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Josef J. Pöllmann
Stadt Waldkraiburg > Neumarkt St. Veit > Gemeinde Ampfing > Stadt Altötting > Mühldorf-TV ist durch die BLM lizenziertes Lokalfernsehen
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Das gab's 2026 bei Mühldorf-TV und bei Altötting-TV
Hier können Sie nachlesen, worüber wir in KW 10/2026 berichtet haben.
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Thema LZ Archiv KW Ersch.
47 Die Kommunalwahl ist gelaufen und hat teils überraschende Ergebnisse gebracht 11:50 Play Button ungewählt 10 13.03.26
Alle Parteien, Gruppierungen und Kandidaten haben den 8. März sehnlichst erwartet und bis dahin alles unternommen, um in die Gemeinde- und Stadträte einzuziehen, Bürgermeister zu werden oder sogar Landrat. Wir haben diesen spannenden Wahlabend zuerst im großen Sitzungssaal des Landratsamtes verfolgt und sind danach weiter in den Mühldorfer Haberkasten gefahren.

Im großen Sitzungssaal des Landratsamtes war die Anspannung früh mit Händen zu greifen. Neben den Kollegen der Pressestelle verfolgten unter anderem Bezirksrätin Claudia Hausberger, MdL Sascha Schnürer und Wirtschaftsförderer Thomas Perzl gebannt die einlaufenden Daten. Zur Unterstützung von Max Heimerl waren auch seine Eltern und seine beiden Söhne gekommen – und nach vollendeter Auszählung in Neumarkt-Sankt Veit stieß schließlich auch seine Gattin Hildegard dazu.

Die Wahlhelfer in den zahlreichen Stimmbezirken im ganzen Landkreis leisteten an diesem Abend logistische Höchstarbeit und waren wirklich schnell bei der Auszählung der Landrats- und Bürgermeisterstimmen. Da zuerst die Ergebnisse der Landratswahl einliefen, war schnell klar, dass Max Heimerl die absolute Mehrheit von über 50 % der Stimmen sicher erreichen würde. Je mehr Kommunen ihre Ergebnisse meldeten, desto weiter stieg sein Stimmenanteil an.

Die Gegenkandidaten Oliver Multusch von der AfD, Bianca Hegmann von den Grünen, Alexander Sommer von der UWG und Patrick Hüller von der SPD mussten früh ihre Chancenlosigkeit einsehen. Ganz anders die Stimmung bei der CSU: Als erster Gratulant stellte sich der Vorsitzende der CSU-Fraktion im bisherigen Kreistag und Ampfings Bürgermeister Sepp Grundner bei Max Heimerl ein, um ihm zur klaren Wiederwahl zu gratulieren. Auch Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer zeigte sich sichtlich erleichtert und erfreut über das deutliche Signal der Wähler. Während Patrick Hüller und Alexander Sommer das Ergebnis naturgemäß kritischer sahen und die Frage im Raum stand, ob der enorme Aufwand der letzten Wochen Früchte getragen hat, zog MdL Sascha Schnürer eine rundum positive Bilanz. Wenn man die hohe Zustimmung sieht, mit der viele Bürgermeister im Amt bestätigt wurden und dass die CSU zusätzliche Rathäuser erobern konnte – wie etwa der bevorstehende Wechsel in Haag zeigt –, dann war dieser Abend ein grandioser Erfolg für die Christsozialen. Schließlich stießen alle Beteiligten mit einem Gläschen Sekt auf das großartige Ergebnis an, das es Max Heimerl erlaubt, seine Arbeit im Landratsamt nahtlos fortzusetzen.

Ganz anders präsentierte sich die Stimmung im Mühldorfer Haberkasten, wo am späten Abend endgültig feststand, dass Amtsinhaber Michael Hetzl als Zweitplatzierter in die Stichwahl muss. Für Hetzl ist die Situation nicht neu, er kennt das Prozedere bereits aus vergangenen Wahlkämpfen. Nun gilt es für sein Team, in den kommenden 14 Tagen noch einmal alle Kräfte zu bündeln und die Bürger zu überzeugen, bis am Ende der Wähler das letzte Wort spricht. Während Christoph Schützenhofer mit knapp 7 % der Stimmen hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb, konnte Claudia Hausberger das Wahlergebnis für ihre Farben durchaus als kleinen Sieg verbuchen. Der Wahlkampf geht nun für alle Beteiligten in die zweiwöchige Verlängerung. Auch Markus Saller blickte bereits mit Spannung auf die kommenden Tage und auf das, was sich bis zum entscheidenden Stichwahltag in der Kreisstadt tun wird. Wir werden es sehen.

48 Wirtschaftsempfang von IGW und IVM mit Prof. Dr. Stephan A. Jansen: „Zukunft vom Übermorgen denken“ 18:15 Play Button ungewählt
Wer in der Geschäftswelt in Mühldorf und Waldkraiburg auf sich hält, fand sich kürzlich am späten Sonntagnachmittag im Foyer des Waldkraiburger Hauses der Kultur zum Neujahrsempfang ein, den die IGW und der IVM abwechselnd durchführen. Dazu eingeladen waren natürlich auch die Bürgermeister beider Städte, MdB Stephan Mayer, MdL Sascha Schnürer, Bezirksrätin Claudia Hausberger, die Mitglieder des Stadt- und des Kreistages und Landrat Max Heimerl mit seinen Stellvertretern sowie die Vertreter von IHK und Handwerkskammer. Und weil der Termin vor den Kommunalwahlen stattfand, waren auch die Kandidaten, die ihnen nachfolgen wollten, unter den Gästen.

Sie alle hieß Markus Kep, der aktuelle Vorsitzende der Industriegemeinschaft Waldkraiburg-Aschau, dann im „Zentrum von Bayern“ herzlich willkommen. Auch wenn das Neujahrsfest inzwischen doch ein wenig zurückliegt, freute er sich über die vielen Gäste im Saal. Besonders dankte er den Sponsoren, allen Banken der Region. Ganz besonders willkommen hieß er neben den Genannten den Referenten des Abends, Professor Dr. Stephan Jansen.

Mit dem Begriff „Zentrum von Bayern“ hatte Ministerpräsident Dr. Markus Söder kürzlich bei der Eröffnung des Zentrums für Kreislaufwirtschaft der Hochschule Rosenheim die Stadt Waldkraiburg bezeichnet. Dort soll erforscht werden, wie besonders Kunststoffe mit neuen Methoden wiederaufbereitet und einer weiteren Nutzung zugeführt werden können. Zwei Begriffe sind Markus Kep dort aufgefallen: Innovation und Abhängigkeit. Es ist allen klar, dass jetzt innovativ gehandelt werden muss, um den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Umwelt hinterlassen zu können. Deshalb hoffte er auf viele neue Erkenntnisse dort im Zentrum für Kreislaufwirtschaft. Allerdings tickt die Welt um Europa herum doch anders. Dort gelten die grünen Ideen nicht, die hier mit großen Anstrengungen verfolgt werden – der Rest der Welt kämpft ziemlich undiplomatisch um Rohstoffe. Da auch wir diese Rohstoffe nicht haben, brauchen wir gut ausgebildete Leute in der Forschung und Entwicklung. Das hat Landrat Heimerl längst erkannt, der ja den Landkreis zum Chancenlandkreis erklärt hat.

Aktuell nutzen unsere Unternehmen ihre Widerstandsfähigkeit gegen die weltweiten Turbulenzen. Damit diese nicht überfordert wird, wollen die beiden Wirtschaftsverbände ihre Unternehmen zusammenführen und sie im Austausch auf die aktuelle Situation vorbereiten. Markus Kep freute sich über das gute Miteinander der beiden Wirtschaftsverbände IGW und IVM, das sich in den zurückliegenden beiden Jahren deutlich intensiviert hat. In Arbeitsgruppen beschäftigen sie sich mit der Gewinnung von Nachwuchs, weil in den kommenden zehn Jahren ein Drittel ihrer Mitarbeiter in den Ruhestand wechseln wird. Ausgleichen könnte man das mit Zuzug und einer höheren Geburtenrate. Weiters wollen sie ihre Unternehmen nachhaltiger aufstellen. Der Blick über die Grenzen Europas hinaus verursachte ihm allerdings Unbehagen. Da setzte er seine Hoffnung auf die künstliche Intelligenz, die unweigerlich kommen wird. Da gilt es, den Anschluss nicht zu verlieren. Zudem zwingen Handelskonflikte, neue Wege einzuschlagen und neue Märkte zu erschließen. Die gewohnte Sicherheit wird es nicht mehr geben. Basierend auf Deutschlands Stärke sollte es aber gelingen, die Position des Landes zu halten, vorausgesetzt, es gelingt, die Rohstoffversorgung aufrechtzuerhalten. Es braucht also mutige Unternehmer und eine Bundesregierung, die die Bedeutung der Wirtschaft erkennt und diese unterstützt. Dann kann es gelingen, das angestrebte Wachstum tatsächlich auch zu erreichen. Allerdings müssen alle Beteiligten jetzt liefern, um ein Kippen der Stimmung im Land zu verhindern.

Waldkraiburgs Bürgermeister Robert Pötzsch freute sich, die Wirtschaft wieder in der Stadt zu Gast zu haben. Viele der Mitgliedsunternehmen sind weltweit aktiv, manche auch hauptsächlich in der Region. Sie denken global und handeln lokal. Der Umbau der Pürtener Kreuzung hat gezeigt, dass man auch mit dem einen oder anderen Umweg sicher ans Ziel kommen kann. Er dankte ihnen allen für ihre Geduld während der Bauphase. Ein Highlight ist sicher der Ausbau der Geothermie, die langfristig für preisgünstige Energie sorgen wird. Sie wird durch eine zweite Bohrung erweitert und kann damit auch die Nachbargemeinde Aschau versorgen. Auch Robert Pötzsch erwähnte die Eröffnung des Zentrums für Kreislaufwirtschaft, das Waldkraiburg auch zum Wissenschaftsstandort macht. Besonders macht die Region aber die Industrie, die sich über Jahrzehnte entwickelt und für Wohlstand gesorgt hat. Gerade in den aktuell unsicheren Zeiten zeigt sich die Bedeutung von Partnerschaften – zwischen den Unternehmen, aber auch zwischen Wirtschaft, Politik und Verwaltung. Auch wenn es nicht leichtfällt, den Status zu halten, sind doch sie es, die alles unternehmen, um nicht zurückzufallen.

Bundestagsabgeordneter Stephan Mayer wünschte den Zuhörern für das laufende Jahr alles Gute und viel Erfolg. Bezugnehmend auf Markus Keps Darstellung der komplexen wirtschaftlichen und politischen Situation hoffte Stephan Mayer, die Folgen der zurückliegenden beiden Rezessionsjahre überwinden und wieder auf den Erfolgsweg zurückkehren zu können. Tatsächlich gäbe es Silberstreifen am Horizont. Er kündigte an, die Bundesregierung werde 2026 alles unternehmen, um die Wirtschaft wieder erfolgreich zu machen. Einige Maßnahmen wurden schon begonnen, andere folgen im Lauf des Jahres. Trotzdem stehen noch große Aufgaben in vielen Bereichen bevor. Stephan Mayer war überzeugt, der Bereich Südostbayern kann als Beispiel für die Herausforderungen dienen, denen das ganze Land gegenübersteht. Er war etwa überzeugt, dass der Arbeitsmarkt flexibilisiert werden muss und dass die Arbeitnehmer mehr arbeiten müssen. Die Arbeitszeiten in Deutschland seien aktuell die niedrigsten in ganz Europa. Viele Rahmenbedingungen müssen modernisiert werden, um Deutschland vom Schlusslicht in der OECD weg wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Das Potenzial dazu gäbe es im Land, und neue Märkte seien mit den Mercosur-Ländern und mit Indien bereits auf dem Weg. Es gelte also, das zweifellos vorhandene Potenzial zu heben und die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass Deutschland seinen Stand als drittstärkste Wirtschaftsnation der Welt erhält. Und weil zuletzt Zweifel am Ausbau der Bahnstrecke laut geworden waren, versicherte er den Zuhörern, dass sofort Geld für den Bau bereitstehen wird, wenn Baurecht vorhanden ist. Daran wollte er sich messen lassen. So wünschte er den Zuhörern ein erfolgreiches Jahr und freute sich auf den späteren Austausch.

Auch Landrat Max Heimerl wünschte den Zuhörern ein erfolgreiches 2026. Er teilte Bundeskanzler Friedrich Merz’ Einschätzung der Lage und war überzeugt, 2026 muss noch einiges passieren. Nicht vergessen darf man aber, dass Wirtschaft zu einem Großteil auch Psychologie ist. Deshalb war er dankbar, dass die Vertreter der Wirtschaft die Situation auch positiv sehen. Dazu wollte er noch etwas beitragen: Wie bereits angesprochen, hat die Eröffnung des Zentrums für Kreislaufwirtschaft große Bedeutung für die ganze Region. Das zeigte auch der Besuch von Ministerpräsident Markus Söder zu diesem Anlass. Besonders freute ihn die Tatsache, dass viele Unternehmen in der Region trotz der aktuellen Herausforderungen höchst erfolgreich arbeiten und zum Teil sogar Weltmarktführer sind. Dazu hatte er Zahlen parat: 2025 stiegen die Gewerbesteuereinnahmen der Kommunen um 12,5 % auf über 100 Millionen Euro. Auch alle weiteren Steuern sind um minimal 2,5 % gestiegen. Das resultiert aus unserer breit aufgestellten Wirtschaft und ihrer engen Verzahnung. So hoffte er, sie setzen das auch so fort. Tatsächlich ist der Landkreis Mühldorf ein Chancenlandkreis und eine Aufsteigerregion mit enormem Wachstum. Die Zahl derer, die sich in den Ruhestand verabschieden, werden ab 2030 stärkere Jahrgänge 15- bis 18-Jähriger ausgleichen. Das unterscheidet den Landkreis Mühldorf von vielen anderen Regionen. Darüber hinaus wird auch die Verkehrsinfrastruktur immer weiter ausgebaut. Und zuletzt erwähnte Max Heimerl die aktive Wirtschaftspolitik mit dem Landkreiswerk und der Innovationsachse A94, mit der sie hochattraktive Gewerbeflächen anbieten können. Dazu gehört auch die Zusage der Autobahn GmbH, den Abschnitt der A94 im Landkreis Mühldorf zum Modell für ganz Deutschland für die energetische Nutzung zu machen. Er war überzeugt, wir alle überwinden die aktuelle Situation, wenn wir gemeinsam anpacken. Weil sie für die optimalen Rahmenbedingungen sorgen, war er optimistisch für die Zukunft.

Markus Kep stellte anschließend Professor Dr. Stefan Jansen vor, der in so vielen Fachbereichen lehrt und an vielen renommierten Universitäten weltweit tätig war, dass man das hier nicht alles aufzählen kann. In Berlin hat er die Bundesregierung beraten und war Mitglied des Innovationsdialoges der Bundeskanzlerin. Zudem ist er Träger des Deutschen Fahrradpreises 2020 und des Innovationspreises 2020. Professor Jansen wollte gleich ins Thema einsteigen.

Wir stehen vor einer Aufgabe, die Professor Stephan Jansen als den „Neuen Satz“ bezeichnet. Wir leben in einer Welt, in der der „Weiße Schwan“ – das permanent Unvorhersehbare – zur neuen Normalität geworden ist. Lange Zeit haben wir in Deutschland und Europa auf Wetten vertraut, die wir heute krachend verloren haben: die Sicherheits-Wette, bei der wir dachten, andere bezahlen für unseren Schutz; die Energie-Wette, bei der wir an dauerhaft billiges Gas aus dem Osten glaubten; die China-Wette, in der wir dort nur einen Absatzmarkt sahen und keinen technologischen Rivalen; und die Demografie-Wette, bei der wir dachten, der Fachkräftemangel ließe sich aussitzen. Diese Wetten sind vorbei. Willkommen in der Realität von 2026.

Dazu kommt die Dezentrierung der Welt. Wir müssen uns ehrlich machen: Europa ist nicht mehr das Zentrum der Welt. Während wir uns in kleinteiliger Bürokratie verlieren, verfolgen andere globale Strategien. Schauen wir auf die Zahlen: Die BRICS-Staaten vereinen heute über 46 % der Weltwirtschaftsleistung und mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung. Die G7 hingegen repräsentieren weniger als 30 % der globalen Wirtschaftskraft. Wir müssen lernen, uns in einer Welt zu behaupten, die uns nicht mehr automatisch folgt.

Es ist nicht nur eine Krise – es ist die „Gleichzeitigkeitswende“. Geopolitik, Klima, Energie, Ernährung und Bildung: Alles muss gleichzeitig neu erfunden werden. Besonders kritisch ist die Produktivitätslücke. Während die USA durch Plattformkapitalismus – also Google, Meta und Co. – nahezu arbeitsloses Einkommen generieren, kämpft unsere Industrie mit minimalen Margen in der klassischen Produktion. Wir haben den Zugriff auf Rohstoffe und Lieferketten schleifen lassen.

Doch hier liegt unsere Chance. Wir haben den Anschluss bei den Sprachmodellen fast verloren, aber die nächste Stufe der KI spielt uns in die Karten: Agentic AI bewegt uns weg von reinen Chatbots hin zu autonomen Agenten, die Prozesse selbstständig verhandeln und steuern. Physical AI und World Models verstehen im Gegensatz zur reinen Textverarbeitung des Silicon Valleys die reale Welt durch Sensordaten, 3D-Scans und physikalische Gesetze. Genau hier – an der Schnittstelle von Maschinenbau und digitaler Intelligenz – liegt die Zukunft der europäischen Industrie. Wir müssen das industrielle Metaverse und den digitalen Zwilling meistern, um Energie- und Verkehrsströme effizienter zu steuern als jeder andere.

Zudem werden wir in Deutschland sieben Millionen Erwerbstätige verloren haben. Das lässt sich weder durch Migration noch durch Überstunden lösen. Die Antwort lautet Robotik. Wir müssen den Rückstand zu Ländern wie China oder Südkorea aufholen. Humanoide Roboter werden unsere neuen Kollegen sein. Das ist keine Bedrohung, sondern die einzige Möglichkeit, unseren Wohlstand und unsere Pflegesysteme in einer alternden Gesellschaft zu sichern.

Als Fazit gilt: Vom Protest zum Prototyp. Wir müssen uns aus den Dingen, die wir nicht ändern können, zurück in unsere eigenen Gestaltungsbereiche arbeiten. Wir brauchen Sprunginnovationen statt kleiner Korrekturen, Reallabore, in denen wir testen dürfen, bevor wir regulieren, und Possibilismus statt Pessimismus. Ein Possibilist sieht die Möglichkeiten und die notwendige Anstrengung, um sie zu realisieren. Hören wir auf, uns einzuigeln. Gehen wir in die Umsetzung. Die Erfolge am Ende des Tunnels sind sichtbar – wir müssen nur zugreifen.

Nach so viel Inhalt freuten sich die Zuhörer aufs Buffet, wo sie den Abend mit vielen Diskussionen über das Gehörte sicher nicht so ruhig ausklingen ließen.

49 Gernot Sorgner im Haberkasten in Mühldorf mit großer Ausstellung: "Meine Bilder" 11:30 Play Button ungewählt
In der Kunstwelt der Region braucht man Gernot Sorgner nicht vorzustellen. Der ehemalige Waldkraiburger Lehrer, der heute in Kastl bei Altötting wohnt, ist rührig wie eh und je. Wir haben oft über ihn berichtet, haben ihn in seinem Atelier besucht, waren Gast seiner Sommerveranstaltungen „Kunstgarten – Gartenkunst“ und haben viele seiner Vernissagen begleitet. Aktuell zeigt Gernot Sorgner im Obergeschoss des Mühldorfer Haberkastens 86 Werke aus seinem reichen Fundus. Darunter Bekanntes, aber auch viele neue Arbeiten, für die er die Inspiration auf seinen Reisen zu Zielen in Europa und darüber hinaus holt. Wir haben uns die Bilder seiner aktuellen Ausstellung angesehen, die er schlicht „Meine Bilder“ nennt.

Seit seinem Abschied vom Kunstverein Inn-Salzach ist Gernot Sorgner Mitglied der Burghauser Künstlergruppe „Die Burg“. Kein Wunder deshalb, dass zur Vernissage überwiegend Mitglieder dieses Vereins gekommen waren. Aber auch Weggefährten aus den langen Jahren seines Wirkens in der Region feierten mit ihm. Und natürlich war Schorsch Huber dabei, der Gernot Sorgner zu seiner Zeit als Landrat als künstlerischen Leiter der Ausstellungen im Landratsamt und in der Kreisklinik eingesetzt hatte. In die Vernissage eingeleitet hat Annelies Brandstätter-Arnold mit ihrer Harfe. Die Konzertharfenistin, Harfenlehrerin und Musikpädagogin ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Sie war über zehn Jahre am Förderzentrum der Kreis-Caritas als Musikpädagogin tätig und wurde so mit dem Ehrentitel „Harfenmutter“ bedacht.

Dr. Reinhard Wanka, ehemaliger Schulleiter, Mühldorfer Stadtrat und ehemaliger Kulturreferent der Stadt, hieß die Gäste willkommen, unter denen auch Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl war, Altöttings stellvertretender Landrat Konrad Heuwieser, die aktuelle Kulturreferentin Claudia Hungerhuber und Waldkraiburgs dritte Bürgermeisterin Karin Bressel. Und natürlich freute er sich über Gernot Sorgner und Gattin Dagmar. Seit seiner Zeit als Kunst- und Sportlehrer an Waldkraiburger Schulen kannte Dr. Reinhard Wanka den Künstler, dem es schon immer ein Anliegen war, seinen Schülern die Kunst als Teil ihres kreativen Lebens näherzubringen. Künstlerisch tätig ist Sorgner ja schon seit 60 Jahren. Besonders aktiv war er während der Corona-Zeit, als er in seinem Studio allein war. Seine Kreativität zeigte er nun auch beim Hängen seiner Werke an den schiefen Wänden in diesem Raum – was Dr. Reinhard Wanka wunderte und zugleich schmunzeln ließ, während er die Vielfalt der Motive in den Bildern bewunderte.

Für Stefan Angstl, den Vorsitzenden der Künstlergruppe „Die Burg“, war es eine besondere Ehre, in Gernot Sorgners Ausstellung einführen zu dürfen. Anders als bei anderen Mitgliedern seiner Gruppe schwingen bei Ausstellungen oft Sorgen bezüglich der Gestaltung mit. Nicht so bei Gernot Sorgner, der ein absoluter Ausstellungskünstler ist. Er zeigt die Bilder, die sich anzuschauen lohnen. Wenn man seine Werke sieht, erkennt man, dass er alles genau aufnimmt, was er um sich herum beobachtet. Zudem nimmt er Anregungen seiner Frau an und lässt sich stark von der Musik und seiner Umgebung inspirieren. Das alles macht ihn zum echten Kulturschaffenden. Er zeigt, wie Kunst Menschen bewegt und welchen Einfluss Städte und Landschaften auf uns haben. Er hilft den Betrachtern, ihren Blick zu weiten. Für seine Gruppe ist Gernot Sorgner besonders wichtig, weil er schon die übernächste Ausstellung im Blick hat und dafür sogar seine Bilder überarbeitet. Er ist schließlich immer am Gestalten und am Verbessern. Das zeigt sich auch an der verwendeten Technik, die von Spachtelmasse bis zu Acryl reicht. Er sucht immer und überall und nutzt alles, was ihm in die Quere kommt. Seine Bilder strahlen genauso wie er selbst. So dankte Stefan Angstl ihm herzlich für sein Schaffen.

Nach einem weiteren Musikstück kam der Künstler selbst zu Wort: Er dankte erst der Stadt für die Möglichkeit, hier ausstellen zu können, und seinen beiden Vorrednern für ihre freundlichen Worte. Er erinnerte an eine Anekdote über den Komponisten Gustav Mahler. Ihn fragte einst ein kleiner Junge, was das denn für eine Musik wäre, die er da mache, und bat ihn, etwas darüber zu erzählen. Das verweigerte Gustav Mahler mit der Begründung, dass man Musik mangels einer geeigneten Sprache nicht erklären kann. Sobald sie sich einfach beschreiben lässt, sei sie schlecht. So verhält es sich mit jeder Art von Kunst. Sie muss gehört, gesehen, erlebt und wahrgenommen werden. Bilder enthalten Botschaften, und die Betrachter müssen sie aufnehmen und erkennen. Bilder zu betrachten bedeutet, sie ohne Worte zu erleben. So kann sich die Emotion des Künstlers als eine Art Seelenklang beim Betrachter entwickeln, der dann in seinen Gedanken die Kreativität des Künstlers weiterführt. So erweitern die Gäste die Kunst des Schöpfers und beginnen, sie zu verstehen.

Annelies Brandstätter-Arnold schloss den offiziellen Teil der Vernissage, und Gernot und Dagmar Sorgner luden die Gäste ein, bei einem Gläschen Sekt die Werke auf sich wirken zu lassen und sich mit ihnen darüber auszutauschen. Gernot Sorgners Ausstellung „Meine Bilder“ ist noch bis zum 29. März freitags, samstags und sonntags im Obergeschoss des Mühldorfer Haberkastens von 13 bis 17 Uhr zu sehen. Schau’n Sie doch mal rein!


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