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Lisa Hanöffner und Franziska Hiebl mit Lena Christ's "Lausdirndlgeschichten" im Freilichtmuseum in Massing |
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29.05.26 |
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Sicher gibt es auch in Zeiten allgegenwärtiger elektronischer Medien Menschen, die Bücher zur Hand nehmen und ihren Hunger nach Kultur so stillen. Geht deren Interesse über zeitgenössische Werke hinaus, greifen viele zu den großen Klassikern und da meistens zu den großen deutschen Schriftstellern, von Thomas Mann bis zu Friedrich Schiller und Johann Wolfgang Goethe. Seltener schon greifen sie auf die bayerischen Autoren zurück, wie etwa auf Ludwig Thoma oder Ludwig Ganghofer.
Fast vergessen ist dagegen Lena Christ, die nicht wenige als große bayerische Autorin gesehen hätten, hätte sie ihrem Leben nicht viel zu früh ein Ende gesetzt. Lena Christ kam als uneheliche Tochter Magdalena Pichler 1881 in Glonn zur Welt. Nach beinahe unbeschwerten sieben Jahren bei ihrem Großvater begannen schwere Jahre, als ihre Mutter in München heiratete und sie gegen ihren Willen zu sich holte. Das kleine Mädchen musste schwerste Arbeit erledigen und die Übergriffe ihrer gewalttätigen Mutter erdulden. Dieses Schicksal prägte sie und trieb sie zu einem ersten Selbstmordversuch.
Eine schier unglaubliche Serie von Lebenskrisen und Schicksalsschlägen brachte sie so weit, dass sie ihrem Leben 1920 selbst ein Ende gesetzt hat. In dieser kurzen Zeit veröffentlichte sie mehrere Werke, die schon bald große Anerkennung erfuhren. Ihre bekanntesten Bücher sind „Erinnerungen einer Überflüssigen“ und „Die Rumpelhanni“. Wikipedia beschreibt sie als beeindruckende Verarbeitung ihrer eigenen Beobachtungen und Erlebnisse, die einen tiefen Einblick in das ärmliche Leben der Arbeiterklasse, der Dienstboten und der Landbevölkerung Anfang des 20. Jahrhunderts geben.
Weniger bekannt sind ihre „Lausdirndlgeschichten“, für die sie Ludwig Thoma des Plagiierens beschuldigt hat, der schon vorher seine „Lausbubengeschichten“ geschrieben hatte.
Dieser Lausdirndlgeschichten haben sich die Burghauser Schauspielerin Lisa Hanöffner und die Töginger Musikerin Franziska Hiebl angenommen und präsentieren sie an Leseabenden. Wir haben so eine Lesung im Veranstaltungshaus des Bauernhofmuseums in Massing besucht, wo sich eine Handvoll Zuhörer eingefunden hatte.
Franziska Hiebl führte mit ihrem Hackbrett zurück zur Jahrhundertwende, wo die kleine Lisa gerade mit den Tränen gekämpft hat, weil ihre Mutter sie gerade verprügelt hatte. Das kleine Mädchen hat sich an die gute Zeit früher erinnert, bei ihren Großeltern, wo sie fünfmal am Tag zu essen bekommen hat und wo sie gar keine Prügel gekriegt hat!
Die Zuhörer wollten aber wohl noch mehr Geschichten hören und diese wollte sie gern erzählen. Hier einige Ausschnitte von schönen und weniger schönen Erlebnissen.
Lisa Hanöffner hat sich so in die kleine Lena Christ hineinversetzt, dass die Zuhörer die Geschichten fast miterlebt haben. Sie hat ihre Geschichten so einfühlsam und gefühlvoll erzählt, dass die Zuhörer das Gefühl haben konnten, sie wären selbst dabei gewesen.
Franziska Hiebl hat die Erlebnisse der kleinen Lena stimmungsvoll begleitet. So etwa die Geschichte von Weihnachten oder die von der Theaterprobe, in der es um den Boarisch’n Hiasl gegangen ist und der Gschwandtner Franzl nicht aufgehängt werden wollte, oder die Geschichte von der Minna, ihrer ärgsten Todfeindin! Also eigentlich ihrem Freund, dem Wilhelm Caspar.
Ihre Geschichten durchzogen hat die ständige Hoffnung, der gewalttätigen Mutter zu entkommen und mit einer guten Partie ein neues Leben anfangen zu können. Auf ihrer Suche nach ihrem Vater hat sie einmal gemeint, ihre Großmutter wiedergefunden zu haben. Die alten Leute waren so lieb zu ihr und haben das gleiche Sach’ gehabt wie ihre Großeltern. Leider hat sie sich aber getäuscht. Nur eine Tasse haben sie ihr geschenkt….
Zum Ende der Lesung hat Lisa Hanöffner Lena Christ’s Leben zusammengefasst, bis hin zum Selbstmord auf dem Münchner Waldfriedhof am 30. Juni 1920.
Die Zuhörer dankten den beiden mit lang anhaltendem Applaus. Lisa Hanöffner hoffte abschließend, Lena Christ’s Geschichten hätten die Zuhörer genauso bewegt wie sie. Sie lud zu weiteren Lesungen ein, die sie in der ganzen Region gern anbieten.
Auch wenn das tragische Leben von Lena Christ und ihre Werke keine leichte Kost sind, erinnern sie uns doch, wie das Leben auch sein könnte und – da sind wir sicher – in manchen Gegenden unserer Welt auch heute noch ist. So gilt der Spruch auf der Tasse besonders heute für uns alle: |
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Der Radfahrverein Pürten feiert sein 125-Jahr-Jubiläum. Das bringt das Festwochenende |
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Das Fahrrad hat unsere Region schon immer bewegt. Das gleich in mehrfacher Hinsicht: Die Stadt Mühldorf hat vor Jahren den Radlstern vorgestellt, seit fast 10 Jahren beteiligen sich immer mehr Kommunen am Stadtradeln und der Mühldorfer Geschichtsverein „Heimatbund“ hat 2017 das ganze Jahr der 200-Jahr-Feier der Erfindung des Fahrrades gewidmet. Damals hat ihr Vorsitzender Dr. Norbert Stellner sogar ein Buch vorgestellt, in dem er der Geschichte des Fahrrades und besonders der Radfahrvereine im Landkreis nachgegangen ist. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert brachte das Fahrrad den Individualverkehr. Jedermann – Autos gabs zwar schon, die konnte sich nur kaum jemand leisten - war plötzlich unabhängig von Pferdekutschen, vom Streckennetz der Eisenbahn und ihren Fahrplänen und konnte nach Herzenslust Ziele ansteuern und sogar die Geschwindigkeit genießen.
Die Begeisterung brachte landauf landab – meist sozialdemokratisch geprägte Radfahrvereine hervor. Die nahmen auch Einfluss auf die Verkehrsregeln, die erstmals in Bayern eingeführt wurden. Das ging so weit, dass sie politisch Einfluss genommen haben und für bessere Straßenbeläge und die Vereinheitlichung der Verkehrsregeln gekämpft haben.
Von den vielen reinen Radfahrvereinen der Jahrhundertwende sind bayernweit nicht mehr viele übriggeblieben. Anders im Landkreis Mühldorf. Hier pflegen drei reine Radfahrvereine die Tradition weiter. Der größte ist Radfahrverein in Pürten, der in diesen Tagen sein 125-jähriges Bestehen groß feiern will.
Wie Vereine das so machen, haben sie vor etwa zwei Jahren einen Festausschuss gebildet, der sich um ihr Jubiläumsfest gekümmert hat. Das sollte ja nicht hinter den vorangegangenen zurückbleiben. Gefeiert haben sich ihre Jubiläen ja schon immer groß!
Nach einer Reihe Vorveranstaltungen, etwa einer Radlwallfahrt nach Altötting, einer Wein- und Bierprobe und einem Festgottesdienst für ihre verstorbenen Mitglieder wars kürzlich soweit: Sie haben mit dem Aufbau des Festzeltes begonnen, in dem sie über das Fronleichnams-Wochenende ein breites Programm anbieten wollen.
Los geht’s schon am 3. Mai mit der Discoparty. Dafür haben sie ein treffendes Motto gewählt: „Dreh am Rad – wer bremst verliert!“
Für den Feiertag haben sie das Viererpack zu einem Kabarett-Abend engagiert: Michi Dietmar, den Keller Steff, und Tom und Basti. Dann wollen sie zünftig, bayerisch, bissig unterhalten.
Am Freitag dann das Wein- und Bierfst mit den Greadeuan. Dann mit einem Weißbierkarussell und einer Cocktailbar.
Der Festsonntag beginnt mit dem Empfang der Vereine, einem Kirchenzug, dem Festgottesdienst und dem gemeinsamen Mittagessen. Gegen 14 beginnt der große Festzung mit über 900 Teilnehmern mit historischen Fahrrädern und dem Blumenkorso.
Den Nachmittag lassen die Gäste danach gemütlich ausklingen.
Das Festwochenende schließt der Tag der Nachbarschaft am Montag ab 19 Uhr mit dem Kesselfleischessen im Festzelt ab.
Da die Organisatoren auch an Gäste mit Einschränkungen gedacht haben ist wirklich jeder herzlich willkommen. Wir sind auf jeden Fall dabei. Und zwar schon bei der Diskoparty. Weil – Bremsen tun wir ganz sicher nicht! |
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