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Nr.
Thema LZ Archiv KW Ersch.
41 Eröffnung des Zentrums für Kreislaufwirtschaft der Hochschule Rosenheim in Waldkraiburg 15:00 Play Button ungewählt 09 06.03.26
Erinnern Sie sich noch an den Besuch von Ministerpräsident Markus Söder beim Gummiwerk Kraiburg im Februar 2020? Damals hatte die Hochschule Rosenheim angekündigt, ein Forschungszentrum für biobasierte Werkstoffe in Waldkraiburg aufzubauen. Im Landkreis entstand daraufhin ein Hochschulfördergremium, das die Aufgabe hatte, alles Nötige im Hintergrund vorzubereiten. Danach hörte man lange Zeit nichts mehr von dem Projekt – so lange, dass viele schon befürchteten, die ambitionierten Pläne seien klammheimlich gestorben. Die Hochschule war in dieser Zeit jedoch keineswegs untätig, wenngleich die ursprünglichen Bemühungen nicht den erhofften Erfolg brachten. Um ihre Zusagen an die Region dennoch einzuhalten, änderten die Verantwortlichen kurzerhand die Zielrichtung der geplanten Forschung: Aus dem Zentrum für biobasierte Rohstoffe wurde das Zentrum für Kreislaufwirtschaft, kurz ZKR. Dieses hat sich inzwischen in den ehemaligen Räumen der Netzsch Dosiertechnik an der Daimlerstraße in Waldkraiburg erfolgreich etabliert.

Zur offiziellen Eröffnung kam nun sogar Ministerpräsident Markus Söder persönlich in den großen Tanzsaal des benachbarten Tanzsportclubs nach Waldkraiburg. Dort hieß Professor Dr. Stephanie Kapitza die zahlreichen Ehrengäste willkommen, unter denen sich neben Vertretern aus der Politik, der Hochschule und der Stadt auch viele Partner aus der regionalen Wirtschaft, der Inhaberfamilie und des Landratsamtes befanden. Unter dem herzlichen Applaus der Gäste zog Ministerpräsident Dr. Markus Söder schließlich in Begleitung der Landtagsabgeordneten Sascha Schnürer, Markus Saller und Sebastian Friesinger sowie Landrat Max Heimerl in den Saal ein.

Landrat Max Heimerl hieß den Landeschef herzlich willkommen und zeigte sich überzeugt, dass das Zentrum für Kreislaufwirtschaft perfekt in den Chancenlandkreis Mühldorf am Inn passt. Die Region präsentiere sich aktuell als hocheffizienter und hochattraktiver Standort für Investoren: Mit der Autobahn A94 und dem zweigleisigen Ausbau der Bahnhauptstrecke ABS38 ist der Landkreis überregional bestens angebunden. Interessante Gewerbeflächen und ein spürbar steigender Anteil junger Bürger bieten ansässigen Unternehmen beste Zukunftsperspektiven. Mit dem eigenen Landkreiswerk für eine sichere Energieversorgung, innovativen Betrieben und der Hochschule Rosenheim als wissenschaftlichem Partner steht ein starkes Umfeld bereit. Heimerl dankte dem Freistaat und insbesondere Markus Söder für die politische Unterstützung dieses Projekts, dessen Erfolg maßgeblich dem Durchhaltevermögen aller Beteiligten zu verdanken sei. Ein besonderer Dank ging auch an Professor Heinrich Köster, den Präsidenten der Hochschule Rosenheim, der das Vorhaben von akademischer Seite erst möglich gemacht hatte. Mit dieser Eröffnung, so Heimerl, setze man ein unübersehbares Zeichen für die nachhaltige Entwicklung der gesamten Region.

Hochschulpräsident Professor Heinrich Köster schloss sich den Grußworten an und erinnerte an die Anfänge vor zehn Jahren, als man mit dem damaligen Landrat Georg „Schorsch“ Huber und Umweltminister Dr. Marcel Huber erstmals über die Ansiedlung einer Hochschulaußenstelle im Landkreis gesprochen hatte. Inzwischen habe sich die Hochschule Rosenheim inhaltlich wie regional extrem weiterentwickelt. Nach dem strategischen Schwenk hin zur Kreislaufwirtschaft besetze man nun ein absolutes Zukunftsthema. Einen ähnlichen Standort habe die Hochschule bereits im Landkreis Berchtesgadener Land aufgebaut und könne sich dort vor Anfragen aus der Wirtschaft kaum retten. Das zeige, wie nah man am Puls der heimischen Industrie agiere.

Den wissenschaftlichen Fahrplan erläuterte im Anschluss Professor Dr.-Ing. Nicole Strübbe. In Waldkraiburg entstehe ein zentraler Forschungs-Hub für ganz Südostbayern und darüber hinaus. Das Ziel sei es, die Kreislaufwirtschaft massiv zu fördern und das Recycling vorwiegend von Kunststoffen zu steigern, die eine enorme wirtschaftliche Bedeutung besitzen und zugleich eine große ökologische Verantwortung erfordern. In einem weiteren Schritt wolle man sich zudem den Baustoffen, dem Holz sowie Metallen aus der Luft- und Raumfahrt widmen. Hier wird die Basis für eine umfassende Rohstoffstrategie von morgen gelegt, um Antworten auf die vier großen Megatrends unserer Zeit zu finden: Dekarbonisierung, Globalisierung, Digitalisierung und den demografischen Wandel. Da das Projekt ein direktes Ergebnis der High-Tech-Agenda der Bayerischen Staatsregierung ist, dankte Nicole Strübbe dem Freistaat für die Anschubfinanzierung und stellte das hochmotivierte Team vor, das den Standort bereits seit einem Jahr aktiv aufbaut.

Ministerpräsident Dr. Markus Söder betonte in seiner Festrede, wie wichtig es sei, solche Spitzenforschungseinrichtungen im ländlichen Raum anzusiedeln, da dieser die eigentliche Kraftquelle des Landes darstelle. Während sich die Zukunftsdiskussionen im Silicon Valley oft um reine Software drehen, sei die Kreislauftechnologie für die reale heimische Industrie von existenzieller Bedeutung. Sie biete nicht nur wirtschaftliche Chancen, sondern befreie das Land auch aus der strategischen Abhängigkeit internationaler Rohstoffproduzenten. Was recycelt wird, muss nicht teuer importiert oder gefördert werden. Söder lobte das Durchhaltevermögen der Akteure vor Ort seit 2018 und betonte, dass der Freistaat mit der Finanzierung von zwei erstklassig besetzten Professorenstellen die Qualität der Forschung langfristig sichere. Bayern habe Berlin als Start-Up-Zentrum längst den Rang abgelaufen und sichere sich durch die High-Tech-Agenda die technologische Führerschaft. Das bayerische Erfolgsmodell – bestehend aus Spitzenforschung an den Hochschulen, engen Partnerschaften mit der Wirtschaft und schnellen Ausgründungen – werde mittlerweile sogar von der Bundesregierung kopiert.

Als kleine Geste des Dankes überreichte Professor Köster dem Ministerpräsidenten ein erstes handfestes Produkt aus der Waldkraiburger Forschung, das Markus Söder zunächst mit einer gehörigen Portion humorvoller Skepsis untersuchte, bevor er schmunzelnd Entwarnung gab.

Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch dankte dem Ministerpräsidenten ebenfalls für den unermüdlichen Einsatz für den Standort. Das neue Forschungszentrum hebe die ohnehin sehr innovativen Unternehmen der Stadt – von denen nicht wenige als Global Player agieren – noch einmal auf eine ganz neue Stufe. Aufgrund des rasanten Wachstums stellte Pötzsch der Hochschule charmant in Aussicht, bald nach noch größeren Räumlichkeiten im Stadtgebiet Ausschau zu halten. Zum Abschluss dankte Professor Dr.-Ing. Johannes Eben, der das neue Forschungszentrum leitet und über Monate aufgebaut hat, allen Industriepartnern für die Bereitstellung der nötigen technischen Ausstattung sowie den hochambitionierten Doktoranden für ihren Einsatz.

Den feierlichen Höhepunkt bildete schließlich der gemeinsame Gang in die Räumlichkeiten des neuen Zentrums für Kreislaufwirtschaft. Dort durchschnitten die Ehrengäste offiziell das Band und übergaben das ZKR seiner Bestimmung, bevor sich die Gäste bei einem anschließenden Rundgang erste beeindruckende Ergebnisse der Forschungsarbeit präsentieren ließen.

42 Starkbierfest in Haag: Die Suche nach der Starkbierrede 2026 21:30 Play Button ungewählt
Alles klar, verstanden! Da habe ich vorhin zu kompliziert gedacht – die Struktur und der exakte Wortlaut bleiben natürlich komplett unangetastet, aber die reinen Schnitt- und Produktionsnotizen müssen für das finale Textarchiv fliegen.

Hier sind die drei Texte noch einmal komplett sauber: Ohne Kapitelstriche (--), ohne Musik- (M1) und ohne O-Ton-Marker, aber Wort für Wort genau so, wie du sie eingesprochen hast.
Text 1: Starkbierfest Haag

Knapp war die Zeit für die Vorbereitung des traditionellen Starkbierfestes in Haag heuer allemal. So knapp, dass Wirt Matthias Bachmeier und die Haager Starkbierfreunde schweren Herzens sogar auf die obligatorische Bierprobe verzichten mussten. Schuld daran war der frühe Termin der Kommunalwahl am 8. März – und die sechs Wochenenden davor, welche die ambitionierte Truppe ja komplett für ihre Aufführungen brauchte. Nach intensiven Probenabenden war es dann im Grandls Hochzeitstadel endlich so weit: Das erste Fass des süffigen Forstinger Starkbiers konnte feierlich angezapft werden. Draußen vor der Tür luden derweil schon die Plakate der beiden Kontrahenten um das Haager Bürgermeisteramt zur ganz eigenen „Hauberling-Hysterie“.

Der Andrang der Besucher war riesig. Die Zuschauer strömten nicht nur aus Haag und den umliegenden Gemeinden herbei, sondern der exzellente Ruf des Festes lockte Gäste aus der weiten Region an. Die geladene Prominenz verteilte sich diesmal geschickt über die sechs Abendtermine – je nachdem, wie es die dichten Terminkalender des Wahlkampf-Endspurts eben zuließen.

Das bewährte Konzept haben sich die Starkbierfreunde vor Jahren vom Münchner Nockherberg angeschaut. Wie beim großen Vorbild startet der Abend mit der herzlichen Begrüßung und der Vorstellung der Mitwirkenden, auch wenn die Töne diesmal anfangs etwas gedämpfter ausfielen. Hans Urban, Thomas Göschl und Bernd Furch freuten sich sichtlich über die Anwesenheit der aktiven Gemeinderäte und all jener, die es auf den zahlreichen Listen erst noch werden wollen. Am Premierenabend gaben sich unter anderem Bürgermeisterin Sissy Schätz, MdL Markus Saller und Bürgermeistersprecher Thomas Einwang die Ehre. In der zweiten Woche folgten schließlich Landrat Max Heimerl und MdL Sascha Schnürer. Hans Urban schlug in seiner Ansprache auch nachdenkliche Töne an: Die aktuellen globalen Krisen und Nachrichten trübten die Stimmung ein wenig. Da der Erlös des Starkbierfestes jedoch wie immer vollständig an wohltätige Einrichtungen gespendet wird, war er überzeugt, dass man trotz aller Weltprobleme guten Gewissens ein paar gemütliche Stunden miteinander verbringen dürfe. Schließlich sei es hier in Haag ohnehin viel schöner und heimeliger als auf dem Münchner Nockherberg. Dass sich das Derbblecken im Jahr 2026 fast ausschließlich um die Kommunalwahl drehte, versteht sich von selbst. Und auch wenn the eine oder andere Kommunalpolitiker kräftig einstecken musste: Jeder einzelne Kandidat stärkt mit seinem Engagement unsere Demokratie.

Dann präsentierten die Starkbierfreunde dem Publikum ihr erstes hausgemachtes Problem: Der bisherige Starkbierredner war ihnen abhandengekommen. Bei der Suche nach adäquatem Ersatz glänzten die Herren der Schöpfung jedoch vor allem mit Untätigkeit, was die energische Eva regelrecht auf die Palme brachte. Alle drei hatten natürlich hochwichtige Ausreden parat, warum sie sich dezent zurückhielten. Eva selbst winkte wegen Studium und Herbstfest ebenfalls ab, hatte aber eine zündende Idee: Ihr Cousin Florian – der optisch ohnehin fast wie der „Haase“ aussieht – sollte einspringen. Dumm nur, dass Manni bereits Evas Papa Bernd gefragt hatte, der nach anfänglichem Zögern zusagte. Und weil Manu parallel auch noch die bühnenerfahrene Christa Torres rekrutiert hatte, mutierte die Postenvergabe zu einem waschechten Casting. Ein Rednerpult und eine frische Maß Starkbier waren schnell besorgt, und das muntere Schaulaufen konnte beginnen.

Als erster durfte der von Eva „freiwillig gezwungene“ Florian ran. Da er nicht recht wusste, was er sagen sollte, gab ihm Manu den Tipp, einfach über die Haager Neuigkeiten zu referieren. Doch zum heiß diskutierten „Masterplan“ fiel dem Debütanten wenig ein – im Zentrum tue sich wohl schlicht zu wenig. Vielleicht sollte man dort Bäume pflanzen, um im Ortskern künftig Schwammerl zu suchen. Vorausgesetzt natürlich, man besitzt ein Allradfahrzeug, um die vielen tiefen Löcher in den Haager Straßen unbeschadet zu überstehen; bei Nacht sehe man das Elend zum Glück wenigstens nicht. Auch der Zehentstadel bekam sein Fett weg: Das dort geplante Integrationscafé schaue im aktuellen Zustand eher aus wie eine „große, goldene Kartoffel“. Von einem echten Aufblühen des Ortskerns könne keine Rede sein – es sei denn, man meint die Cannabis-Stauden auf den heimischen Balkonen. Immerhin soll heuer wieder ein traditioneller Maibaum aufgestellt werden. Florian verzichtete demonstrativ aufs Rednerpult und hielt seine Ansprache lieber unkonventionell von einer Malerstaffelei aus – von dort oben könne man im Winter gleich noch Punsch und Glühwein ausschenken. Den Prüfern reichte das fürs Erste, und Florian wurde zum Warten vor die Tür geschickt.

Als nächste Kandidatin trat Christa Torres an. Dass sie als Frau und obendrein Nicht-Haagerin die Rede halten wollte, stieß den alteingesessenen Grafschaftssprösslingen zunächst sauer auf, doch man gab sich betont tolerant. Christa hatte sich bestens vorbereitet und betrat die Bühne als ehrwürdige Schwester Virgo aus Ramsau. Nach einem kräftigen Prost auf die Starkbiergemeinde ging es direkt an die Kirchenkritik: Sie fragte offen, wo in der Institution Kirche eigentlich die Frauen bleiben, und monierte, dass dort bis heute fundamentale Menschenrechte missachtet würden. Da helfe auch die uralte Ausrede aus dem antiken Rom nicht, dass beide Geschlechter eben ihre „besonderen Aufgaben“ hätten. Vor Gott seien schließlich alle Menschen gleich, auch wenn es bei den Katholiken an der Spitze immer noch nur Gottes Söhne gebe. Dabei müssten die Frauen im Pfarrverband schon jetzt fast die gesamte Arbeit alleine stemmen, während der maskuline Vertreter Gottes im Marathon-Modus sieben und mehr Pfarreien gleichzeitig betreuen muss und folglich kaum noch vor Ort anzutreffen sei. Doch nicht nur in der Kirche, auch in den Rathäusern herrsche akuter Männermodus – von wenigen Lichtblicken wie der Irmi Daumoser im Rechtmehringer Rathaus mal abgesehen. Und wo arbeitet die „Süd-Irmi“? Natürlich bei der Firma Furch! Dort haben die Frauen ohnehin traditionell die Hosen an, weshalb gleich zwei von ihnen auf der CSU-Liste zu finden sind, während der Junior für die Freien Wähler antritt. Die indigenen Haager Dynastien sind eben geschickt in allen Wählergruppierungen mehrköpfig vertreten.

In Richtung der amtierenden Rathauschefin bilanzierte Schwester Virgo, dass sich Sissy Schätz vor sechs Jahren zwar den Sieg holte, ihr für diese Wahl aber nur zu raten bleibe, die Nerven zu behalten. Auch für den Herausforderer Florian hatte sie einen mütterlichen Rat parat: Nicht nur der Bart mache den Mann, sondern vor allem konkrete Aussagen darüber, wie genau er eigentlich alles anders machen wolle. Aller Anfang sei schwer – und sollte es mit dem Bürgermeisteramt nichts werden, nehme man ihn gerne wieder als Starkbierredner zurück. Den Starkbierfreunden war das Ganze am Ende jedoch etwas zu rasant vorgetragen, weshalb auch Christa im Warteraum Platz nehmen musste.

Schließlich schlug die Stunde von Bernd. Der hatte sich zwar einiges überlegt, brauchte zur mentalen Unterstützung aber erst einmal eine handfeste Maß Starkbier. Er musste das Casting-Team jedoch gleich enttäuschen: Würde er auf der Bühne zu tiefgründig über Sissy Schätz oder den Gemeinderat lästern, würde das dem Wahlkampf des Herausforderers nur schaden. Schließlich behaupten böse Zungen ohnehin schon, der „Haase“ würde als Bürgermeister später nur das tun, was Schletter und Furch ihm einflüstern. Dennoch bescheinigte er dem Herausforderer eine gehörige Portion „Schneid“. Bernd verpackte seine eigentliche Fastenpredigt daraufhin in klassische Reimform: Florian beweise echten Mut, die amtierende Bürgermeisterin herauszufordern. Egal wer am Ende das Rennen macht – auf den Nachfolger warten gewaltige und vor allem teure Projekte. Während der Herausforderer verspricht, alles anders zu machen, regiere Sissy Schätz das Haager Land mit gewohnt ruhiger Hand. Weil sie jedoch jedes Vorhaben tausendfach absichern wolle, dauere in Haag eben alles eine gefühlte Ewigkeit. Gewerbe und Handel blühten überall, nur im Haager Zentrum wolle der Funke nicht recht überspringen. Dass plötzlich wieder mehr Gewerbesteuereinnahmen sprudeln, sei wohl vor allem den lokalen Lebensrettern der Firmen Jäger und Schletter zu verdanken. In den letzten Jahren habe die Bürgermeisterin zudem eine geschickte Taktik entwickelt: Großprojekte, für die das Geld fehlte, wurden einfach elegant in den Nachfolgehaushalt verschoben – was ihr prompt zweimal positive Schlagzeilen in der Zeitung einbrachte.

Beim handwerklichen Anzapfen im Wahlkampf schenkten sich beide Kandidaten nichts: Der „Haase“ redet mehr, während die Sissy bevorzugt von den Wahlplakaten lacht. Aus dem einstigen Duell zwischen Stillstand und Verstand wurde im Haager Wahlkampfgetümmel so am Ende ein veritabler „Herzstillstand“. Neben den klassischen Plakaten haben die CSU und die Gruppierung „Wir für Haag“ mittlerweile auch das Internet für sich entdeckt – die Christsozialen setzen voll auf Social-Media-Videos, während die SPD sogar ein KI-generiertes Wahlkampflied ins Rennen schickt. Ganz neu im Trend sind die sogenannten Garagen-Imbisse, bei denen sich die Kandidaten den Bürgern hautnah bei einer Brotzeit vorstellen. Ein großartiges Lob und ein kräftiges Prost ging an diesem Abend an alle Bürger, die sich ehrenamtlich politisch engagieren. Abseits der Politik sorgten heuer die Schäfflertänzer für Begeisterung, musikalisch erstklassig begleitet von den Ramsauer Musikanten, die zuvor sogar einen umjubelten Auftritt in New York absolviert hatten.

Auch der Landkreis Mühldorf wurde wohlwollend erwähnt: Die Region könne sich glücklich schätzen, dass Max Heimerl vor sechs Jahren die Wahl gewonnen habe – seine anstehende Wiederwahl galt im Saal als ausgemachte Sache. Als „Chancenlandkreis“ müsse einem vor der Zukunft nicht bang sein. Obwohl Heimerl in Neumarkt wohnt, zeige er viel Präsenz in Haag und habe vor allem für den Erhalt des örtlichen Krankenhauses bereits viel erreicht. Auf die große Landes- und Bundespolitik wollte Bernd hingegen lieber nicht im Detail eingehen – das System verstehe mittlerweile ohnehin kein normaler Mensch mehr. Statt Bürokratie und Schulden abzubauen, überhäufe die Bundesregierung den wichtigen Mittelstand unaufhörlich mit neuen Vorschriften und Belastungen und fahre die tragende Säule der Wirtschaft damit sehenden Auges an die Wand.

Da die Starkbierfreunde nach diesem dreifachen Casting-Durchgang immer noch an jedem Kandidaten etwas auszusetzen hatten, kam Eva schließlich auf die moderne Idee, einfach die Künstliche Intelligenz um Rat zu fragen. Das verblüffende Ergebnis: Die KI schenkte allen Politikern gleichermaßen kräftig ein und bewies, dass sie selbst die Haager Bürgerschaft längst bestens durchschaut hatte – versöhnte das Publikum am Ende aber mit einer humorvollen Pointe.

43 Starkbierfest in Haag: Hauberling Hysterie - Das Singspiel 29:20 Play Button ungewählt
Nach der verdienten Pause verwandelte sich die Bühne im zweiten Teil des Abends in ein bayerisches Kult-Universum: Die Zuschauer fanden sich mitten in einer waschechten Eberhofer-Krimi-Parodie wieder. Alles begann im Büro von Polizeichef Moratschek, der erst einmal das Dienstbild an der Wand austauschte, bevor die Szenerie in die gemütliche Stube der Eberhofers wechselte. Dort litt Papa Eberhofer unter akuter Qual der Wahl bezüglich der Kommunalwahl, und da auch die Oma keinen Rat wusste, beschloss er kurzerhand, eine Protestdemonstration zu organisieren. Da platzte Bürgermeisterin Sissy Schätz in die Idylle – im Gepäck ein klassisches Schweinernes mit Kraut, um die Wogen zu glätten. Sie wollte wissen, warum der Franz – respektive Florian – denn bitteschön demonstrieren wolle, wo sie doch so gerne im Rathaus weitermachen würde.

Plötzlich schrillte das Telefon: Am Apparat war ein panischer Moratschek. Er hatte in Haag akuten „Herzstillstand“ gemeldet bekommen und befahl dem Franz, der Sache sofort und ohne Verzug nachzugehen. Widerwillig begab sich der Haager Eberhofer auf Ermittlungstour. Unterwegs traf er auf die chronisch neugierige Mooshammer Liesl, die sich sofort verplapperte und wissen wollte, ob es stimme, dass es im Ort einen Toten gegeben habe. Die Bürgermeisterin zeigte sich schockiert, doch am Bräuhausplatz folgte die rasche Erleichterung: Kein Mordopfer weit und breit, sondern lediglich zwei große Wahlkampf-Banner, auf denen großflächig der Slogan „Herzstillstand“ prangte. Der herbeigerufene Doktor musste die sichtlich mitgenommene Rathauschefin erst einmal wegen akuter Schwindelanfälle behandeln.

Die Erleichterung währte jedoch nur kurz, denn Sissy stellte Florian aufgebracht zur Rede: Der Herausforderer hatte im Eifer des Gefechts noch nicht einmal seine offiziellen Bewerbungsunterlagen für die Bürgermeisterwahl abgegeben, und die gesetzliche Abgabefrist stand unmittelbar bevor! Die rettende Idee kam einmal mehr von der findigen Oma: Da die zuständige Wahlleiterin, Frau Strengkorrekt, bekanntermaßen eine große Schwäche für frisch gebackene Hauberlinge hat, wurde sie kurzerhand zu einer kulinarischen Bestechungseinladung ins Eberhofer-Haus gelockt. Der herbeigeeilte Maxi hatte auf dem Bräuhausplatz zwar keine Leiche, dafür aber jede Menge gefährliche Straßenebenheiten gefunden – was die Ermittlungen jedoch auch nicht weiterbrachte.

Als Papa Eberhofer nach Hause kam, zeigte sich Kumpel Rudi Birkenberger völlig entsetzt über die Neuigkeit, dass der Franz nun ernsthaft Bürgermeister werden will. Er war strikt gegen diese Kandidatur, schließlich funktioniere man als Ermittler-Duo doch perfekt. Erfahren hatte der Birkenberger das Ganze – wie sollte es anders sein – natürlich brühwarm von der Mooshammer Liesl. Die eintreffende Verwandtschaft versuchte vergeblich, dem Franz die Flausen aus dem Kopf zu treiben, schließlich überrasche dieser jeden Tag mit neuen Ideen, veranstalte neuerdings Nachbarschaftstreffen und sei laut Flötzinger mit Gott und der Welt beim Spazierengehen gesehen worden – nur eben nie mit der Sissy. Ob so ein vielbeschäftigter Mann überhaupt die Zeit für das anstrengende Bürgermeisteramt aufbringen könne, blieb im Raum stehen.

Beim gemeinsamen Blick auf die offiziellen Wahllisten lästerten Rudi und Franz munter weiter: Die CSU und die Freien Wähler konkurrierten offenbar erbittert darum, wer den ältesten Kandidaten auf Listenplatz eins platzieren darf. Der Nachwuchs der Christsozialen wird derweil durch Eva Furch und Alex Schmid repräsentiert, während Hans Urban anscheinend etwas ausgefressen haben muss, da er sich auf dem hinteren Listenplatz 13 wiederfand. Die Liste der PWG wurde als extrem kirchenlastig eingestuft, auf der sich ausschließlich kirchlich Engagierte tummeln. Bei der Liste „Wir für Haag“ sei es wie bei der Familie Furch – alle vertreten –, während die Haager SPD konsequent gleich die gesamte Familie Meier ins Rennen schickt. Wahlplakate prägten das Ortsbild an jeder Ecke. Neu im Wahlkampf-Repertoire waren zudem die Garagen-Imbisse der Kandidaten.

Ein Sonderlob der Eberhofer-Runde ging an die bayerischen Schäffler, die heuer wieder eine phänomenale Saison abgeliefert hatten. Die Mooshammer Liesl tauchte abermals auf und wollte wissen, ob das vermeintliche Beziehungsdrama im Rathaus mit dem ominösen „Herzstillstand“ zusammenhänge, was dem Franz endgültig den Geduldsfaden reißen ließ. Über dem ganzen Trubel hatte Florian glatt die Wahlleiterin vergessen und brauchte dringend wieder die Unterstützung vom Birkenberger.

Genau in dem Moment, als die Oma die ersten Hauberlinge fertig gebacken hatte, traf die gefürchtete Frau Strengkorrekt ein. Zu ihrem großen Glück hatte sie ihre treue Tupperdose direkt dabeigehabt. Angesichts der köstlichen bayerischen Spezialität wurden die bürokratischen Fragebögen für die Bürgermeisterwahl schnell zur Nebensache; die Formulare wurden schlussendlich im Esszimmer doch noch ordnungsgemäß ausgefüllt und der Wahlleiterin mitgegeben. Franz verstand nun erst so richtig, wie kompliziert die Kommunalpolitik und die Forderung nach einem ausgeglichenen Haushalt in der Realität sind. Wegen der Haushaltsdebatten dauern die Gemeinderatssitzungen in Haag regelmäßig bis tief in die Nacht, da die Meinungen weit auseinandergehen: Während die eine Fraktion beharrt, das Geld müsse erst mühsam eingenommen werden, bevor man es ausgibt, rechnet die Gegenseite bereits fest mit den künftigen Gewerbesteuereinnahmen der großen Haager Firmen.

Plötzlich war die Wahlleiterin spurlos verschwunden, was auch Rudi Birkenberger sofort bemerkte. Während sich die beiden Ermittler auf die Suche machten, läutete erneut das Telefon: Moratschek forderte am Apparat endlich konkrete Ergebnisse im Fall „Herzstillstand“. Als Rudi und Franz die Suche erfolglos abbrechen mussten, tauchte der Maxi mit der Tupperdose der Wahlleiterin auf. Moratschek rückte daraufhin sogar mit polizeilicher Verstärkung aus der Landeshauptstadt München an, um das vermeintliche Verbrechen aufzuklären. Sissy Schätz bangte derweil bereits um die rechtzeitige Gültigkeit ihrer eigenen Kandidatur.

Die fällige Erlösung brachte schließlich Papa Eberhofer, der die vermisste Wahlleiterin wohlbehalten nach Hause brachte. Die beiden hatten zuvor den flüssigen Ertrag von Papas Haager Südhang ausgiebig verkostet. Die wichtigen Wahlpapiere waren glücklicherweise noch vollständig vorhanden. Ein grandios gelöster Fall für das Haager Ermittler-Team: Die Kommunalwahl konnte ordnungsgemäß und pünktlich stattfinden! Mit einem furiosen musikalischen Finale und den abschließenden Original-Statements aller Hauptakteure endete ein denkwürdiger, hochamüsanter Starkbierabend im vollbesetzten Hochzeitstadel.

44 Stimmen zum Starkbierfest in Haag 10:30 Play Button ungewählt
Ohne Kommentartext
45 Kappenabend in Mühldorf: HABEDIEEHRE 41:00 Play Button ungewählt
Eigentlich ist die Faschingszeit die Zeit der Kappenabende. In Mühldorf war das heuer anders. Vielleicht wollte der Kappenabendverein die Zeit vor der Kommunalwahl nutzen? Das hat sicher eine Rolle gespielt, galt es doch die vielen Diskussionen der zurückliegenden Wochen und Monate humorvoll zusammenzufassen. So luden sie an drei Abenden in den Stadtsaal ein. Auf Grund eines anderen Termins konnten wir die Premiere nicht begleiten und können so viele Reaktionen Be- oder Getroffener nicht zeigen. Davon aber später mehr.

Schon eine halbe Stunde bevor der Vorhang aufging passte der Turmwächter auf, dass im Zuschauerraum alles geordnet zuging. Da unten, in den niedrigen Gefilden der Mühldorfer blieb schließlich an allen drei Abenden kein Platz leer. Solchen Zustrom hat der Kappenabend seit Jahren nicht erlebt.

Als der Vorhang aufging hat Thomas Enzinger als Turmwächter erst einmal seine Hellebarde im Christbaumständer fixieren müssen.

Er steht ja seit Jahrhunderten da am Münchner Tor und beobachtet alle, die da in die Stadt reinfahren. Das Wissen daraus lag schwer auf ihm. Besonders gestört hat ihn die zunehmende Hektik die die Frage aufkommen hat lassen, wovor die Leute davon laufen. Dann war ihm klar, es wird ja wieder gewählt! Und da wird dann diskutiert, drangsaliert, denunziert und überall plakatiert. Und dann lassen sie sich wieder als Heroen feiern. Aus jahrhundertelanger Erfahrung hat er aber gewusst, sowas geht meistens ned guad aus!

Gefreut hat er sich aber über den Bezug der Leute zum Inn. Alles mögliche verbinden sie damit: Die Innstadtpost, den Innliner, der mal InnBus hätte heißen können und vieles mehr. Vielleicht gibt’s ja bald eine BürgermeisterINN?

Zuviel geworden sind ihm auch die Feuerwerke in der Stadt. Sogar oben am Turm. Vielleicht zieht er doch um zum Johann-Nepomuk…

Noch viel mehr ist passiert. Aber das wollte er nicht alles erzählen. Das sollten schon die vom Kappenabend.

Und die begrüßten die Zuschauer musikalisch: Es ist Kappenabend-Zeit!

Die Kappenabend-Band lud dann ins Wohnzimmer ein wo der Maxi einen freien Sonntag ohne Familie genießen wollte. Die anfängliche Begeisterung und die Vorfreude auf ein Buch oder gute Musik von der Vinyl-Platte ist aber schnell der Langeweile gewichen. Da rief er das Internet zu Hilfe das alles weiß und alles bietet.

Er ruft es ja nur für ein paar Dinge. Das Internet wusste es aber besser und erinnerte ihn an seinen Verlauf. Daraus machte es ihm verschiedene Vorschläge, die er aber alle abgelehnt hat. Er wollte doch nur wissen wie’s Wetter wird. Das glaubte es ihm aber nicht weil er doch Musik hören wollte. Das ließ ihn zweifeln: Hört es ihm denn ständig zu?

Keinen der Vorschläge wollte er aber hören. Er wollte doch nur wissen wie’s Wetter wird. Hier! In Mühldorf! Nicht in Myanmar. Das wusste das Internet natürlich genau bis auf pfenniggute Stellen hinterm Komma, erinnerte ihn aber erst an den Black-Friday-Monat ab morgen!

Nach seinem Protest gab’s endlich das Wetter: Den ganzen Tag Sonne. Es würde ihn doch niemals anlügen!

Nach ein paar Sekunden holte es das Internet doch zurück für ein bißchen Musik.

Dann kam Edmund als Sonderbeauftragter der Bayerischen Staatsregierung für Altersdigitalisierung nach Mühldorf von dem Bürgermeister Hetzl hoffte, er würde den Mühldorfern die Rufbusse vorstellen. Mit seinem klassischen Tastenhandy ging das nicht. Dazu braucht man schon zusätzlich so ein Gerät und ein Internet. Das kann man kaufen.

Dann wollte er innerhalb von 10 Sekunden einen Rufbus vom Hauptbahnhof in Mühldorf zum Flugplatz in Mößling buchen. Es gelang ihm das Smarthome zu entsperren. Da gabs dann verschiedene Apps. Schnell hatte er die für den Rufbus gefunden. Da stand drauf:

Da draufgedrückt erschien eine Landkarte die aber niemand braucht. Nach Eingabe des Abfahrtspunktes und des Zielortes riet ihm die App zu einem Taxi.

Ok – dann fahr’ma halt zum Stadtplatz. Das funktionierte. Er wollte aber nicht sofort fahren sondern am Sonntag früh – zum frühstücken. Wieder riet ihm die App zum Taxi!

Ok, fahren wir halt am Montag um 9 Uhr. Da fährt schon jemand anders. Probieren wir 7 Uhr. Da sollte er zu Fuß gehen. 18 Uhr ginge aber. Statt frühstücken halt dann Abendessen.

Noch die Rückfahrt um 21 Uhr. Da riet ihm die App ein Hotel zu suchen.

Das alles stornierte er dann doch – und das hat funktioniert!

Zwei Ehefrauen trafen sich dann am Stadtplatz und machten sich Gedanken über ihre Bekannte, die gern Leggings trägt. Früher waren das ja lange Unterhosen.

Die haben ja was mit Kindern gemeinsam: Bussi – Bussi!

Da kam sie – Bussi – Bussi!

Dann machten sie sich über die Namen von diesem neumodischen Zeugs genauso lustig wie über die vielen Thementage.

Und die Männer darüber, dass man Fußball jetzt über DAZN anschauen muss.

Und er wollte sein Auto verkaufen, hat sich aber vertippt.

Das war ihr dann ganz egal wie das heißt…

Die drei von der Müllabfuhr hatten ihre Sorgen vom vergangenen Jahr entsorgt. Im Wertstoffhof der ein neues Heim hat, ein Wertstoffheimerl. So klein wie der ist.

Es gibt ja viel Müllkreislauf in der Kreisstadt. Den regeln dann die Einweiser. Die tragen Westen. Dabei liegt der Wertstoffhof im Osten. Die den Hof vor den Autos schützen nennt man Schützenhofer.

Der ist auch der Namensgeber für den CSD, den Christoph-Schützenhofer-Day. So einen eigenen Tag will auch der Hetzl. Den Michael-Hetzl-Day, kurz MHD 2026.

Er redet ja nicht vom Schaltjahr. Vor lauter Parteien und Farben wurde ihm ganz schwarz vor Augen. Trotzdem kein Grund den Roten den Teppich auszurollen. Dabei ist Grün biologisch abbaubar!

Abgebaut wird auch im Mühldorfer Norden. Kies stinkt zwar nicht…

Da sind die blauen und braunen Container. Die sollen aber draußen bleiben, dieser Restmüll ohne inhaltlichen Wert.

Sie luden den Franz und den Adi in den Frustikanten-Stadel. Die Zuschauer sollten mit ihrem Applaus die deprimiertesten und frustriertesten Bürgermeister im Landkreis bestimmen.

Der erste Kandidat war Thomas Mühlbeck, der Kämmerer der Stadt Waldkraiburg. Der schaut jeden Tag seine Konten an. Kein warmer Regen, nichts…

Der Applausometer bewertete den Applaus. Bei dem seinem Gesang kanns ja auch nix werden.

Der nächste Kandidat war der Bürgermeister von Neumarkt-Sankt Veit, Erwin Baumgartner. Sein Geld war mal mehrer und jetzt wird die Kasse immer leerer.

Der dritte Kandidat war die einzige Frau, die Bürgermeisterin von Oberneukirchen, deren einziges Problem die Abhängigkeit vom Chef der Verwaltung ist… Anna Mayer.

Sie hat alle rausgeworfen. Jetzt macht sie alles selbst mit Frauenpower!

Für sie einen extra Applaus!

Der fourth Kandidat, der Bürgermeister von Mühldorf, der sich nur mit Hilfe von Stadtwerkechef Alfred Lehmann etwas leisten kann.

Der wollte gar nicht mehr von der Bühne.

Der letzte Kandidat war einer mit großen Visionen. Bürgermeister Alfred Lantenhammer aus Schönberg.

Ihn begleitet hat der Chor der stummen Stadträte im Hintergrund.

Sie machten es dann wie in der Waldorfschule: Alle belegten den ersten Platz und durften mit dem Mühldorfer Stadtkämmerer zum Aschermittwochs Geldbeutelwaschen.

Die beiden Schäffler kamen von den beiden Mühldorfer Schäfflermannschaften. Sie hatten alle a rot’s Laiberl, a grün’s Heiberl, tanzten und waren gut drauf! Sie machen das alle 7 Jahre. Aber nur der eine..

Sie tanzten da beim Bachmaier. Da gibt’s dann Krapfen!

Die einen waren komplett, die anderen kompletter. Dabei waren die einen 17, die anderen 19. Aber ehrlich nur 15 weil die anderen Bauchweh gehabt haben. Zu viele Krapfen! Und Kopfweh! Zu viel Schnaps! Und Herzweh! Vom Schmusen!

Aber die anderen waren auch nicht komplett.

Vielleicht sollten sie miteinander tanzen – beim Bachmaier – für Krapfen!

Dann eine Trauergesellschaft am Grab von Unertl. Gemeinsam beerdigten sie mit dem zugewanderten Pfarrer ihren Konkurrenten. Sie wollten gemeinsam brauen – ähm trauern.

So wollten sie Abschied nehmen. Während die eingesessenen Brauereien den Verlust betrauert haben, hat der Innbräu völlig neue Chancen auf’m Volksfest gesehen.

Es geht ja nicht nur ums Geschäft. Schließlich hat das Unertl untrennbar zu Mühldorf gehört. Es war ja quasi eine Einheit. Es ist viel zu früh von uns gegangen worden.

Der Pfarrer meinte, der Alkohol wäre keine Lösung auch wenn er vieles leichter macht. Er erbrach – ähm – versprach, jedes Krüagal kriegt seinen Applaus.

Dabei war Unertls Programm gar nicht so umfangreich. Sonderbar war er ja schon, hat er doch in der Nacht sein Bier mit klassischer Musik beschallt. Und auf’m Etikett war hinten eine „Blume des Lebens“ drauf. Die hätte das Wasser beleben sollen. Vielleicht wars doch nicht vegetarisch.

Jedenfalls muss man das alles ertragen. Er zitierte aus Psalm 517 aus dem Brief an die Paulaner:

In Streit gerieten sie beinahe als sie über das lebendige Wasser nachdachten. Da musste sie der Pfarrer beruhigen.

Da kam doch glatt noch so ein Bier dazu. Es ist wieder zurück, das Unertl! Da wollte das Steer einen Exorzisten und das Innbräu ging das Volksfest vorbereiten. So einfach war das aber nicht...

Wie bei jedem Kappenabend unterhielten sich dann die beiden Mühldorfer Türme, also der Thomas Enzinger und der Wolfgang Baierlein. Die fragten sich was sich in Mühldorf bewegt.

Sie suchten ein Symbol dafür was sich in Mühldorf bewegt. Die Bretter mit als Uhrzeiger an der Frauenkirche oder das Spital, der Skaterpark oder das Sümö-Gelände. Überall spielen sie Beamten-Mikado. Dabei stellt der Bürgermeister jede Woche vor, was er alles macht.

Das haben sie vor sechs Jahren schon versprochen. Jetzt bemüht er sogar Altkanzlerin Merkel…

Das zahlt der neue Sponsor, der Lehmann von den Stadtwerken. Das geht so….

Ohnehin arbeitet der Bürgermeister künftig mit Dekreten – wie der Trump.

Das spart Kosten. Und Brückenzoll könnte er auch erheben. Und Pickerl für Autofahrer verkaufen. Vielleicht sammelt er ja Geld per Crowdfunding. Ob die von der Stadt jetzt eine Hanf-Plantage betreiben?

Sogar ein neues Gefängnis gibts jetzt. Das ist der neue Wertstoffhof. Der hat so hohe Mauern wie das in der Oderstraße und raus kommt man auch nur noch ganz schwer.

Sogar ein Büchertauschhäuschen gibts jetzt. Da hat der Bürgermeister-Bap schon ein Buch über seinen Buben reingelegt..

Und die Bathen von der AfD auch. Das heißt „Das Ende des Schweigens“.

Über vieles mehr wunderten sie sich bis sie anfingen sich zu beschimpfen. Da kam Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner mit dem Stadtratshund von Christian Leunig und Karin Zieglgänsberger dazwischen. Der hat das Altöttinger Tor angepinkelt.

Der hat tatsächlich geredet. Bei ihnen reden ja ohnehin nur zwei: Das Frauchen und er. Das Herrchen redet nur wenn er Hunger hat.

Birgit Weichselgartner hat ja Zeit zum Gassi-Gehen weil ja nichts gebaut wird. Nur planen darf sie viel. Übrigens Schlaglöcher gibt’s viele…

Es gäbe ja wirklich viel zu planen. Fürs bauen fehlt aber das Geld.

Sie ist wohl eher eine „Stadt-Planmeisterin“…

Wenn sie sich ja was wünschen würde… Das ist aber alles Träumerei.

Nach der Pause stellte das HabeDieEhre-Fernsehen die Nachrichten vor. Da verhinderte auch das neue Sicherheitskonzept nicht, dass ein Auto in ein Schaufenster gefahren ist. Der Kampf um Parkplätze führte zur Änderung des Namens von Stadträtin Karin Zieglgänsberger.

Eine Sensation, die Südostbayernbahn hatte zuletzt keinerlei Verspätungen. Weil nur Schienenersatzbusse gefahren sind.

Das äußerst traditionelle Geldbeutelwaschen am Faschingsende, das es seit 2025 gibt, hat durch die Rückgabe des Pfandes des Bürgermeisterbüros die Stadtkasse kräftig gefüllt. Jetzt kann die Figur auf dem Brunnen vor dem Rathaus ersetzt werden.

Zur 275. Jubiläumsaufführung der Mühldorfer Hex plant die Stadt viel Lustigeres: Die Mühldorfer Pestspiele für die 200.000 Ratten auf dem Stadtplatz angesiedelt wurden.

Der Nagelschmidturm wird entsprechend geschmückt und die Bürger zur Beteiligung verpflichtet. Mehrere Schäfflervereine meldeten bereits Begeisterung.

Noch eine Eilmeldung. Bürgermeister Hetzl plant wegen eines Wellnessurlaubes die Verlegung der März-Stadtratssitzung auf Gründonnerstag. Georg Gafus ist außer sich vor Wut weil ihm dadurch die Fußwaschung...

Then kam Kulturamtsleiter Walter Gruber ins Musikgeschäft und wollte da ein Gerät kaufen, das ihm die passende Musik zu den zahlreichen Feuerwerken vorschlägt. Der Verkäufer hatte eines das alles drauf hat. Genau das richtige für ihn. Das bewies er ihm ausführlich.

Je länger er demonstrierte, desto teurer wurde das Gerät.

Nicht umgesetzte Projekte besang dann Thomas Enzinger. So muss der TSV immer noch mit der alten Turnhalle auskommen. Und Georg Gafus’ Kritik am Rufbus eskalierte ja inzwischen doch ziemlich.

Dann kam die schwangere junge Frau zum Arzt. Der hat festgestellt, sie bekommt einen kleinen Pollinger. Die junge Frau war natürlich schockiert – besonders weil’s dagegen keine Mittel gibt.

Trotzdem hat sie noch Glück gehabt.

Der Pollinger Napoleon mit „Weil i ned mag“

Wieder waren der Adi und der Woife aufm Volksfest wo sie sich erst mal über die Toiletten geärgert haben. Und über die Senioreggler. Und die schlecht eingeschenkten Massen. Boxen gibt’s ja nicht mehr und unterhalten kann man sich auch kaum noch. Noch viel mehr hatten sie zu kritisieren.

Aufm Rathausfletz war dann dem König Hetzl fad! Der Gruber hat auch keine Idee gehabt. Vielleicht sollten sie ein Tischfeuerwerk zünden.

Das hat aber nur kurz gebrannt. Dann war ihm wieder langweilig….

Dann war Bürgersprechstunde. Vielleicht wartet ja der Merz auf sie. Nein, draußen war ein Betonmaßkrug. Dem war auch langweilig. Er hätte gern mehr Einsatzzeiten. Dafür könnten sie das Sicherheitskonzept ändern.

Der Merz war immer noch nicht da. Trotz seines Schreibens wegen dem Bahnausbau. Dafür ist der Leserer gekommen. Der wollte seinen Stadel aufm Volksfest verlängern. So um 20 Meter.

Der Merz war immer noch nicht da. Er hatte ja noch nicht abgesagt. Der Papst übrigens auch nicht. Dem hatte er eine Mail geschickt.

Dann hat sich die ehemalige Bundestagsabgeordnete Bubendorfer-Licht darüber beklagt, dass sie nach dem Volksfestauszug im Spatenzelt keinen Platz am Bürgermeistertisch bekommen hat.

Wieder kam der Wachtl mit seiner Hellebarde.

So ein bissl was rührt sich ja schon in Mühldorf. Er stinkt ja schon, nach 500 Jahren da an seinem Turm. Er transpiriert halt. Übrigens hat Mühldorf ein Problem mit der Transparenz.

Zaubern konnte dann der Magic Adi. Der hat schon gewusst, wen sich die Zuschauer als künftigen Bürgermeister vorstellen. Dazu sollten sie sich wirklich konzentrieren. Heraus kam eine Vorhersage.

Da musste er doch selber zaubern.

Natürlich hatte Donald an allem etwas auszusetzen, versprach aber Mühldorf wieder great und reich zu machen, verdammt reich! Sogar einen Trump-Tower wollte er mitten auf dem Stadtplatz bauen.

Die drei Bürgermeisterkandidaten stellten sich vor und Donald lehnte einen nach den anderen ab. Zwar hatte er Achtung für Fire-Commander Stefan Lasner. Mit seinem Namen konnte er aber nichts anfangen.

Auch mit Claudia Hungerhubers Namen konnte er nichts anfangen. Er nannte sie lieber Ursula. Ihr Urologe repariert sicher Uhren. Nein, er ist Arzt für Down Under!

Nur das Ehrenamt – damit konnte er nichts anfangen.

Das wird schwer für sie alle – meinte Donald.

Er dagegen wollte Mühldorf sicher machen und dazu eine Mauer um Waldkraiburg und Polling bauen.

Dann hat’s Magic Adi gereicht und er hat ihn wieder weggezaubert.

Wieder kam der Wachtl zurück.

Habediehre heißt auch Auf Wiedersehen, verabschiedete er die eine oder andere Firma und bekannte Personen. Sogar der erste Barber-Shop hat schon wieder aufgehört. Sogar von den Kappenabendlern hören manche auf.

Dann musste er zurück auf seinen Turm, die Stadt bewachen. Eins hatte er aber noch für die Mühldorfer.

Sie kamen zurück zum großen Finale.

Später haben wir mit den Betroffenen gesprochen.

46 Sonderprogramm:
Aufzeichnung der Rede des Präsidenten des Bayerischen Bauernverbandes, Günther Felßner bei Gruber Landtechnik in Ampfing
87:00 Play Button ungewählt
Liebe Bäuerinnen und Bauern, liebe Familie Gruber, liebe Höpfinger, liebe Ehrengäste, meine sehr geehrten Damen und Herren. Erst einmal ein herzliches Dankeschön für die Einladung und für die Möglichkeit, hier auf dieser Frühjahrsausstellung der Familie Gruber, der Firma Gruber und ihres Teams als Redner auftreten zu dürfen.
Ich überbringe Ihnen natürlich auch die Grüße des Bayerischen Bauernverbandes. Ganz persönlich freue ich mich besonders, wieder hier zu sein. Es ist nun knapp zehn Jahre her – damals stand die Bärenmarke-Molkerei in Weiding in der Diskussion –, dass ich schon einmal in dieser Halle reden durfte. Ich bin von ganzem Herzen gerne wiedergekommen, weil ich eines wahrgenommen habe, das man auch heute noch spürt: In der Familie Gruber und der Firma Gruber Landtechnik in Ampfing herrscht eine familiäre Atmosphäre. Hier arbeitet eine Unternehmerfamilie mit einem Team, das sich aus Tradition über Generationen hinweg mit der Landwirtschaft verbunden hat.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir damals einen Kaffee miteinander getrunken haben. Es herrschte dieses familiäre Gefühl – nicht das Gehabe eines „großen Unternehmers“, das man hier durchaus an den Tag legen könnte. Es ist eine beeindruckende Erfolgsgeschichte, was diese Firma in den letzten 50 Jahren aufgebaut hat: Eine Vielfalt an Marken, Standorten und unternehmerischer Anpassungsfähigkeit, die man heute braucht, weil sich die Dinge so schnell verändern. Deshalb möchte ich mit einem Dank an diesen Partner der Landwirtschaft starten. So wünschen wir uns das: Hier kommt man gerne her, hier hält man zusammen. Das ist Bayern.
Die globale Lage und die großen Zusammenhänge
Der Titel meiner Rede wurde bereits angesprochen: Ein großes Thema zwischen Marktpolitik und regionaler Verantwortung. Die Weltmärkte spielen massiv in unseren Alltag hinein. Man könnte fast sagen, wir halten hier heute einen „internationalen Agrar-Gipfel“ ab, denn Bayern, Österreich und Franken sind vertreten.
Wenn wir uns die Welt anschauen, spielt es eine Rolle, ob ein amerikanischer Präsident sich für einen Angriff im Iran entscheidet. Sofort reagieren Düngerpreise, Treibstoffkosten, Kontrakte und Märkte. Man ist sofort betroffen. Scheinbar spielt es sogar eine Rolle, ob in China ein Sack Reis umfällt. Deshalb müssen wir die großen Zusammenhänge an den Anfang stellen.
Ich zitiere dazu den Präsidenten der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw), Wolfram Hatz. Vor ein paar Wochen fasste er die Lage der deutschen und bayerischen Wirtschaft in einem Satz zusammen:
„Die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft liegt am Boden, die Politik in Deutschland ist zu langsam und weltweit sind wir von Idioten umgeben.“
Das sind drei Punkte: Eine schwierige wirtschaftliche Lage, eine zu langsame Politik und eine internationale Lage, auf die kein Verlass mehr ist. Das ist eine korrekte Lagebeschreibung. Die Frage ist: Was machen wir daraus?
Herausforderungen: Bevölkerungswachstum und Klimawandel
Der fränkische Fußballphilosoph Lothar Matthäus hat einmal gesagt: „Wenn es schwer wird, nicht den Sand in den Kopf stecken.“ Das entspricht unserem bäuerlichen Denken. Wir wollen die richtigen Schlussfolgerungen ziehen.
Schauen wir uns die Weltlage an: Die Bevölkerung wächst massiv. Vor einer Generation hatten wir 3,5 Milliarden Menschen auf der Welt, heute sind es über acht Milliarden. Alle 30 Jahre verdoppelt sich die Zahl der Menschen. Jeden Tag kommen 250.000 Menschen hinzu. In 10 bis 15 Jahren werden wir rund 10 Milliarden Menschen sein. Diese Menschen brauchen Nahrung – die Lebensgrundlage Nummer eins –, aber auch sauberes Wasser, eine gesunde Umwelt und regenerative Energien.
Hier kommen wir zu einer zentralen Herausforderung: dem Klimawandel. Das Thema prägt die Politik der letzten 15 Jahre massiv. Die schwierige Wettbewerbsfähigkeit, die CO2-Bepreisung, hohe Energiekosten und Auflagen – all das hängt mit dieser Debatte zusammen. Wir müssen uns klarmachen: Von den 8 Milliarden Menschen leben nur etwa 2 Milliarden in unserem Wohlstandsniveau. Unser Wohlstand beruht auf einer 100-jährigen Industrialisierung, die auf Erdöl, Kohle und Gas basiert. Trotz aller Energiewenden heizen und fahren wir heute noch maßgeblich fossil.
Die anderen 6 Milliarden Menschen wollen diesen Wohlstand nachahmen. Wenn diese Menschen jedoch denselben Weg über fossile Brennstoffe gehen wie wir, halten das Klima und die Erde das nicht aus. Das führt zu großen Spannungen und Migration. Wir müssen also in den Industrienationen eine Antwort darauf geben, wie wir Wohlstand halten und gleichzeitig das Klima schützen können, ohne uns dabei selbst zu überfordern.
Die vier Ziele der Landwirtschaft
Es gibt vier Ziele, die die Landwirtschaft adressieren muss. Ich richte mich hierbei auch an die anwesenden Politiker Sascha Schnürer und Marcel Huber, auf den die Region stolz sein kann.
1. Menschen ernähren: Wir können uns nicht auf die Unsicherheiten der Welt verlassen. Europa muss resilient und stark werden. Bevor wir über Panzer und Drohnen reden, müssen wir über Ernährungssicherheit sprechen. Wenn uns das Essen ausgeht, nützt keine Verteidigung etwas. Bauern sind die ersten Soldaten des Friedens, weil sie die Lebensgrundlage sichern.
2. Energie produzieren: Jede Alternative zu fossilen Brennstoffen kommt von land- und forstwirtschaftlichen Nutzflächen. Der „grüne Kohlenstoff“ der Bioökonomie wird bei uns gewonnen. Windräder, Photovoltaik, Biogas und Holz – alles findet auf unseren Flächen statt.
3. Bioökonomie (Kunststoffersatz): Fast alle Kunststoffe basieren heute auf Erdöl. Wir brauchen grüne Alternativen, die biologisch abbaubar sind. Auch diese Rohstoffe (Stärke, Ethanol) müssen wir anbauen.
4. Ressourcenschutz: Wir müssen unsere Ressourcen – gesunden Boden, saubere Luft und Wasser, Biodiversität – so bewirtschaften, dass sie „enkeltauglich“ erhalten bleiben. Wir Bauern sind die Profis im Naturschutz, weil wir diese Lösungen jeden Tag und jede Nacht in der Praxis liefern.
Die Rolle der Tierhaltung im Klimaschutz
In diesem Konzept der kaskadischen Kohlenstoffnutzung spielt die Tierhaltung eine zentrale Rolle. Sie ist notwendig für einen effektiven regionalen Klimaschutz. Für jedes Kilo pflanzlicher Biomasse, das der Mensch essen kann (z. B. Mehlkörper des Weizens, Zucker der Rübe), fallen 4 bis 5 Kilo Biomasse an, die wir nicht direkt essen können (Stroh, Rapskuchen, Zuckerschnitzel).
Tiere machen aus diesen Resten zusätzliche Lebensmittel, ohne dass wir mehr Anbaufläche brauchen. Zudem besteht Bayern zu 50 % aus Grünland, das der Mensch nicht essen kann. Nur durch Tiere können wir diese Flächen nutzen. Tierhaltung ist daher ein essenzieller Baustein eines klimaschonenden Landwirtschaftskonzepts.
Kritik an der europäischen Politik (Green Deal)
Europa hat diesen Wandel oft noch nicht vollständig verstanden. Wir befinden uns in einem Transformationsprozess. Der „Green Deal“ der EU basiert leider oft noch auf dem Ökologie-Gedanken der 80er und 90er Jahre, als wir Getreideberge und Butterberge hatten. Damals wollte man Flächen stilllegen, weil man zu viel Nahrung hatte und den Klimawandel noch nicht auf dem Schirm hatte.
Heute ist die Lage anders: Wir brauchen die Flächen für Nahrung, Energie und Bioökonomie. Wer heute Flächen stilllegt (Extensivierung), zwingt das System dazu, weiterhin fossile Brennstoffe oder Plastik aus Erdöl zu nutzen. Wir brauchen kein Denken von gestern, sondern eine nachhaltige Intensivierung. Wir müssen mehr „grünen Kohlenstoff“ ernten, um den „schwarzen fossilen Kohlenstoff“ zu ersetzen.
Die Vorschläge des Green Deal – 20 % Flächenstilllegung oder das Verbot von Pflanzenschutzmitteln ohne Alternativen (SUR) – sind eine verantwortungslose Politik, die die Ernten gefährdet. Wir müssen forschen und schlau sein, um höhere Erträge in einem nachhaltigen System zu sichern, anstatt den Rückzug anzutreten.
Mercosur und das Prinzip der Fairness
Ein zentrales Thema der internationalen Politik, das uns direkt betrifft, ist das Mercosur-Handelsabkommen. Europa muss verstehen: Wenn wir hier unsere Standards immer weiter nach oben schrauben, darf das nicht dazu führen, dass wir die Produktion einfach in andere Weltregionen verlagern, wo Umwelt- und Sozialstandards keine Rolle spielen.
Wir müssen eine wertebasierte Handelspolitik führen. Es kann nicht sein, dass wir hierzulande die Tierhaltung mit massiven Auflagen belegen, aber gleichzeitig Fleisch aus Regionen importieren, in denen der Regenwald brennt und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, die bei uns seit Jahrzehnten verboten sind. Das ist kein fairer Wettbewerb, das ist die Zerstörung unserer heimischen Landwirtschaft unter dem Deckmantel des Freihandels. Wir fordern: Gleiche Regeln für alle, die auf den europäischen Markt wollen!
Innovation statt Verbote
Wir befinden uns in einer Zeit, in der die Landtechnik der Schlüssel zur Lösung vieler Probleme ist. Hier bei der Firma Gruber sehen wir, was technologisch möglich ist. Wir brauchen keine pauschalen Verbote, wie sie die EU mit der Sustainable Use Regulation (SUR) geplant hatte. Was wir brauchen, ist Precision Farming. Wir müssen durch moderne Technik Dünger und Pflanzenschutzmittel so präzise einsetzen, dass wir die Umwelt schonen und gleichzeitig die Erträge sichern.
Politik muss Innovationen ermöglichen, statt sie durch Bürokratie zu ersticken. Wir Bauern sind bereit, den Weg der Nachhaltigkeit zu gehen, aber man muss uns die Werkzeuge dafür lassen. Eine Politik, die Werkzeuge verbietet, ohne Alternativen zu bieten, ist verantwortungslos gegenüber der Ernährungssicherung.
Ein Plädoyer für Leistungsbereitschaft
Abschließend möchte ich einen Punkt ansprechen, der über die Landwirtschaft hinausgeht: die Einstellung unserer Gesellschaft zur Leistung. Wir in Deutschland und Europa leben seit Jahrzehnten von der Substanz. Wenn wir unseren Wohlstand halten wollen, müssen wir wieder mehr Lust auf Leistung entwickeln.
In der Landwirtschaft kennen wir keine 35-Stunden-Woche. Wenn wir so denken würden, wie es in manchen aktuellen gesellschaftlichen Debatten gefordert wird, gäbe es in Bayern keinen einzigen Bauernhof mehr. Ich habe neulich ein Bild von einer Bergbauernfamilie gesehen, wo die 75-jährigen Großeltern noch mit der Sense am Hang stehen. Das ist eine Form von Lebensarbeitszeit und Hingabe, die unsere moderne Gesellschaft oft nicht mehr versteht oder sogar als „problematisch“ kritisiert. Aber genau dieser Fleiß ist das Fundament unseres Landes.
Wir müssen uns wieder „unterhaken“. Deutschland ist momentan wie eine Fußballmannschaft im Abstiegskampf: Da hilft es nicht, nur den Trainer auszuwechseln. Die Mannschaft muss wieder laufen lernen. Wir Bauern gehen hier voran. Wir sind bereit, mehr zu leisten, weil wir wissen, wofür wir es tun: für unsere Betriebe, für unsere Heimat Bayern und für eine sichere Zukunft.

Ich danke Ihnen für das Zuhören. Lassen wir uns nicht entmutigen. Wir haben die Lösungen, wir haben die Technik und wir haben den Willen. Ich wünsche der Familie Gruber weiterhin viel Erfolg mit ihrer Ausstellung und uns allen gute Gespräche und einen optimistischen Blick nach vorne.
Herzlichen Dank!

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