hat!
Der Done möchte endlich helfen. Am liebsten natürlich mit dem Bulldogg. Das bringt natürlich die Vroni auf die Palme!
Dann kommt der Jörg, der erst meint, es geht um die Vroni. Die kann sich kaum wehren…
Als der Done sie schon wieder übersieht, eskaliert die Sache!
Der holt Verstärkung. Da muss die Vroni das Theater weiterspielen.
Dann kennt er sich überhaupt nicht mehr aus. Es reicht ihm.
Dann kommt der Hanomag vorgefahren. Cordula ist total begeistert von den Hunderten von PS. Umweltplakette und Katalysator hat er allerdings nicht. Der Hans entdeckt die Wurst, dieses vegane Friedensangebot.
Sie wollen sie gleich probieren.
Da fliegt die Sache auf. Affäre! Sie kann es nicht fassen, wollte er sie doch glatt vergiften!
Es kommt zum Äußersten. Entweder die Cordula oder er. Das macht ihm der Hans nicht leicht, der ihre Seite hält und sie mit einem Tee besänftigen will. Mit Brennnesseltee.
Die Vroni hat ihren Done wieder eingefangen und macht ihm Vorwürfe. Er hat ja nur Augen für seinen Bulldogg! Dabei mag er sie doch…
Gerade da kommt der ausgetrocknete Grüne wieder.
Nach der Pause klatscht’s doch noch.
Es wird Abend. Sogar Nacht. Da schleichen sich der Sepp und der Karl in die Stube. Sie haben schon wieder einen Anschlag vor: Sie verstecken überall Würstl. Leise stellen sie sich dabei nicht an.
Am Morgen kommt Cordula und findet die erste Wurst. Sie muss die sofort entsorgen.
Wieder kommt der Jörg. Den erkennt Cordula gleich. Die beiden kennen sich. Ihr Gespräch hört rein zufällig die Gretl. Sie arbeitet für einen veganen Blog in Hannover und ist hierhergekommen, um einen bayerischen Bauern dazu zu bringen, ein veganes Zentrum zu bauen.
Die Gretl ist entsetzt über diese ungeheure Schlechtigkeit dieser Person. Sie erzählt alles dem Hans, der ihr natürlich nicht glauben will. Was sie auch versucht. Er wirft sie raus!
Dabei hat der Done auch was zu berichten: Er hat die Cordula mit dem traurigen Kohlrabischädl in eindeutiger Position beobachtet. Auch ihnen will der Hans nicht glauben!
Jetzt müssen sie ihre Kräfte bündeln.
Der Opa Sepp braucht dazu seinen Computer.
Die Cordula wähnt sich schon am Ziel, als ihr der Hans von den ganzen Geschichten berichtet. Das macht sie stutzig. Es gelingt ihr aber, seine Zweifel zu zerstreuen.
Mit Jörgi müssen sie ihre Strategie überdenken. Gerade da hat ihr ein veganer Filmproduzent angeboten, ihre Geschichte zu verfilmen. Für 20.000 Euro!
Da ist er schon. Der Filmproduzent Carlo Cabanossi.
Sie stellt ihm das künftige vegane Zentrum in Bayern vor. Das ist sehr interessant für ihn, er bietet 50.000 Euro Cash! Er sieht den Film schon vor seinen Augen.
Da fällt die Maske! Gut, dass sie das ganze Gespräch aufgezeichnet haben.
Inzwischen ist der Hans doch überzeugt. Er wirft sie raus… Beide!
Der Hans schämt sich für sein Verhalten. Das verzeihen sie ihm aber. Schließlich sind sie eine Familie! Ein Prost drauf!
Die Gretl kommt dazu und ist froh, dass der Spuk vorbei ist. Jetzt endlich erkennt er, dass das Glück die ganze Zeit so nah war!
Ein Gutes hat die ganze Geschichte gehabt. Sie haben den Wert gesunder Ernährung erkannt. Und wenn er sich erst daran gewöhnt hat, dann wird er in ein paar Wochen sicher auch noch...
Der Applaus kannte dann fast keine Grenzen. Besonderen Applaus erhielt natürlich Autor und Regisseur Thomas Keller. Dem hat es zum ersten Mal selber richtig gut gefallen. Das war schon besonders, weil es für diese Weltpremiere ja keine Vorlage gegeben hat.
Nachdem er alle Mitwirkenden vorgestellt hatte, lud er die Gäste nach draußen ins Zelt zu dem einen oder anderen Rüscherl ein.
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