| Zu einer Auftaktveranstaltung für ein neues Projekt der „Zeitintensiven Betreuung am Lebensende im Pflegeheim“ hatte der Anna-Hospizverein in seinen Sitz nach Annabrunn eingeladen. Im dortigen Saal begrüßte Geschäftsführer Thomas Kitzeder neben der Anna-Hospizvereinsvorsitzenden Petra Zimmermann-Schwier auch Dr. Barbara Rebhahn vom bayerischen Gesundheitsministerium, Sabine Brantner von der Paula-Kubitscheck-Vogel-Stiftung sowie die Projektbeteiligten des Sanatoriums Augustinum in Schwindegg und der Pflegeeinrichtung Schloss-Geldern in Zangberg. Er freute sich auch über Andrea Lepschy, Palliativ-Care-Pflegekraft der SAPV.
Er freute sich, dass mit den neuen Teilnehmern das Projekt fortgesetzt werden kann, das sie kurz ZiB nennen. 2015 im Landkreis Mühldorf unter Federführung von Sabine Brantner als Modellprojekt begonnen, hat das Projekt inzwischen bayernweit Nachahmer gefunden. Seither wurden im Landkreis elf Projekte mit Einrichtungen durchgeführt. Nach Aufnahme der beiden Häuser in Schwindegg und Zangberg betreuen sie also jetzt 14 Einrichtungen. Ein schöner Erfolg, wie Thomas Kitzeder meinte.
Dr. Barbara Rebhahn, beim bayerischen Gesundheitsministerium Leiterin des Referats für Pharmazie, betonte, die ZiB-Projekte lägen dem Ministerium sehr am Herzen, weil sie Menschen in Betreuungseinrichtungen sehr unterstützen und etwa mehr Kompetenz in die Pflegeeinrichtungen bringen. Es liege ihnen am Herzen, Menschen in schwierigen Situationen beizustehen. So freute sie sich über die beiden neuen Partner und wünschte den Mitarbeitern viel Erfolg.
Von Anfang an dabei war Sabine Brantner, die schon vorher 20 Jahre lang beim Anna-Hospizverein bei der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung – kurz SAPV – gearbeitet hatte. Sie führt jetzt die Geschäfte der Paula-Kubitscheck-Vogel-Stiftung mit Sitz in München. Sabine Brantner freute sich über die beiden neuen Einrichtungen, die sie jetzt betreuen dürfen. Sie freute sich auch über die große Kompetenz beim Anna-Hospizverein und den Erfolg ihrer Idee, die sie vor zehn Jahren mal hatte.
Ihre Stiftung wurde im Oktober 2006 zum Zweck des Ausbaus der Hospiz- und Palliativversorgung gegründet. Damit unterstützen sie sowohl ambulante Hospizdienste als auch den Bau und den Umbau von Hospizeinrichtungen und unterstützen diese auch weiterhin. Zudem hat ihre Stiftung 38 von heute 48 SAPV-Teams angeschoben. Darüber hinaus ist es ihr Anliegen, das Lebensende angenehm zu gestalten. Dazu dient ihr niedrigschwelliges Angebot der „Letzten Hilfe“.
Eines der besonderen Projekte ist das Projekt „ZiB“, also die „zeitintensive Betreuung am Lebensende im Pflegeheim“, das entstanden ist, weil sie erkannt hatte, dass die Mitarbeiter in den Pflegeheimen immer weniger Zeit für ihre Patienten haben. Das Projekt dient dazu, den Pflegeheimmitarbeitern zusätzliche Zeit für ihre Bewohner am Lebensende zu ermöglichen, die nötige Kompetenz in den Heimen sicher zu verankern und das Zusammenspiel zu optimieren.
Seit 2018 haben sie dieses Konzept in bayernweit mehr als 80 Einrichtungen erfolgreich umgesetzt. Unterstützt werden sie dabei vom bayerischen Gesundheitsministerium. Nötig ist die zeitintensive Betreuung am Lebensende, weil die Bewohner in den Heimen immer älter werden oder immer später in die Heime kommen. Häufig kommen sie erst ins Heim, wenn sie eigentlich schon Palliativpatienten sind. Dadurch steigt der Bedarf an Palliativpflegekompetenz in den Heimen stark an. Auch wenn in den Heimen die nötige Kompetenz vorhanden ist, fehlt doch die Zeit für die intensive Betreuung der Bewohner. Sabine Brantner befürchtete, dieser Trend wird sich weiter fortsetzen und durch einen zunehmenden Mangel an Fachkräften noch verschärfen. Dem entgegenwirken will ihre Stiftung.
Eine Auswertung ihres Engagements hat den Erfolg bewiesen: Die Zahl der Notarzteinsätze ist gesunken, genauso wie die Zahl der Krankenhauseinweisungen. Weiters hat sich die Zusammenarbeit mit allen anderen im Gesundheitswesen verbessert. Eine Studie hat 2022 in 20 Pflegeeinrichtungen ermittelt, dass 93,5 % der Bewohner in den Pflegeeinrichtungen sterben konnten. Es gelang also, fast alle Patienten in den Pflegeeinrichtungen zu versorgen. So freute sie sich sehr, dass die beiden genannten Einrichtungen seit Januar für 2026 Teil dieses Projektes sind. Ihnen und dem Anna-Hospizverein dankte sie sehr für die Mitwirkung und ganz besonders den Palliativkräften für diesen herausfordernden Dienst.
Projektkoordinatorin Andrea Lepschy hatte die Erkenntnisse aus der genannten Studie parat, an der 340 Bewohner teilgenommen hatten. In der Projektphase sind 199 von ihnen verstorben. Da sie die Patienten auch vor ihrem Wechsel in die Pflegeeinrichtung beobachtet hatten, konnten sie feststellen, dass die Zahl der Notarzteinsätze in vier Wochen von 30 auf 9 % gesunken ist. Die Zahl der Klinikeinweisungen sank von 41 auf 16 %. Der Einsatz von symptommildernden Medikamenten konnte von 40 auf 63 % gesteigert werden. Sind vorher 34 % der Heimpatienten in Kliniken verstorben, waren es mit der Betreuung nur noch 6 %. Sie war sicher, sie kriegen diese Zahl auch noch auf Null!
Befragungen haben eine Weiterempfehlungsrate von 97 % gezeigt. Sogar die Pflegekräfte selbst waren froh, endlich so arbeiten zu können, wie sie das gelernt haben. Einziger Wermutstropfen war, dass das Projekt nach einem Jahr wieder beendet wurde. Sogar wirtschaftlich war das Projekt ein Erfolg, weil schon bei zwei Bewohnern pro Heim die eingesparten Kosten für Krankenhausaufenthalte die Projektkosten ausgleichen.
Die Leiter der beteiligten Heime und ihre Mitarbeiter begründeten dann ihre Motivation mitzumachen. Jörg Kaiser vom Augustinum Sanatorium in Schwindegg war überzeugt, die Begleitung am Lebensende erfüllt die Forderung unseres Grundgesetzes und erhält die Würde des Menschen bis zum Ende. Er war stolz auf seine beiden Mitarbeiterinnen, die tolle Arbeit leisten. Zudem kündigte er an, mit ihren Erfahrungen aus dem 12-monatigen Projekt in die Verhandlungen mit den Pflegekassen gehen zu wollen.
Petra Zimmermann-Schwier freute sich über die neuen Projekte und lud abschließend ein, den Nachmittag bei Häppchen ausklingen zu lassen.
Was die „ZiB-Projekte“ ausmacht, erläuterte uns dann Andrea Lepschy.
Frau Dr. Rebhahn, das Gesundheitsministerium unterstützt die Projekte. Warum?
Frau Zimmermann-Schwier, warum engagiert sich der Anna-Hospizverein für dieses Projekt?
Der gemeinsame Wunsch aller Projektbeteiligten wäre, dass aus dem Projekt bald eine normale Leistung wird, die allen zugute kommt, die am Ende ihres Lebens Hilfe brauchen. Aber das kommt sicher, so wie wir den Anna-Hospizverein und seine Partner kennen!
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